Urlaub unplugged

Auf Instagram bekommen Urlaubsfotos inzwischen gern den Zusatz #nofilter, der zeigen soll, dass das Bild nicht nachträglich bearbeitet wurde. Doch warum muss die Normalität so inszeniert werden?

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Das wichtigste Mitbringsel aus dem Urlaub ist seit jeher das Urlaubsfoto. Denn was hat man schon davon, zwei Wochen unterwegs zu sein, wenn man zu Hause nicht damit prahlen kann, wie toll mal wieder alles war? Damit der Neider nicht warten muss, kann man das Bild heute praktischerweise unmittelbar vom Ferienort aus auf Instagram hochladen. Ein herrliches Instant-Ätschbätsch also an alle, die daheimgeblieben sind.

Dieser Angeber-Effekt wird nun noch verstärkt, denn das Foto vom Sonnenuntergang/Bergsee/Regenbogen/Strand bekommt den Hashtag #nofilter. Für Nicht-Instagramer: Jedes Bild wird mit Schlagworten, den sogenannten Hashtags, versehen, damit es von so vielen Menschen wie möglich gesehen werden kann. Ohne Filter bedeutet hingegen, dass das Bild nicht nachträglich bearbeitet wurde, damit die Farben kräftiger aussehen oder der Kontrast schärfer wird. Vielmehr soll es zeigen: So geil ist es hier wirklich!

Das ist insofern putzig, weil die vermeintliche Spontanität, die damit suggeriert werden soll, natürlich ein grosser Schwindel ist. Kein Instagram-Nutzer schiesst nur ein Foto und lädt es – so wie es ist – hoch. Stattdessen wird es aus einer Serie von zwanzig, dreissig Bildern sorgfältig ausgewählt, zugeschnitten, betitelt und mit Hashtags verziert. Mit Filter oder ohne spielt dann eigentlich keine Rolle mehr.

Sollten wir nicht einfach ohne Instagram geniessen?

Dennoch wird diese «Natürlichkeit» gross gefeiert. Der Hashtag wurde bereits über 192 Millionen benutzt und passt perfekt zu seinen ungeschminkten Schwestern #wokeuplikethis oder #nomakeup (zu sehen sind dazu bekannte und weniger bekannte Menschen, die sich so zeigen, wie sie halt aussehen). Egal also, ob es um verquollene Augen geht oder die herrliche Wolkenformation am italienischen Himmel: Es scheint unser Bestreben zu sein, die Welt jetzt endlich mal so festzuhalten, wie sie eben ist.

Das ist nicht schön, das ist ganz schön traurig. Wir haben wohl etwas zu lange geglaubt, dass sich die Welt nur abbilden lässt, wenn man sie vorher bearbeitet hat. Und wollen jetzt beweisen, dass es auch ohne Filter ganz schön ist. Sind wir so versaut von all den Hochglanzbildern, dass wir die Welt nicht mehr im Originalzustand ertragen?

Vielleicht wäre es ohnehin gut, das Handy im Urlaub mal aus der Hand zu legen und den rosafarbenen Abendhimmel ganz ohne Instagram zu geniessen. Statt #nofilter also einfach: #nofoto. ()

Erstellt: 19.06.2017, 13:22 Uhr

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