Ihr Vater versuchte, Hitler zu töten

Die Bernerin Reinhild von Kleist stammt aus einer alten Adelsfamilie. Ihr Vater wurde nach dem gescheiterten Attentat 1944 gegen Hitler hingerichtet.

Als der Vater abgeholt wurde, traf es sie wie ein «Blitzschlag»: Reinhild von Kleist in ihrer Berner Wohnung.

Als der Vater abgeholt wurde, traf es sie wie ein «Blitzschlag»: Reinhild von Kleist in ihrer Berner Wohnung. Bild: Adrian Moser

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In den frühen Morgenstunden des 21. Juli 1944 erwachen die 15-jährige Reinhild von Kleist und ihre ältere Schwester. Draussen hören sie Motorengeräusche und stürzen zum Fenster. Sie sehen ein Auto, das sich von Gut Schmenzin entfernt. In diesem Moment trifft Reinhild von Kleist ein «Blitzschlag». Sie weiss, dass in diesem Auto ihr Vater sitzt und dass er abgeholt worden ist wegen der Ereignisse am Vortag. «Mir war in diesem Augenblick klar, dass er nie mehr nach Hause kommen und sterben wird.»

Der Vater: Das ist der damals 54-jährige Jurist und Gutsbesitzer Ewald von Kleist-Schmenzin, der sich zu einem monarchistischen und christlich geprägten Konservativismus bekennt. Er ist kein Demokrat, nein, bekämpft aber den Nationalsozialismus früh, nachdem er «Mein Kampf» gelesen und Hitler auch persönlich getroffen hat. Der Landedelmann und Rittergutsbesitzer hat 1932 in einer Broschüre mit dem Titel «Der Nationalsozialismus. Eine Gefahr für Deutschland» eindringlich vor der NS-Bewegung gewarnt; Rassenhass und Antisemitismus waren mit seinem Glauben und Christentum unvereinbar.

«Dass er dem Untergang geweiht war, liess schon die Aura ahnen», schrieb der Schriftsteller Ernst Jünger über Kleist, der ihm im Roman «Auf den Marmorklippen» als Vorbild für die Figur des Fürsten Sunmyra diente; in dieser Parabel auf den Nationalsozialismus wird der Fürst als Verteidiger der alten Ordnung zum Märtyrer.

«Ich würde meinen Vater als alttestamentarischen Mann bezeichnen», sagt Reinhild von Kleist. Sie sitzt in ihrer Berner Wohnung, eine fast 90-jährige Frau mit klarem Blick und einer aufrechten Körperhaltung. Die ausgebildete Physiotherapeutin absolviert jeden Morgen ihre Übungen. Auf dem Sekretär stehen Fotos von ihrer Familie, von Mutter und Vater, dazu ein Bild mit den sieben Geschwistern. An der Wand hängt ein Stich, der das Gut Schmenzin in Hinterpommern zeigt, auf dem sie aufgewachsen ist. Haltung bewahren, Treue, Selbstdisziplin, Ehrlichkeit: Die Prinzipien ihrer Erziehung hätten ihr später geholfen, etwas zu akzeptieren, das nicht zu ändern sei, und aus einer Situation das Beste zu machen. Die Situation nach Kriegsende war die: aus der Heimat vertrieben, mittellos, der Vater kurz vor Kriegsende hingerichtet, der Familienname galt nichts mehr oder wurde gar mit «Verrat» assoziiert.

«Wir Kinder wussten natürlich nichts davon», sagt Reinhild von Kleist, «dass der Vater und der älteste Bruder mit dem Widerstand gegen Hitler verbunden waren» (vgl. Co-Text). Der 20. Juli sei ein wunderschöner Sommertag gewesen. «Wir waren in Kolberg an der Ostsee schwimmen.» Auf der Rückfahrt erfuhr sie im Zug vom Attentat auf Hitler. Zuerst hiess es, er sei tot, dann aber kamen Meldungen, der Führer habe das Attentat überlebt und werde die «verbrecherische Clique» gnadenlos ausmerzen. Manche Menschen würden die Ausweglosigkeit einer Lage sofort erkennen, sagt Reinhild von Kleist. Bei ihrer Familie sei sicher noch Hoffnung vorhanden gewesen. «Ich aber habe es damals am Fenster einfach gewusst.» Am 15. März 1945 wird Ewald von Kleist-Schmenzin vom Volksgerichtshof wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und am 9.April 1945 in Berlin-Plötzensee enthauptet.

Nie mehr zurückgekehrt

Zehn Jahre nach der Hinrichtung ihres Vaters, 1955, kam Reinhild von Kleist in die Schweiz und trat in Bern eine Stelle als Physiotherapeutin am Inselspital an. Nach einer Ausbildung in Göttingen und diversen Arbeitsstellen in deutschen Sanatorien und Kliniken lernte sie in Bern auch ihren späteren Mann kennen, den 2017 verstorbenen Maler und Zeichenlehrer Karl Hausherr. Sie wurde Mutter von drei Töchtern und gab ihren Beruf auf. Die leidvolle Familiengeschichte war lange Zeit weit weg.

In der Schweiz stiess sie auch auf Ressentiments gegen Deutsche. Hin und wieder erzählte sie von ihrer Familie. Bei einem Hauskonzert beschied ihr der Gastgeber einmal, nach dem Krieg seien bekanntlich alle Deutschen im Widerstand gewesen. «Da war ich sprachlos», sagt Reinhild von Kleist. Für ihre Kinder, die mehr wissen wollten über die Vergangenheit der Mutter, hat sie «Erinnerungen an turbulente Zeiten» niedergeschrieben. «Wenn ich gefragt werde, sage ich schon etwas», sagt Reinhild von Kleist.

Nach Schmenzin, das heute in Polen liegt, ist sie nie mehr zurückgekehrt – im Unterschied zu einigen ihrer Geschwister und Töchter. Sie kenne niemand mehr dort und habe früh einen Schlussstrich gezogen. Der Schmerz über den Verlust der Heimat und von geliebten Menschen wog zu gross – die Grossmutter wurde 1945 von Polen erschlagen, der Onkel von russischen Truppen erschossen. «Nach diesem Krieg, in dem von unserer Seite so viel Unglück verursacht worden war, konnte ich nicht mehr zurück.»

Das Schloss ihrer Kindheit gibt es zwar noch, aber es ist mittlerweile leer und dem Zerfall überlassen. Nachdem es von den Russen geplündert worden war, diente es zu Zeiten der Volksrepublik Polen als Verwaltungssitz eines Landwirtschaftsbetriebs und als Kornspeicher.

Eine «göttliche Ordnung»

Zur Zeit der Weimarer Republik wurde Reinhild von Kleist am 22. November 1928 in eine in mancher Hinsicht noch vormoderne, feudal organisierte Welt hineingeboren. Die sozialen Erschütterungen des 19. Jahrhunderts hatten in Hinterpommern noch kaum Spuren hinterlassen. Das Gut umfasste rund 38 Quadratkilometer – es war das grösste im Landkreis – und fungierte über viele Jahrhunderte als Lehnsgut der Adelsfamilie. Blieb der Lehnsherr faktisch Eigentümer des Landes, so waren die Lehnsleute Besitzer und Nutzer. Weizen gedieh in dem kargen, sandigen Boden nicht, angepflanzt wurden Roggen, Gerste, Hafer und vor allem Kartoffeln. Neben dem sogenannten Hauptwerk (einem zentralen Gutshof) im Dorf Schmenzin, wo sich auch die Schule und das Postamt befanden, gab es eine Reihe von Vorwerken; in diesen Weilern lebten die Arbeiter mit ihren Familien. Die Lehnsleute waren dem Lehnsherr zu Treue und Loyalität verpflichtet, während der Lehnsherr und seine Familie – die «Herrschaft» – umgekehrt als fürsorglicher Patriarch Verantwortung für seine Leute trug.

Das Rittergut Schmenzin im heutigen Polen – rund 300 Kilometer nordöstlich von Berlin gelegen – war nahezu 800 Jahre im Besitz verschiedener Linien der von Kleists. Auf dem ganzen Gebiet des Guts lebten zum Zeitpunkt ihrer Geburt, so schätzt Reinhild von Kleist, vielleicht 800 Menschen. Der grössere Teil des Landes bestand aus Wald, es gab eine Schmiede, eine Brennerei und ein Sägewerk; die meisten Einnahmen stammten aus der Holzverarbeitung. Es war eine Welt mit einer «göttlichen Ordnung». Der Kontakt der Kinder zu Gleichaltrigen im Dorf war nicht gestattet. Sie hätte gerne mit der Tochter des Gärtners gespielt, sie hiess Iris, aber es wurde ihr untersagt. «Wir blieben unter uns. Mein Vater hielt auf Abstand und Unterschied», sagt Reinhild von Kleist, «es gab ein Oben und ein Unten, aber das war auch von den Arbeitern durchaus so gewollt.» Die Leute waren seit Generationen dort ansässig. Als Selbstversorger erhielten sie nur wenig Lohn, dafür das «Deputat», Naturalien für ihre Dienste; dazu hatten sie kleine Gärten, hielten Kaninchen, Hühner, Gänse und wurden von einem Gutsverwalter zur Feldarbeit eingeteilt. Im Haus gab es Diener, Stubenmädchen und eine Köchin, weiter Kutscher, Gärtner und Chauffeur; unterrichtet wurden die Kinder von Hauslehrern. Jedes Jahr musste eine Prüfung abgelegt werden, um zu belegen, dass die Kinder das Jahresziel erreicht hatten. Die Mutter, eine geborene von der Osten, legte Wert auf sportliche Ertüchtigung. «Eine Zeit lang gab es eine Strecke im Park für den 80-Meter-Lauf», sagt Reinhild von Kleist, «Dauerlauf habe ich gehasst, Gott sei Dank ging das nicht sehr lange.»

Als die Arbeiter streikten

Für Ewald von Kleist von Schmenzin lagen die Wurzeln der aristokratischen Kraft im grossen Landbesitz – eine Kraft, die sich behaupten müsse gegen den Neid und Zwietracht säenden Parlamentarismus, der letztlich zu einer Herrschaft des Pöbels führe. Diese Haltung wirke heute reaktionär und utopisch, sagt Reinhild von Kleist, «aber auf dem Gut meiner Kindheit wurde sie gelebt». Der wichtigste Anlass im Jahr, der diese Verbundenheit symbolisierte, war das Erntedankfest. Es gab einen grossen Umzug mit geschmückten Harken und Sensen. Eine Erntekrone wurde den Herrschaften überreicht, ein Kind aus dem Dorf sagte ein Gedicht auf, der Gutsherr hielt eine Ansprache, und dann sangen alle «Nun danket alle Gott». Anschliessend wurde auf dem frei geräumten Heuboden zum Tanz aufgespielt.

Einmal streikten im Landkreis die Arbeiter für mehr Lohn, auf dem Gut Schmenzin wurde diese Forderung von Ewald von Kleist dezidiert zurückgewiesen. Der Lehnsherr ging so weit, dass er die ganze Ernte verrotten liess, statt Zugeständnisse zu machen. Erst nachdem die Landarbeiter ihren Streik aufgegeben hatten, lenkte der Patron ein und gewährte als Herr im Haus eine Wohltat in Form einer Lohnerhöhung. Ewald von Kleist soll seinen Arbeitern nach der Novemberrevolution 1918 und dem Ende der Monarchie in einer Ansprache auch gesagt haben: Solange der König von Preussen an der Ausübung seiner Regierungsgewalt gehindert sei, übernehme er diese Funktion stellvertretend für Schmenzin.

Die «Herrschaft» schützen

Nach der Machtergreifung der Nazis im Januar 1933 nahm der Druck auf Ewald von Kleist-Schmenzin zu, er hatte offen gegen den Nationalsozialismus Stellung bezogen. «Meine Mutter unterhielt ein Netz von Spionen», sagt Reinhild von Kleist. So erfuhr sie jeweils rechtzeitig, wenn ein Überfall bevorstand, eine SA-Horde zum Gut marschierte, randalierte, das Horst-Wessel-Lied sang oder Kleist und seiner Familie mit dem Tod drohte. Aber bei all diesen Angriffen eilten Leute aus dem Dorf zum Gut und wurden mit Gewehren ausgerüstet zur Verteidigung. «Sie kamen freiwillig», betont Reinhild von Kleist, «und unterstrichen damit ihre Loyalität und Treue.» Meist konnten die Kinder rechtzeitig weggebracht werden; einmal waren sie im hinteren Teil des Hauses versteckt, bekamen aber nichts mit. «Wir wussten aber schon, dass da eine Bedrohung war.» Für die Kinder sei der Alltag allerdings schnell wieder eingekehrt, sagt Reinhild von Kleist.

Mehrfach wurde der Vater in «Schutzhaft» genommen. In ihrem Tagebuch über die Jahre 1933–35 schrieb Reinhild von Kleists Mutter nach einem Besuch ihres Mannes im Gefängnis: «Wenn es dick kommt, ist er ja immer fest.» Die Schikanen nehmen zu: Einmal wird Kleist der Jagdschein verweigert, dann wird er in der Lokalzeitung an den Pranger gestellt, weil er sich weigert, an der NS-Winterhilfsaktion mitzumachen; schliesslich versucht man ihn durch eine Aufhebung des «Sicherungsschutzes» in den Konkurs zu drängen, was verhindert werden kann durch den Verkauf eines Vorwerks.

Als Hitler am 30. April 1934 mit der SA-Spitze um Ernst Röhm abrechnet, ist auch Ewald von Kleist als dezidierter Hitler-Gegner in höchster Gefahr. Seine Frau überredet ihn noch rechtzeitig zur Flucht. Auch die Mutter und die Kinder fahren mitten in der Nacht weg, um einer möglichen Sippenhaft zu entgehen. Ziel sind zuerst Bekannte und dann das Schloss der Grosseltern mütterlicherseits in Warnitz. Dort wartet bereits die Polizei auf ihren Vater. Kleist fährt aber mit seinem Chauffeur über Umwege nach Berlin. Das Auto wird mehrfach von Strassensperren gestoppt und kontrolliert. «Mein Vater hatte das schier unglaubliche Glück, dass die Polizei offenbar eine falsche Autonummer durchgegeben hatte und er so der Verhaftung entging.» In Berlin taucht er etwa für einen Monat unter, eine Zeit lang findet er auch beim Nationalkommunisten Ernst Niekisch Unterschlupf.

«Die Sonne war weg»

Erlebte Reinhild von Kleist ihren Vater als eine absolute Respektsperson, so war die Mutter die Quelle der Wärme und der Geborgenheit. Sie sei eine «strahlende Erscheinung» gewesen, sagt Reinhild von Kleist. Sie stammte aus der Neumark, einem östlichen Teil der Mark Brandenburg. Die Mutter starb 1937, als Reinhild achteinhalb Jahre alt war. Sie hatte sich mit Scharlach bei zwei ihrer Kinder angesteckt. «Da ging für mich die Welt unter, die Sonne war weg.» Die Grossmutter väterlicherseits sagte bei einem Besuch lediglich: «Jetzt müssen die Kinder lernen, dass das Leben hart ist.» Ein Jahr später heiratet der Vater wieder, mit ihrer «zweiten Mutter» hatte er noch zwei Kinder.

Sie könnte in den Westen. Aber sie will nach Hause und fährt ostwärts der Front entgegen.Source

1942 kommt Reinhild von Kleist ins Internat nach Eberswalde bei Berlin, dort erlebt sie die aus der Reichshauptstadt fliehenden «Ausgebombten». Konnten sie und ihre Geschwister in Schmenzin noch der Hitler-Jugend entkommen, so ging das dort nicht mehr: «Immerhin kamen wir in den ‹Gesundheitsdienst›, da habe man noch etwas Sinnvolles machen können ohne ideologische Indoktrination.» Als das Internat Anfang 1945 die Tore schliesst, könnte sie eigentlich in den Westen Deutschlands gehen, sie hat Adressen von Bekannten. Aber sie will nach Hause und fährt ostwärts der Front entgegen. Die Panzerspitzen der Russen sind bereits in ihrem Landkreis.

Warum diese Entscheidung für den Weg ins wahrscheinliche Verderben? «Ich wollte nicht übrig bleiben», sagt Reinhild von Kleist. Sie habe damit gerechnet, in Schmenzin umzukommen. «Ich wusste, dass mein Vater sterben würde, meine beiden älteren Brüder waren irgendwo an der Front, und alle anderen Geschwister zu Hause in Schmenzin.» Aber sie überlebte, verbrachte noch drei Wochen in Schmenzin, in der Ferne war der Artillerie-Donner zu hören. Abends versammelte sich die Familie mit den Angestellten bei Kerzenschein und sang Kirchenlieder wie «Harre des Herrn» und «Befiehl mir deinen Weg».

Letzte Begegnungen im Gefängnis

Schliesslich zeichnete sich doch noch ein Fluchtweg in den Westen ab. Zusammen mit ihrer jüngeren Schwester erreicht Reinhild von Kleist noch einen komplett überfüllten Zug in Kolberg («Seither sind Bahnhöfe für mich der Ort meiner Alpträume») und gelangt nach zwei Tagen und zwei Nächten nach Berlin, wo sie mit einer noch fahrenden Strassenbahn im Bombenteppich die Wohnung der Stiefgrossmutter erreichen. Der Rest der Familie flieht wenig später über den Harz in den Westen. Es war ein Überlebenstraining unter extremsten Bedingungen. «Der Mensch hält mehr aus, als er denkt», sagt Reinhild von Kleist. Die Schwestern können ihren Vater noch dreimal im Gefängnis besuchen; er nimmt ihnen das Versprechen ab, so rasch als möglich Berlin zu verlassen. «Wir konnten nur über Belangloses sprechen», erinnert sich Reinhild von Kleist, «aber er wirkte gefasst und ruhig.»

Auf dem Weg nach München erleben die mittlerweile drei Schwestern auch Solidarität und Fürsorge von Bauern und Militärpolizisten. Reinhild von Kleist erfährt vom Kriegsende in Ebenhausen bei München, wo sie bei der Familie von Ulrich von Hassel unterkommt; der ehemalige Botschafter in Rom wurde als Verschwörer nach dem 20. Juli ebenfalls zum Tode verurteilt und hingerichtet. Am Tag, als für das 16-jährige Mädchen der Krieg endet, wartet sie in einer langen Schlange vor der Bäckerei. Auf einmal ertönen Schüsse, die Amerikaner kommen. Alle seien weggerannt und hätten Schutz gesucht, erinnert sie sich, «nur ich bin dort geblieben, ich musste ein Brot haben».

Eine Frage des Gewissens

Angefragt von einem angeheirateten Neffen, hält sie 2003 vor Schweizer Offizieren in Aarau einen Vortrag. Eigentlich habe sie einen Horror davor, vor Publikum zu sprechen. Aber sie überwand diese Abneigung und arbeitete lange an dem Vortrag, in dessen Zentrum ihre persönliche Sicht auf das Attentat vom 20. Juli 1944 steht. «Ich empfand es als eine Pflicht», sagt sie. Denn: Die Opfer seien so enorm gewesen, und gleichzeitig hätten so viele geahnt, dass dieser Staatsstreich wahrscheinlich zum Scheitern verurteilt sei. Der Widerstand gegen Hitler, ob von Kommunisten, Zeugen Jehovas oder konservativen Offizieren, sei im Prinzip eine Frage des Gewissens gewesen. «Mein Vater war auch hier eine Ausnahme, er hat früh seinen unumstösslichen Gewissensentscheid getroffen.» (Der Bund)

Erstellt: 19.11.2018, 14:23 Uhr

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