Showtime für den Hund

Zwei neue Bücher setzen den besten Freund des Menschen wie einen Star in Szene – das eine verblüfft, das andere rührt an.

Hundeblick in Perfektion: Stella McCartney und Kubrick im Bett.

Hundeblick in Perfektion: Stella McCartney und Kubrick im Bett. Bild: Sean Ellis, courtesy Schirmer/Mosel

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Es sind die aus unserer menschlichen Sicht «hässlichen» Hunde, die wir besonders genau anschauen, oder sagen wir lieber, Hunde mit charakteristischem Äusseren. So ein ungarischer Puli ist mit seinen Dreadlocks ein echter Blickfang, wenn er wie ein verfilztes Wollknäuel durch die Gegend rennt. Und die englische Bulldogge, die stets so wunderbar schlecht gelaunt scheint, verströmt etwas Tröstliches – endlich ein Hund, der ähnlich fühlt wie ein Mensch, der den kalten Winter noch vor sich hat!

Tim Flach, Tierfotograf aus London, kennt die Attraktion aussergewöhnlicher Tiergesichter, und man wird bei der Lektüre seines Bildbandes «Hunde» den Verdacht nicht los, dass es ihm bei den spektakulären Aufnahmen mindestens so viel um die Aufmerksamkeit des Publikums ging wie um die Kunst der Tierfotografie. Flach selber sieht das freilich anders: Er habe, so sagte er in einem Interview, lediglich die charakteristischen Merkmale eines jeden Hundes betonen wollen, den Hund als Metapher zeigen für das, was der Mensch aus ihm gemacht habe.

Mit der glänzenden Frisur

Ohne Frage sind witzige, ungewöhnliche und sogar einige atemberaubende Bilder dabei entstanden. Nie ist die Frisur eines Afghanischen Windhundes glänzender abgebildet worden – vermutlich wurde sein Haupthaar für die Aufnahme stundenlang gekämmt und geföhnt. Und noch nie zuvor sah man einen Kuschelteppich aus schwarzen und weissen Tupfen, der sich beim zweiten Hinschauen als ein Dutzend Dalmatinerwelpen mit herzigen rosa Schnauzen entpuppt.

Stutzig wird man dann beim Bild von zwei Dobermännern, die mit frisch kupierten, verpflasterten Ohren scheinbar belustigt in die Kamera schauen. Das coupieren, diesen grotesken Eingriff des Menschen, vielerorts inzwischen verboten, setzt Flach kaltschnäuzig in Szene. Muss man das abbilden? Was man dem nach Aufmerksamkeit ringenden Bildband indes gern zugesteht, sind die informativen, stilistisch gut geschriebenen Texte, welche die einzelnen Hundeporträts begleiten. Da erfährt man auf die Schnelle teilweise Interessanteres als in manchem kynologischen Sachbuch.

Das Leben des Kubrick

Im Bildband des britischen Modefotografen Sean Ellis erfährt man vor allem etwas über das Leben und Sterben von Kubrick, benannt nach Regisseur Stanley Kubrick. Ellis war so vernarrt in seinen ungarischen Vorstehhund, dass er ihn mit Stars dekorierte und so auf den Fotografien zum Superstar machte: Kubrick mit Stella McCartney im Bett (die im Vorwort von Kubrick respektvoll als einer «pelzigen Person» spricht), Kubrick mit Brian Adams an der Gitarre, Kubrick mit einer lasziven Kate Moss auf dem Teppich. Das alles wirkt etwas gewollt, rührt einen aber auch an. Und wenn Kubrick dann zum Schluss an Krebs stirbt und in eine Decke gewickelt scheinbar verloren, aber friedlich auf einer Wiese im Abendlicht liegt und vermutlich schon im Hundehimmel ist, dann weint man gerne eine Träne mit.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.11.2010, 20:01 Uhr

Rennendes Wollknäuel: Ein ungarischer Puli. (Bild: Tim Flach)

Die Bücher

Tim Flach: Hunde. Knesebeck, München 2010. 215 S., ca. 80 Fr.

Sean Ellis: Kubrick, the Dog. Schirmer/Mosel, München 2010. 135 S. ca. 50 Fr.

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