Den Jungen geben, was Junge wollen

SRF startet mithilfe von Influencern eine Youtube-Morgenshow. Es geht dabei um die Zukunft des Leutschenbach.

Ramin Yousofzai und Julian Graf von UniGag führen dreimal in der Woche durch die von SRF produzierte Youtube-Morgenshow «Zwei am Morge». Video: SRF


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Was ist eigentlich neu im 2018? «Absolut neu ist diese Sendung!», sagt Julian Graf und blickt frech in die Kamera. Es folgt ein Einspieler mit vor Freude schreienden Männern im Bierkühlschrank aus der Werbung einer niederländischen Brauerei. Der direkte Blick, schnelle Schnitte und witzige Einspieler passen zur Optik der Videos, die Jugendliche in Eigenregie und -produktion zurzeit en masse auf Youtube veröffentlichen. «Zwei am Morge» zielt zwar auf die junge Zielgruppe ab, wurde aber von SRF in Auftrag gegeben.

Die Moderatoren Julian Graf und Ramin Yousofzai lernten sich während ihres Studiums der Betriebswirtschaft an der Universität Zürich kennen und begannen, ihre Erlebnisse im Studium humorvoll in selbst produzierten Videos darzustellen. Unter dem Namen UniGag erreichten sie auf diversen Social-Media-Kanälen eine breite Anhängerschaft. Im Duo moderieren sie drei Mal pro Woche «Zwei am Morge».

Unterstützt werden die beiden unter anderem von Robin Pickis als Gagschreiber. Er ist der Kopf hinter «Schwiizchiste» und weiss laut Medienmitteilung von SRF «wie die Schweiz tickt»: Mit über 300'000 Followern auf Youtube, Instagram und Facebook gilt er als einer der wichtigsten Influencer der Schweiz.

Zusammenarbeit mit etablierten Social-Media-Stars

Das Trio passt zum Konzept des Bereichs «Junge Zielgruppen» bei SRF: Junge Erwachsene kreieren Angebote für das Zielpublikum unter 35 Jahren auf allen relevanten Social-Media-Plattformen. «Es ist unsere Aufgabe und unser Anspruch, dass wir dem Zielpublikum auf den jeweiligen Kanälen das anbieten, was es dort erwartet», sagt Stefano Semeria, Bereichsleiter Junge Zielgruppen bei SRF.

Der Fokus liegt auf der Zusammenarbeit mit Influencern und Jugendlichen, die auf Social Media bereits selbstständig ein Publikum generieren konnten. «Wir können natürlich einen Nutzen daraus ziehen, dass diese Influencer bereits viele Follower mitbringen», sagt Semeria. Laut Medienmitteilung vom SRF sind es bei UniGag rund 30'000. Zudem sollen neue Konzepte auf anderen Plattformen als im TV ausprobiert werden.

Lernen, mit dem digitalen Wandel umzugehen

Wer denkt, dies sei eine Antwort auf die No-Billag-Abstimmung, dürfte falsch liegen. Denn bereits im Herbst 2016 wurden die Redaktionen des Kinderprogramms «Zambo», des Schulfernsehens «My School» und der Radio- und Onlinemarke Virus zum Bereich «Junge Zielgruppen» zusammengelegt. Laut Stefano Semeria könne damit von den Ideen und Erfahrungen der bisherigen Arbeit für das junge Segment profitiert werden.

«Wir als Service-public-Unternehmen mussten erst lernen, mit dem digitalen Wandel und dem Nutzungsverhalten des jungen Publikums umzugehen», sagt Stefano Semeria. «Junge Gebührenzahler sollen auf digitalen Plattformen Programme sehen, die sie sonst nirgends zu sehen bekommen.» Und dank Social Media habe das Zielpublikum die Möglichkeit, zu interagieren und direktes Feedback abzugeben.

Stefano Semeria betrachtet das Angebot des Bereichs «Junge Zielgruppen» dementsprechend weder als Ergänzung noch als Ersatz zum linearen Fernsehen, sondern als neues Angebot, das es in dieser Form noch nicht gegeben habe. «Wir können das vom Fernsehen entfernte Publikum nicht mehr zurückholen, wenn es sich dem Fernsehen verweigert. Das wäre konträr zum heutigen Verhalten der Mediennutzung und ist auch nicht unser Auftrag», sagt Semeria. «Wir müssen akzeptieren, dass es verschiedene Plattformen gibt, auf denen sich die Jugendlichen und jungen Erwachsenen aufhalten.»

Formate für Kinder bis 30-Jährige

Seit dem Aufbau des Bereichs «Junge Zielgruppen» im Herbst 2016 explodierte die Anzahl der neuen Formate: Robin Rehmanns S.O.S. – Sick of Silence, in welchem Geschichten von jungen Menschen, die vom Schicksal ausgebremst wurden, nacherzählt werden, oder Nouvo, dem speziell für Social Media konzipierten Informationsformat – um nur zwei zu nennen. Insgesamt laufen aktuell 27 Formate für vier verschiedene Altersklassen – von den «ganz Kleinen» bis zu den 18- bis 30-Jährigen. Und ein Ende ist noch nicht in Sicht.

Wieso aber ist das neue Format gerade eine Morgenshow, wo doch Jugendliche in der Pubertät zu Langschläfern werden? «An Wochentagen werden die jungen Erwachsenen gezwungen, früh aufzustehen – sei es wegen der Schule oder des Berufs», sagt Semeria, «unsere Intention war, dass wir die erste Anlaufstelle sind, wenn Jugendliche morgens ihr Gerät anwerfen.» Generell sei man bei SRF mit der Entwicklung der neuen Programme zufrieden.

Einzig die Sendungen «Jenny-Wanessa» und «vo Mutzebächer» seien eingestellt worden, «da der Dialog mit dem Publikum nicht in der erhofften Form und Intensität stattgefunden hatte oder sich das Format nicht weiterentwickeln konnte», sagt Stefano Semeria. Andere Formate seien von Anfang an in sich geschlossen und auf einige Folgen beschränkt gewesen.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.01.2018, 16:50 Uhr

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