Kaufen und Amigo werden

Die Migros hat eine neue Online Shopping-Plattform. Auf ihr können sich Besteller und Bringer zusammenfinden. Etwas Geld fliesst auch.

Die Migros lanciert ihre Social-Shopping-Plattform Amigos. Bild: PD

Die Migros lanciert ihre Social-Shopping-Plattform Amigos. Bild: PD

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Online einkaufen ist keine Neuheit. Dass Kundinnen und Kunden sich die Einkäufe gegenseitig gleich selbst nach Hause liefern, aber schon. Mit der Internetplattform Amigos lanciert die Migros ein Pilotprojekt im Bereich Social Shopping, also soziales Einkaufen. Dieses besteht darin, dass sich Bewohner desselben Quartiers beim Einkaufen helfen. Der eine bestellt, der andere liefert. Nebenbei lernt man neue Leute kennen und tut was Gutes.

Amigos ist eine Ergänzung zum bereits bestehenden Online-Einkaufsdienst Le Shop der Migros. Ab sofort kann man sich als Bringer anmelden, und ab dem 23. April kann man über Amigos.ch einkaufen, ohne Mindestbestellwert, mit schnellen Lieferzeiten.

Über die Online-Plattform gibt der Besteller seine Einkaufsliste ein. Der Bringer wählt über die «Amigos»-App einen Besteller in seiner Umgebung aus, geht für ihn einkaufen und bringt ihm den Einkauf direkt an die Haustür. Für die erste Lieferung erhält der Bringer 7.90 Franken, für jede weitere Tüte an dieselbe Adresse 2 Franken. Anschliessend bewertet der Bringer den Besteller.

In die Taschen der Migros fliesse dabei kein Gewinn, sagt Martin Meier, Projektleiter Supply Chain im Migros-Genossenschafts-Bund. Der zwischenmenschliche Aspekt stehe im Vordergrund. Die Idee zur Plattform entstand aus dem Kundenbedürfnis, kleine Warenkörbe am selben Tag geliefert zu bekommen, und dem Trend zu Sharing-Economy-Modellen, so Meier. Der Dienst, wie ihn Amigos biete, sei eine Schweizer Premiere.

Nachbarschaftshilfe

Doch obwohl die Migros hochhält, dass Amigos ganz im Sinne Gottlieb Duttweilers den Leuten gehöre und zur Lebensqualität der Kunden beitrage, stellt sich doch die Frage, wie sozial die Social-Shopping-Plattform wirklich ist. Immerhin könnte sie den Anschein erwecken, Leute würden sich nur gegenseitig helfen wollen, wenn sie dafür bezahlt werden. Und will man wirklich neue Freunde finden, die man bezahlt oder bewertet? Zudem: Müsste die Migros nicht sozialerweise den Lieferzweifränkler selbst übernehmen?

Meier sieht das pragmatisch und hält es durchaus für möglich, dass zwischen Bringern und Bestellern Freundschaften entstehen können. Es habe sich des Weiteren in unserer Gesellschaft etabliert, dass derjenige, der einen Service erbringt, dafür entlohnt werde. «Wir möchten mit Amigos eine Dienstleistung schaffen, die für beide Seiten sinnvoll ist. Schliesslich beteiligen sich beide Partner freiwillig.»

Die Migros erklärt ihr Social-Shopping-Modell in Videos für Leute, die bringen und bestellen möchten. Quelle: Youtube

Meier versteht Amigos als Ergänzung zur klassischen Nachbarschaftshilfe. Im Vordergrund steht die Vernetzung im Quartier: «Die Migros hatte bereits eine Community, als die Apple-Gründung noch in weiter Ferne lag. Mit keinem anderen Unternehmen in der Schweiz identifiziert sich die Bevölkerung stärker als mit der Migros. Unser Ziel ist es, dass sich die zahlreichen ‹Migros-Kinder› untereinander noch besser vernetzen können.»

Die Plattform wird denn auch sehr kundennah beworben: «Amigos gehört – wie die Migros – den Leuten», heisst es in der Pressemitteilung. Inwiefern das auch auf den Expansionskurs der Migros an der (noch) bunten Zürcher Langstrasse zutrifft, darüber lässt sich streiten. Ist die neue Plattform also eine Charmeoffensive? Meier verneint. «Wir lancieren nur Angebote, von denen wir glauben, dass sie von den Kundinnen und Kunden geschätzt werden – und dies bestimmt nicht, weil wir wegen anderer Themen in der Kritik stehen.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.04.2018, 18:27 Uhr

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