Bärner Meitschi auf Mörderjagd

Stimmung, Spannung und eine gute Hauptdarstellerin: Die erste Folge der neuen SRF-Krimiserie «Wilder» überzeugt.

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Gleich zu Beginn fällt der Ermittlerin Rosa Wilder ein alter Wanderschuh aufs Auto. Ein Fuss steckt auch noch darin, aber da ist, wie der Dorfpolizist, dem sie das Ding auf den Posten bringt, nüchtern feststellt, «nicht mehr viel Fleisch am Knochen». Es muss sich um eine Botschaft aus der Vergangenheit handeln, losgelöst am Berghang vom schmelzenden Eis. Oder von einem Vogel.

Dieses «Gnagi», wie das Fallobjekt getauft wird, ist nur eines der Elemente, das für Spannung sorgt in der ersten Stunde der sechsteiligen SRF-Serie «Wilder». Noch vor den Titeln flieht eine Frau durch den Winterwald und verschwindet später spurlos. Gegen Ende liegt ein Künstler im eigenen Blut. Und über allem hängt der Schatten eines Busunglückes, bei dem vor Jahrzehnten zwölf Kinder ums Leben kamen.

Reminiszenzen an die grosse Serienwelt

Klar ist das etwas viel für eine Ermittlerin, die doch nur im Dorf vorbeikommen wollte, um sich vor einem Weiterbildungsjahr von den Eltern zu verabschieden. Und klar ist das noch mehr für die erste Folge einer Serie, in der darüber hinaus noch die halbe Dorfbevölkerung vorgestellt werden muss. Aber das Team um die Drehbuchautoren Béla Batthyany/Alexander Szombath und Regisseur Pierre Monnard löst das mit Bravour. Nicht zuletzt wegen der von der Newcomerin Sarah Spale gespielten Rosa Wilder: Als fremd gewordene Einheimische hält sie alles zusammen, manchmal aufbrausend, manchmal stumm durch den Schnee stapfend.

Dabei haben sich die Macher offensichtlich nicht am kleinen Dorf orientiert, sondern an der grossen Serienwelt: Rosa Wilder erinnert in ihrem Look an die dänische «Kommissarin Lund», der Schnee an «Fargo», das Busunglück an den französischen Erfolg «Les revenants». Das zeigt, wie ambitioniert alles angelegt ist. Aber diese Elemente sind so geschickt eingewoben, dass das Resultat doch eigenständig bleibt. Nur die Titelsequenz wirkt als Swissminiatur-Version des «Game of Thrones»-Intros irgendwie überheblich.

Nicht alle Berner sprechen Bärndütsch

Zu reden geben dürfte aber der Dialekt einiger Beteiligten: Gedreht wurde in der touristisch unberührten Landschaft des Urnerbodens. Spielen soll die Serie – die Autokennzeichen sagen es – aber im Berner Oberland. Das ist kein Problem für Berner Schauspieler wie Marcus Signer, der als arroganter Bundespolizist einen idealen Gegenpart zu Rosa Wilder gibt. Aber es wird zum Prüfstein für einige andere Akteure aus der mit viel Schweizer Schauspielprominenz bestückten Besetzungsliste – und zum Beispiel Lászlo I. Kish als Gemeindepräsident im Bergdorf scheitert daran.

Aber auch in dieser Hinsicht brilliert die Hauptdarstellerin. Sie bewegt sich wie ein veritables Bärner Meitschi unter allen Einheimischen – auch wenn sie eigentlich Baslerin ist.

Weitere Folgen: jeweils dienstags um 20.05 Uhr auf SRF 1 (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.11.2017, 21:01 Uhr

Vier Jahre Entwicklung

«Wilder» gehörte zu den drei Siegerprojekten eines Wettbewerbs, der 2013 vom Schweizer Fernsehen ausgeschrieben wurde. SRF wollte damals neben dem «Bestatter» eine zweite Serie im Programm haben, mit einem «gesellschaftlich relevanten Thema». In mehreren Jahren Entwicklung wurde daraus jetzt die von Béla Batthyany und Alexander Szombath geschriebene Krimiserie, die im November und Dezember an sechs Dienstagen zur Hauptsendezeit ausgestrahlt wird. Auch ein zweites Siegerprojekt von damals wird realisiert – «Herbstzeitlosen»-Regisseurin Bettina Oberli drehte im Frühling «Private Banking», allerdings nicht mehr als Serie, sondern als TV-Zweiteiler. Er folgt noch vor Weihnachten im SRF-Programm.

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