US-Autor Saunders erhält Man-Booker-Preis

In «Lincoln in the Bardo» lässt George Saunders die Toten sprechen. Nun wurde er für den Roman mit dem Man-Booker-Literaturpreis ausgezeichnet.

War bisher für seine Kurzgeschichten bekannt: George Saunders an der Preisverleihung.

War bisher für seine Kurzgeschichten bekannt: George Saunders an der Preisverleihung. Bild: Reuters

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Mit einem Roman über US-Präsident Lincoln am Grab seines Sohnes sichert sich George Saunders den diesjährigen Man-Booker-Preis. Er ist der zweite Amerikaner in Folge, der die britische Auszeichnung für Autoren erhält.

US-Autor George Saunders hat den angesehenen Man-Booker-Literaturpreis für sein Werk «Lincoln in the Bardo» gewonnen. Saunders wurde die Auszeichnung von Prinz Charles' Ehefrau Camilla in London überreicht. Saunders Roman erzählt, wie US-Präsident Abraham Lincoln seinen 11-jährigen Sohn in Washington zu Grabe trägt aus der Sicht mehrerer Toten, die nicht gewillt sind, vom Leben loszulassen. «Ich fühle mich irgendwie betäubt», sagte Saunders. Nach der Verkündung sei er ungläubig und dankbar gewesen.

Jury lobt Innovation

Der Stil des Buchs sei komplex, aber die Frage, die in dessen Zentrum stehe sei einfach: Reagieren wir in unsicheren Zeiten mit Angst und Spaltung, oder «wagen wir diesen alten grossen Sprung des Glaubens und versuchen, mit Liebe zu reagieren?», fragte Saunders nachdem er die Auszeichnung erhalten hatte. Er habe 20 Jahre lang mit sich gehadert, die Geschichte von Lincoln zu erzählen. Der Roman, an dem er vier Jahre lang geschrieben habe, passe nun jedoch punktgenau in die gesellschaftlich gespaltenen USA.

Die Jury lobte die Innovation des Romans, der auf paradoxe Weise die eigentlich toten Charaktere zum Leben erwecke. Das Buch basiert auf Lincolns tatsächlich geschehenen Besuch des Friedhofs im Jahr 1862, wo sein 11 Jahre alter Sohn Willie begraben liegt. Saunders reiht in dem Roman geistreiche, zotige, poetische und aufregende Episoden aus dem Leben Lincolns und dem US-Bürgerkrieg, Passagen von Historikern und fiktionalen Charakteren aneinander. Der Titel des Buchs benutzt dabei einen Begriff aus dem tibetischen Buddhismus, in welchem «Bardo» den Zustand zwischen Tod und Wiedergeburt bezeichnet.

Preis seit 2014 für Amerikaner geöffnet

«Lincoln in the Bardo» ist der erste Roman des 58-Jährigen, der bisher für seine Kurzgeschichten bekannt war. Seine Kurzgeschichtensammlung «Tenth of December.» erhielt 2014 den Folio-Literaturpreis. Es ist das zweite Jahr in Folge, dass ein US-Autor den mit 50'000 Pfund dotierten Man-Booker-Preis erhält. Im vergangenen Jahr ging er an Paul Beatty für «The Sellout». Die Auszeichnung bedenkt Autoren, die auf Englisch schreiben und ihre Bücher in Grossbritannien veröffentlichen. Er wurde erst im Jahr 2014 für Autoren aus den USA geöffnet. (kpn/dapd)

Erstellt: 18.10.2017, 08:27 Uhr

Artikel zum Thema

Man-Booker-Preis erstmals an US-Autor verliehen

Der US-Amerikaner Paul Beatty wurde mit der höchsten Literaturauszeichnung Grossbritanniens geehrt. Herzogin Camilla überreichte ihm in London den Preis. Mehr...

Man Booker Prize – Longlist veröffentlicht

Die Jury der renommiertesten britischen Literaturauszeichnung hat die dreizehn Longlist-Werke bekannt gegeben. Mehr...

Service

Agenda

Alle Events im Überblick.

Blogs

Mamablog Gewalt entsteht aus Überforderung

Sweet Home Platz da – die Dicken kommen!

Die Welt in Bildern

Ungewisse Zukunft: Ein Indischer Fischer wartet in einem Gefängnis in Karachi, Pakistan auf seine Bestrafung. Er wurde gemeinsam mit elf weiteren Männern von der Marine aufgegriffen, als sie versehentlich in pakistanischem Hoheitsgebiet unterwegs waren. Indien und Pakistan nehmen regelmässig Fischer des jeweils anderen Landes fest, da die Territorien im Meer nicht klar abgegrenzt sind. (18. November 2018)
(Bild: SHAHZAIB AKBER) Mehr...