Vater und Tochter kämpfen gegen Rassisten-Gangs

Krimi der Woche: Schnell und hart, aber auch berührend ist das Romandebüt «Die Rache der Polly McClusky» des TV-Serien-Autors Jordan Harper.

Viel Action, präzise Dialoge, schnelle Szenenwechsel: Der Stil im Debütroman von Jordan Harper ist geprägt durch seine Arbeit als TV-Serien-Autor.

Viel Action, präzise Dialoge, schnelle Szenenwechsel: Der Stil im Debütroman von Jordan Harper ist geprägt durch seine Arbeit als TV-Serien-Autor. Bild: Brian Hennigan

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Der erste Satz
Die Tattoos und Narben auf seiner Haut erzählten seine Geschichte.

Das Buch
Nate McClusky holt seine Tochter Polly von der Schule ab. Was die 11-Jährige verblüfft, denn sie hat ihren Vater seit Jahren nicht mehr gesehen. Doch heute ist er vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen worden, und er will seine Tochter retten. Denn der Chef der Aryan Steel hat einen Hinrichtungsbefehl erlassen gegen die ganze Familie, weil McClusky im Knast dessen Bruder umgebracht hat. Nates Ex wurde schon getötet, samt ihrem neuen Mann. Jetzt will er Polly in Sicherheit bringen. Was sich als ziemlich schwierig erweist, denn die Aryan Steel und die mit ihnen verbündeten White-Power-Gangs sind überall in Kalifornien – und wer McClusky erwischt, holt sich Ruhm, Ehre und Aufstiegsmöglichkeiten in der Szene.

«Die Rache der Polly McClusky», der erste Roman des Amerikaners Jordan Harper, ist sehr filmisch: viel Action, präzise Dialoge, schnelle Szenenwechsel. Das kommt nicht von ungefähr: Harper ist ein versierter TV-Autor, der populäre Serien wie «The Mentalist» und «Gotham» geschrieben hat. Und bereits hat er auch das Drehbuch für die Verfilmung seines ersten Romans verfasst.

McClusky zieht in den Krieg gegen die rassistischen Banden, die vor allem im Drogengeschäft aktiv sind. Da er das Mädchen nicht allein lassen kann, bringt er ihm bei, wie man um sein Überleben kämpft. Gemeinsam trainieren Vater und Tochter täglich. Sie beginnen, die Gangs zu berauben. Doch das wird nicht dafür reichen, dass der Hinrichtungsbefehl zurückzogen wird.

Es geht ziemlich brutal zu und her in diesem rasanten, Roadmovie-artigen Roman, der eine furiose Mischung aus Neo-Noir und Coming-of-Age-Geschichte ist. Liebe und Loyalität prägen die Beziehung zwischen Vater und Tochter. Polly ist nicht unbedingt härter, aber letztlich konsequenter als ihr Vater. Die kindlichen Emotionen drückt sie nur noch über ihren einäugigen Teddybären aus, der ihr ständiger Begleiter ist.

Harper erzählt die Geschichte des gemeinsamen Überlebenskampfs direkt und hart, schlank, ohne überflüssige Plaudereien. Er ist ein Stilist, der schnell und gekonnt auf den Punkt kommt. Unterstützt wird dies durch die stimmige Übersetzung ins Deutsche von Conny Lösch. Und bei aller Dramatik und Härte lässt einen der Roman mit immer wieder aufblitzendem schwarzem Humor auch schmunzeln. Etwa wenn Scubby, der Drogenvorkoster bei den Nazi Dope Boys in L.A., findet, er habe den besseren Job als der Papst: Der habe «seidene Unterhosen und eine Milliarde Leute unter seiner Fuchtel, aber dafür musste er auch blöde Hüte aufsetzen und jeden Tag in die Kirche gehen».

Die Wertung

Der Autor
Jordan Harper, geboren 1976 in Springfield, Missouri, wo er auch aufgewachsen ist, war Musikjournalist und Filmkritiker, unter anderem Musikredaktor bei der «Riverfront Times» in St. Louis, Missouri, und Kritiker für die «Village Voice» in New York. Seit 2010 arbeitet er als Autor fürs Fernsehen und war Hauptautor der TV-Serien «The Mentalist» und «Gotham». Derzeit arbeitet er an der neuen Serie «L.A. Confidential», die auf dem gleichnamigen Kriminalroman von James Ellroy basiert. Er veröffentlichte zwei Bände mit Kurzgeschichten. «She Rides Shotgun» («Die Rache der Polly McClusky») ist Harpers erster Roman; er schrieb auch das Drehbuch für die anstehende Verfilmung. Jordan Harper lebt mit seiner Frau Elizabeth in Los Angeles.

Jordan Harper: «Die Rache der Polly McClusky» (Original: «She Rides Shotgun», Ecco/HarperCollins, New York, 2017). Aus dem Englischen von Conny Lösch. Ullstein, Berlin, 2018. 285 S., ca. 25 Fr.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.03.2018, 09:54 Uhr

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