Was wird aus Nagel & Kimche?

Nach dem Abgang von Verlagsleiter Dirk Vaihinger erklärt der Besitzer Oliver Kneidl: Kurs und Standort des Verlages sollen bleiben.

Dirk Vaihinger (im Bild) will sich zur Trennung vom Verlag nicht äussern. Dafür tut dies Verlagsbesitzer Oliver Kneidl. Bild: Keystone

Dirk Vaihinger (im Bild) will sich zur Trennung vom Verlag nicht äussern. Dafür tut dies Verlagsbesitzer Oliver Kneidl. Bild: Keystone

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Es ist noch keinen Monat her, da konnte Dirk Vaihinger den Preis des Schweizer Buchhandels entgegennehmen: Nagel & Kimche war «Verlag des Jahres». Und es ist gerade ein gutes halbes Jahr her, da versicherte der neue Besitzer, dass der «kleine, besondere Qualitätsverlag» ihn begeistere und dass er «ihn so, wie er ist, erhalten möchte». Ganz so denn doch nicht: Denn jetzt hat Verlagsleiter Dirk Vaihinger gekündigt (wir meldeten es am Montag).

Vaihinger will sich zur Trennung und ihren Gründen nicht äussern. Dafür spricht Oliver Kneidl, der in Haar bei München die MG Medien betreibt, einen Verlag für Fach- und Publikumszeitschriften, aber auch Bücher und Hörbücher, und der sich mit dem Kauf von Nagel & Kimche möglicherweise literarisch «upgraden» wollte. Kneidl legt am Telefon Wert darauf, dass sich im Prinzip nichts ändern soll, nicht am Programm, nicht an der Ausrichtung und auch nicht am Standort. Dass die Schweiz ein teures, wegen des Wechselkurses auch ein schwankendes Pflaster ist, stört ihn nicht. «Nagel & Kimche soll ein Schweizer Verlag bleiben», erklärt Kneidl dezidiert, mit dem gleichen Programm und den bewährten Autoren.

Für den Verlagsstandort Zürich (und nicht zuletzt die verbliebenen Mitarbeiter von Nagel & Kimche) ist das erst einmal eine gute Nachricht. Einen neuen Verlagsleiter will Oliver Kneidl nun suchen; ihm ist allerdings durchaus klar, dass man «die passende Person nicht aus dem Hut zaubern kann».

Will er sich etwa selbst stärker einbringen? «Sicher nicht ins operative Geschäft», sagt er, allerdings legt er Wert auf seine «dreissig Jahre Erfahrung» im Verlagswesen und darauf, «Input zu geben» und «informiert zu werden». Aus solchen Formulierungen kann man schliessen, was in der Kombination Vaihinger/Kneidl beziehungsweise Verlagsleiter/neuer Besitzer nicht geklappt hat.

Was sagen die Autoren?

Kneidl sagt kein böses Wort über Vaihinger (und Vaihinger gar nichts über Kneidl), aber es ist nicht schwer, sich auszurechnen, wie es für jemanden sein muss, der fast zwanzig Jahre auf der Kapitänsbrücke stand, nun, um im Bild zu bleiben, einem Schiffseigner Rechenschaft über Ladung und Route geben soll. Wobei Kneidl immer von «Information» spricht, die er haben, und von «Anregungen», die er geben wolle. Vaihinger dürfte das anders gesehen und erlebt haben. Mit einem neuen Verlagsleiter, den der Besitzer einstellt, könnte die Konstellation anders funktionieren. Vielleicht aber auch nicht.

Also alles beim Alten, minus Vaihinger? Die Vertriebskooperation mit dem Hanser Verlag bleibt jedenfalls, so war aus München zu erfahren, bestehen. Wie die Autoren reagieren, die schliesslich das entscheidende Kapital eines Verlages bilden, bleibt offen. Kneidl will möglichst schnell mit ihnen Kontakt aufnehmen. Er wird informieren, beruhigen und möglicherweise um ihr Bleiben werben müssen. Denn, so Charles Lewinsky, eines der Aushängeschilder des Verlages, am Telefon: «Mein Ankerpunkt war mein Verleger», also Dirk Vaihinger.

Die Beziehung von Autoren zu ihrem Verlag ist – weit wichtiger als die finanzielle – eine personale. Zumal wenn der Verleger auch noch Lektor ist, also die Hebamme des literarischen Werks. Peter von Matt, Herausgeber der wunderbaren «Kollektion», will abwarten: «Ich schau, was passiert.» Und Eveline Hasler fürchtet ein «Austrocknen» der Schweizer Verlagsszene. Ganz abwegig ist diese Furcht, trotz aller Beteuerungen Kneidls, nicht. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.06.2018, 17:52 Uhr

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