Abschied von «Downton Abbey»

Maggie Smith verlässt nach der 6. Staffel die britische Serie – ihr Ausstieg könnte auch das Ende für die Adelsfamilie am Fernsehen bedeuten.

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In der fünften Staffel ist sie noch voller Lebenslust: Lady Violet Crawley, die steinalte Gräfinwitwe aus «Downton Abbey», turtelt wie ein junges Mädchen mit einem alten russischen Verehrer. Am Ende weist sie ihn ab. Und sagt seufzend: «Ich werde wohl nie mehr ein unmoralisches Angebot von einem Mann erhalten.»

Nicht nur das. Die sechste Staffel des Upstairs-downstairs-Dramas, die jetzt in Produktion geht, dürfte das Ende für die Lady sein. Ihre Darstellerin Maggie Smith sagte auf jeden Fall am Sonntag der «Sunday Times»: «Mir wird gesagt, es sei meine letzte Staffel, und ich sehe selber auch nicht, wie es weitergehen könnte.» Und: «So viel ich weiss, müsste ich in der Serie jetzt ungefähr 110 Jahre alt sein.» Tatsächlich: «Downton Abbey» startete im Jahr 1912 und nähert sich mittlerweile dem Ende der 1920er-Jahre.

Im richtigen Leben ist Maggie Smith 80 Jahre alt und eine hochdekorierte Schauspielerin. In den 1970er-Jahren gewann sie zwei Oscars, als Lehrerin McGonagall in der «Harry-Potter»-Serie wurde sie auch einem jungen Publikum bekannt. Doch mit «Downton Abbey» stiess sie in neue Dimensionen vor. Im gleichen Interview erzählt sie: «Früher konnte ich allein in Galerien gehen und Dinge für mich tun. Heute ist das nicht mehr möglich. Die Leute kommen auf mich zu und wollen ein Selfie mit mir.» Dann sagt sie, fast wie das ihre Lady in der Serie tun würde: «Man fühlt sich tatsächlich ein wenig wie die Wilden, die glauben, Fotografieren raube einem ein Stück der Seele.»

Offensichtlich ist aber auch: Mit Maggie Smith verliert die ganze Serie ihre Seele. Die Intrigen der Adligen, die Kontroversen der Bediensteten sind praktisch unvorstellbar ohne die Kommentare der Dame, die mit Witz und Schrulligkeit das alte Grossbritannien vertritt wie keine andere. Und zum Beispiel ausruft, nachdem eine Dienerin gekündigt hat: «Sie verlässt mich, um zu heiraten. Wie kann sie nur so egoistisch sein?!»

Das Ende kommt – aber wann?

Der Abschied der Gräfinwitwe nährt natürlich jetzt Spekulationen, dass es mit «Downton Abbey» sowieso bald vorbei sein könnte. Julian Fellowes, der alle Folgen geschrieben hat, liess bereits nach der vierten Staffel verlauten, er möchte eigentlich aufhören, weil er noch eine andere historische Serie plane: Sie soll in der amerikanischen Upperclass spielen und «The Gilded Age» heissen. Beides könne er nicht miteinander schreiben.

Direkt auf das Ende angesprochen sagte der britische Drehbuchautor kürzlich der «New York Times»: «Es liegt nicht mehr in meinen Händen.» Die Rechte von «Downton Abbey» gehören nämlich unterdessen dem US-Konzern NBC Universal, dem drittgrössten Medienunternehmen der Welt. Fellowes dazu: «Ich könnte weglaufen. Aber das mache ich nicht, die Serie ist zu sehr mein Baby. Sie wird nicht ewig dauern, daran glaube ich nicht. Aber auf der Stelle kann ich nicht sagen, wann das Ende sein wird.»

Gut, auch ohne Maggie Smith müssen Fans vielleicht nicht auf «Downton Abbey» verzichten. Julian Fellowes hat nämlich noch weitere Pläne: Er könne sich vorstellen, ein Prequel zur Serie zu schreiben, das erzählt, wie der jetzt von Hugh Bonville verkörperte Earl von Grantham seine amerikanische Frau kennen lernt. Da würde natürlich dessen Mutter Violet auch wieder von der Partie sein. Sie wäre Jahrzehnte jünger, könnte reihenweise Männer verführen und – noch besser – diese mit bösen Sprüchen wieder fallen lassen. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.03.2015, 13:58 Uhr

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