Tomi Ungerer ist tot

Der berühmte französische Karikaturist, Autor und Buchillustrator starb im Alter von 87 Jahren in Irland.

Berühmt und berüchtigt: Der Autor und Zeichner Tomi Ungerer bedankt sich in München für einen Ehrenpreis des bayerischen Ministerpräsidenten. (7. November 2017)

Berühmt und berüchtigt: Der Autor und Zeichner Tomi Ungerer bedankt sich in München für einen Ehrenpreis des bayerischen Ministerpräsidenten. (7. November 2017) Bild: Sven Hoppe/Keystone

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Der Elsässer Tomi Ungerer ist tot. Der international bekannte Künstler starb in der Nacht zu Samstag im Alter von 87 Jahren, sagte sein langjähriger Berater und Freund Robert Walter der Nachrichtenagentur AFP. Zum Zeitpunkt seines Todes sei Ungerer im Haus seiner Tochter in der irischen Stadt Cork gewesen.

Der 1931 in Strassburg geborene Ungerer hatte sich unter anderem als Autor und Illustrator von Kinderbüchern einen Namen gemacht – bekannte Werke sind unter anderem «Der Mondmann» und «Die drei Räuber». Auch mit Plakatkunst und erotischen Zeichnungen für Erwachsene fand Ungerer Anerkennung, aber auch Kritik.

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Scharfzüngig

In den 1950er Jahren wanderte Ungerer in die USA aus. Auch nach Kanada verschlug es ihn. Seit 1976 lebte er mit seiner dritten Frau in Irland, blieb seiner elsässischen Heimat aber treu. In Strassburg gibt es ein Tomi-Ungerer-Museum. Tausenden Zeichnungen hat er seiner Geburtsstadt überlassen.

Ausserdem schuf er scharfzüngige Bilderbücher für Erwachsene. In Deutschland ist «Das grosse Liederbuch» – eine illustrierte Sammlung von Volks- und Kinderliedern – seit Jahren ein Verkaufsschlager. Einen grossen Teil seines Werkes machen politische, aber auch erotische Zeichnungen aus.

«Kamasutra der Frösche»

Diese Erotik-Zeichnungen wurden lange als zu provozierend empfunden. Dies Kritik wies er stets zurück. «Ich will entlarven, was für eine Hölle es sein kann, wenn sich die Menschen vom Sex abhängig machen», sagte er einmal. Aus dem altindischen Lehrbuch der Liebeskunst machte er «Das Kamasutra der Frösche». Es gilt vielerorts als sein erfolgreichstes Buch für Erwachsene.

Ungerer machte sich zudem gegen Rassismus stark. Er setzte sich für die deutsch-französische Freundschaft ein und bekam 1993 in Deutschland das Bundesverdienstkreuz. Zeit seines Leben erhielt er zahlreiche Würdigungen und Preise. «Er war nicht nur ein grosser Künstler, er verkörperte auch die Komplexität des Elsass, seiner Doppelkultur. Wir haben uns vorgestellt, dass es ewig ist, und jetzt verlässt er uns», sagte Alain Fontanel, erster stellvertretender Bürgermeister von Strassburg, wie die Zeitung «Les Dernières Nouvelles d'Alsace» berichtete.

«Tumor mit Humor»

Nach Angaben seiner Internetseite veröffentlichte Tomi Ungerer mehr als 140 Bücher, die in 28 Sprachen übersetzt wurden.

Der grossgewachsene Zeichner und Autor mit den schlohweissen Haaren und dem spitzbübischen Lächeln verbrachte bis ins hohe Alter viel Zeit in seinem Atelier. «Wenn man aufhört zu denken und zu arbeiten, dann wird man alt», sagte er vor wenigen Jahren. Dass er auf einem Auge erblindet war, bremste Ungerers Tatendrang nicht.

Trotz einer überstandenen Tumorerkrankung rauchte er weiter – «Tumor mit Humor», sagte er dazu. (fal/afp/sda)

Erstellt: 09.02.2019, 14:22 Uhr

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