Rosa Elefanten und weisse Freitage

Suter, Hohler, Muschg & Co. Sie sind alle da im Schweizer Literaturfrühling. Die grössten Erwartungen richten sich aber auf zwei andere Autoren.

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Amsel, Drossel, Fink und Star, heisst es im Kinderlied. Nun, bei den Vögeln sind beileibe nicht «alle da», Naturschützer warnen gar vor einem Singvogelsterben. Auf keiner roten Liste stehen die Schweizer Autoren. Schaut man die Frühjahrsprogramme der Literaturverlage durch, stösst man auf etliche gute Bekannte, die im Jahres-, Zwei- oder Dreijahresrhythmus neue Werke vorlegen. Jedes natürlich ein Unikat!

Den Anfang macht am 18. Januar bei Diogenes der Auflagenkönig Martin Suter, dessen neuer Roman schlicht und titellos «Elefant» heisst und von einem ganz besonderen Exemplar erzählt, im Bonsai-Format und im Dunkeln rosa leuchtend. Das Thema (Genmanipulation) ist ernst, das Tempo rasant, der Plot wie immer klasse konstruiert.

Mit Goethe auf dem Furkapass

Von Altmeister Adolf Muschg kommt am 16. Februar «Der weisse Freitag» (C. H. Beck). Es handelt sich bei diesem Tag um den 12. 11. 1779, als Goethe im tiefen Winter über den verschneiten Furkapass stiefelte, laut Verlag eine Wette Goethes mit seinem Schicksal und zugleich «Adolf Muschgs persönlichstes Buch». Persönliches klingt auch in Franz Hohlers Gedichtband an, der einfach «Alt?» heisst und – was sonst – übers Älterwerden und Altsein sinniert (Luchterhand).

Ebenfalls ein fleissiger Autor ist Tim Krohn und sein neuer Roman «Herr Brechbühl sucht eine Katze» etwas ganz Besonderes: der Auftakt zu einer ganzen Serie, die «Menschliche Regungen» heisst, auf ein Crowdfunding-Projekt zurückgeht und, Klappentexte sind geduldig, «alle Gefühle, Charakterzüge und Abgründe des Menschen» erkunden soll. Der erste Band widmet sich den Bewohnern eines Mietshauses, seine Kapitel sind «Heiterkeit», «Abschiedsschmerz» oder «Demut» betitelt.

Lüscher liefert Gelehrtensatire

Auf zwei Titel aber wartet das Schweizer Lesepublikum vor allen anderen: auf Lukas Bärfuss’ «Hagard» und Jonas Lüschers «Kraft». Der neue Roman des Erfolgsdramatikers war schon für letzten März versprochen, wurde geschoben und geschoben, anderes kam dazwischen, aber jetzt ist es soweit: «Hagard» erscheint am 27. Februar bei Wallstein. Schon der Anfang verspricht «Bilder der Grausamkeit und der Komik, wie in jeder Erzählung, in der das Begehren auf den Tod trifft».

Jonas Lüschers Novelle «Frühling der Barbaren», erschienen im Januar 2013, war eine Sensation und machte einen Unbekannten zur grossen Hoffnung der Schweizer Literatur. Vier Jahre später erscheint jetzt «Kraft», Lüschers erster Roman; er führt einen deutschen Rhetorikprofessor nach Stanford, wo ein reicher Unternehmer ein Preisgeld von einer Million Dollar ausgesetzt hat für die Beantwortung der alten Frage, ob wir in der besten aller Welten leben. Ein komplexes, tief ausgedachtes Werk, aber auch eine hochkomische Gelehrtensatire (ab 27. Januar bei Wallstein).

Grosses kommt auch im Herbst

In seinem eigenen Fach ein Shooting Star ist auch Michael Fehr; nach dem Roman «Simeliberg» legt er jetzt Erzählungen vor («Glanz und Schatten», Der gesunde Menschenversand). Der erste Roman der Kollegin Simone Meier (früher TA, jetzt Watson) liegt 17 Jahre zurück, jetzt kommt der zweite («Fleisch», Kein & Aber). Und für den Herbst ist nochmal Grosses angekündigt: neue Romane von Melinda Nadj Abonji (jetzt bei Suhrkamp) und, endlich, von Thomas Hürlimann. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.01.2017, 14:21 Uhr

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