Alles ausserhalb von uns ist Beuteland

Wie der Rechtsstaat in Deutschland ausgetrickst wird: Ein aufrüttelndes Buch zeigt auf, wie die arabischen Clans funktionieren.

Die eigene, verschworene Gemeinschaft. Szenenbild aus der deutschen Fernsehserie «4 Blocks», die in Berlin spielt und die Machenschaften eines Clans zeigt. Die Serie läuft seit Mai 2017 bei TNT.

Die eigene, verschworene Gemeinschaft. Szenenbild aus der deutschen Fernsehserie «4 Blocks», die in Berlin spielt und die Machenschaften eines Clans zeigt. Die Serie läuft seit Mai 2017 bei TNT.

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Das hört sich bös an. Autodiebstahl, Drogenhandel, Geldwäsche, Menschenhandel, Mietwucher, Kinder-Pornos, Organhandel, Schwarzarbeit und Steuerschwindel: alles vom Ausland eingeschleppt. So richtig ins Rollen kam die organisierte Kriminalität durch Migranten und offene Grenzen. Sagt wer?

Sagt der Politikwissenschaftler Ralph Ghadban in seinem jüngsten Buch über «Arabische Clans». Hier kennt er sich aus wie kaum ein Zweiter. Im Eifer seines Gefechts gegen kriminelle arabische Clans schiesst er zwar bisweilen über sein Ziel hinaus. Und trifft alle Muslime. Und den Islam als solchen. Mit dem gleichen Recht könnte man das Christentum für Kindesmissbrauch verantwortlich machen. Im Übrigen aber, im Grossen und Ganzen, ist Ralph Ghadban ein hervorragendes Buch gelungen, informativ, aufrüttelnd, anschaulich erzählt.

Ralph Ghadban schreibt nicht nur, er handelt auch. In diesen Tagen hat er mit dem deutschen Grünen-Politiker Cem Özdemir, dem Politikwissenschaftler Bassam Tibi und anderen die «Initiative säkularer Islam» gegründet. Die Religion soll sich nicht in politische Belange einmischen (siehe Kasten).

Ralph Ghadban, 69, stammt selber aus dem Libanon. Anfang der Siebzigerjahre bekam er ein Promotionsstipendium in Deutschland. In der Theorie als Migrationsforscher und in der Praxis als Sozialarbeiter verfolgt er seit Jahrzehnten, wie der Rechtsstaat ausgetrickst wird: durch arabische Clans, ihre Stammeskultur und islamisch-patriarchale Familienstruktur. Und die Behörden, insbesondere die Multikulti-Eiferer, tolerieren diese Parallelgesellschaft. Sagt wer? Sagt Ghadban. Und er behauptet es nicht nur, sondern führt Fallbeispiele auf.

Islamisches Recht

Seine Argumentationslinie geht wie folgt: Die Stärke krimineller arabischer Clans basiert auf dem islamischen Rechtssystem. Dieses Recht ist an erster Stelle der Gemeinschaft verpflichtet, nicht individuellen Menschenrechten wie unseres. Eherecht, Zwangsheirat, Familienehre, Ehen zwischen Cousin und Cousine und die Verteilung des Erbes nicht nur vom Vater auf die Kinder, sondern horizontal unter den Geschwistern – alles dient zur Stärkung der Gruppe.

Wichtiger als der Einzelne ist für das islamische Recht der innere Zusammenhalt der Gläubigen, der Umma, des Stamms, des Clans, der Grossfamilie – und das in offensiver Abgrenzung nach aussen: gegen staatliche Behörden, gegen Justiz und Polizei, gegen die «Ungläubigen»; und im Zweifelsfall sogar gegen die Flüchtlingshelfer.

Weil muslimische Wohlfahrt nur auf die eigene Glaubensgemeinschaft zielt, verstehen viele Flüchtlinge nicht, warum ihnen hierzulande «Fremde» helfen. Ganz schön dumm? Von ehrenamtlichen Helfern ist immer wieder zu hören, sie würden von Muslimen nicht wertgeschätzt. Diese versteckte Missachtung oder Gleichgültigkeit können die Helfer nicht verstehen – Ghadban schon. Er erklärt: «Als Muslime betrachten sie sich als etwas Besseres, diese unsägliche Überheblichkeit den Deutschen gegenüber ist bei den meisten zu finden.»

Die Clans - Arabische Grossfamilien in Deutschland. Eine Reportage der ARD vom August 2018.

Weil die Aktivitäten von Muslimen – das Recht, die Religion, die Erziehung, die Bildung, das Leben der Frauen – nach innen auf die eigene Gemeinschaft gerichtet sind, bildet diese Kultur eine besonders geschlossene Parallelgesellschaft. Ihre Säulen sind die islamischen Zentren, allen voran der Imam, mit Koranschule, Elternberatung Sozialarbeit, Freizeitangeboten.

Ursprünglich entstanden, weil die Mehrheitsgesellschaft die Muslime ausschloss, reproduziert sich die Parallelgesellschaft inzwischen selbsttätig und voll verantwortlich für alles. Sie kann ihre Handlungen nicht mehr damit entschuldigen, Opfer von Diskriminierung zu sein. In Berlin etwa unterrichten die islamischen Zentren über 6000 Kinder. Die Zentren, auf den Glauben ausgerichtet, fördern die Desintegration. Zugleich integrieren sie Flüchtlinge – in die islamische Parallelgesellschaft.

Konkurrenz der Systeme

Im Grunde kommt es zu einer Konkurrenz der Systeme. Auf der einen Seite steht der auf den Einzelnen und die universalen Menschenrechte gegründete Nationalstaat. Auf der anderen Seite steht die auf Gruppensolidarität gegründete politisch-religiöse Gemeinschaft des Islam mit teils archaischen Merkmalen.

Ralph Ghadban ist klar auf der Seite des säkularen Staats. Wie man der drohenden Unterwanderung westlicher Gesellschaften durch den Islam, insbesondere durch kriminelle Clans, Einhalt gebieten kann, dafür hat der Politikwissenschaftler praktische Vorschläge. Hier sind sie – in Kurzfassung. Erstens: Sprengung des Clans. Kriminelle Geschäftsmodelle, Basis vieler Clans, zerstören. Vermögen unklarer Herkunft einziehen. Die Einzelnen aus dem Verband lösen, nur so ist Integration möglich.

Sprengung der Grossfamilie, insoweit sie als soziopolitischer Verband handelt. Begrenzung der Flüchtlingszahlen, auch des Familiennachzugs. Aussteigerprogramme für Clan-Mitglieder, insbesondere für Frauen. Kinder, die zu kriminellen Taten angehalten werden, aus der Familie herausholen.

Stärkung der Position der Schulen gegenüber den Eltern. Abkoppelung der Kinder vom Elternhaus, etwa durch Ganztagsschulen. Das Gebetsverbot in Schulen einhalten; die Kritik am politischen Islam fördern.

Intensivierung des Datenaustauschs zwischen Behörden, zwischen Schulen, Sozialhelfern, Jugendamt und Polizei. Enge Vernetzung der Dienststellen, um Kriminellen auf die Spur zu kommen.

Mehr Polizisten auf die Strasse, damit sie sich gegen die verstärkte Rudelbildung der Sippen durchsetzen können.

Grundlegend bei allem ist der Einstellungswandel – weg vom Multikulturalismus. Die Multikulti-Ideologie, so Ghadban, erklärt alle Kulturen für gleichwertig und stellt damit repressive mit toleranten Kulturen gleich – und sie somit alle als gleich schützenswert hin.

Insbesondere für die Justiz muss gelten: Die Herkunft aus einer anderen Kultur darf nicht zu milderen Strafen führen. Der Koran mag das Schlagen von Frauen erlauben, unser Gesetzbuch verbietet es. Fazit: Zu schützen ist nicht die Würde einer Kultur, sondern die Würde des Einzelnen.

Ralph Ghadban hat jede Menge Erfahrung mit arabischen Gruppen und islamischen Verbänden. Zwei Grundsätze sind für ihn nicht verhandelbar. Erstens: die Trennung von Religion und Politik. Die Scharia hat in Europa nichts zu suchen. In Europa setzt das römische Recht die Massstäbe, nicht ein göttlicher Wille, auch nicht das Christentum. Zweitens: Anerkennung der Gleichheit aller Menschen, der Gleichheit von Mann und Frau, von Gläubigen und Ungläubigen. Klare Ansage.

Ralph Ghadban: «Arabische Clans. Die unterschätzte Gefahr». Econ im Ullstein-Verlag 2018. 250 S., ca. Fr. 24.–.

Kirsten Heisig: «Das Ende der Geduld. Konsequent gegen jugendliche Gewalttäter». Herder-Verlag 2017. 256 S., ca. Fr. 21.–. (Basler Zeitung)

Erstellt: 10.12.2018, 11:59 Uhr

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Arabische Clans: Stämme im Rechtsstaat

Für die einen ist Ralph Ghadbans Buch ein Stein des Anstosses, für die anderen ein Anstoss zum Selberdenken. Wie dieser Migrationsforscher eine Verbindungslinie zwischen Nomaden-Stämmen und modernen Clanstrukturen zieht, ist zumindest kühn. «Clans verhalten sich in ihrer deutschen Umgebung wie die Stämme in der Wüste. Alles, was ausserhalb des Clans liegt, ist Feindesland und frei zu erobern. Die Umgebung, die wir öffentlicher Raum nennen, ist für die Clans kein Lebensraum, in dem sie arbeiten und ihre materiellen sowie kulturellen Bedürfnisse befriedigen.

Die Clans sind auch nicht sozial und institutionell an diesen Raum gebunden; sie sind nicht in Parteien, lokalen Aktivitäten, Vereinen, Projekten und Bürgerinitiativen, was eben in einem Kiez üblich ist und die Zivilgesellschaft ausmacht, engagiert. Daher ist der öffentliche Raum für sie kein Lebensraum, der zu verteidigen wäre. Vielmehr sehen Clans im öffentlichen Raum ein Gebiet für ihre Raubzüge.»

Laut Ghadban gibt es zum einen die «legalen Raubzüge»: Man verweigert versicherungspflichtige Arbeit und schöpft lieber die staatlichen Gelder ab, Sozialhilfe, Kindergeld, Wohngeld. Zum anderen gibt es die «illegalen Raubzüge», zum Beispiel Schwarzarbeit, Diebstahl, Drogenhandel, Zuhälterei, Erpressung. Den Clans, auf sich selbst ausgerichtet, fehlt der Bürgersinn, das Nationalbewusstsein, das Verantwortungsgefühl fürs Ganze.

Ghadban: «Aus dieser Perspektive ist der öffentliche Raum kein Lebensraum, den man für das eigene Wohl schützen wird, sondern Feindesland, das für die Sicherung der Beute kontrolliert werden muss; er ist ein Revier, das gegen das Eindringen konkurrierender Krimineller zu verteidigen ist, aber vor allem der Kontrolle des Staates entzogen werden soll. Deutschland wird als Beutegesellschaft betrachtet.» chr

Die «Initiative säkularer Islam» sucht Unterstützer

Muslima ist nicht gleich Muslima; Muslim ist nicht gleich Muslim. Die 4. Deutsche Islam-Konferenz stellte Ende November in Berlin ein breites Spektrum von Muslime vor. Aus diesem Anlass will die neu gegründete «Initiative säkularer Islam» sichtbar machen, dass es eine Gruppe liberaler Muslime gibt. Sie plädieren selbstredend für «die weitgehende Trennung von Religion und Politik» und für «die Entwicklung eines Islams, der mit den Menschenrechten vollumfänglich vereinbar ist».

Zu den prominenten Erstunterzeichnern der Initiative gehören: der Grünen-Politiker Cem Özdemir; der Politikwissenschaftler und BaZ-Autor Bassam Tibi; der Islam-Wissenschaftler und Publizist Ralph Ghadban; die mit Morddrohungen konfrontierte Anwältin Seyran Ates; die streitbare Soziologin Necla Kelek; der Islamismus-Experte und Autor Ahmad Mansour («Generation Allah»). Angestrebt wird ein zeitgemässer Islam: «Wir wollen uns nicht abfinden mit der wachsenden Macht eines demokratiefernen, politisierten Islams, der die Deutungshoheit über den gesamten Islam beansprucht.» chr

www.openpetition.de/petition/online/initiative-saekularer-islam

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