Tragischer Hoffnungsträger

Als er geboren wurde, endete der Weltkrieg. Das Leben des Pax Yates, der am Sonntag 100 geworden wäre.

Rechts von der Zahnpasta, unter dem Klatsch.
«Amarillo Sunday News» vom 21. Juli 1940.

Rechts von der Zahnpasta, unter dem Klatsch. «Amarillo Sunday News» vom 21. Juli 1940.

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Geboren wird er am 11. November 1918 um 11 Uhr. Just, als das Schlachten endet. Deshalb denkt man dieses Wochenende an seinen Geburtstag. Deshalb gaben ihm die Eltern den seltsamen Namen. Der Friede sollte von Dauer sein, der Name eine Mahnung.

Über Pax Yates ist kaum etwas bekannt. Im kürzlich veröffentlichten Buch «Peace at Last» des Englischprofessors Guy Cuthbertson über das Kriegsende kommt er in einer Nebenbemerkung vor. Sein Lebenslauf liegt im Dunkeln, Spektakuläres tat er nicht.

Pax wächst jedenfalls in der Nachkriegszeit auf. Woodrow Wilson lanciert den Völkerbund, der Länder zusammenbringen und irre Ambitionen bremsen soll. Da macht Pax wohl seine ersten Schritte.

Mussolini marschiert nach Rom. Da plaudert Pax wahrscheinlich schon. Die Wirtschaft nimmt wieder Fahrt auf. Da spielt Pax vielleicht in den Gässchen seiner Heimatstadt Chertsey, an der Themse.

Dann crasht die Börse. Womöglich verliert Pax’ Vater seinen Job. Hass flammt wieder auf. Alter Hass auf Minderheiten, kaum verglühter, noch junger Hass auf andere Länder. Vielleicht ist Pax ein guter Schüler. Vielleicht quält er andere auf dem Pausenplatz.

Hitler an der Macht, Nazideutschland macht sich breit. Vielleicht will Pax studieren. Vielleicht ist er schon Handwerker. Oder ein Fischer.

Pax wird Mitglied der Royal Navy. Wahrscheinlich muss er seinen Namen öfters erklären. Der 11. November 1918 ist ja ein ferner Tag, besonders für junge Leute wie Pax und seine Kameraden.

Mitglieder der Royal Navy, Zweiter Weltkrieg (Getty).

Hitler fällt in Polen ein. In Norwegen will die Royal Navy ihn endlich aufhalten.

Pax sticht in See, an Bord von His Majesty's Ship Pelican. Er ist ein Matrose im Rang eines «Able Seaman», dürfte also schon einige Zeit auf See verbracht haben. Die HMS Pelican ist ein Eskortschiff und soll Attacken aus der Luft abwehren. Ihr Wappen zeigt einen täppischen Pelikan, der an einem Ufer steht.

Am 22. April 1940 fährt die Pelican in den Romdalsfjord ein, die deutsche Luftwaffe attackiert. Eine Bombe platzt ins Achterdeck, auf dem Schiff sterben Dutzende. Auch Pax Yates, im Alter von 21 Jahren.

Sein Tod geht als Kuriosum in der Rubrik «Vermischtes» um die Welt. Zum Beispiel in der «Amarillo Sunday News and Globe», herausgegeben in Texas. Ein paar Tage nach Yates’ Tod stellte die britische Admiralität in einer Lagebesprechung fest, dass die Pelican kampfschwach, ja eigentlich unnütz gewesen sei.

So wurde das kurze Leben des Pax Yates nicht zum Gleichnis eines währenden Friedens. Sondern für dessen schockierende Brüchigkeit.

(Redaktion Tamedia)

(Erstellt: 09.11.2018, 17:34 Uhr)

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