TV-Kritik

Bitte keine Gender-Debatte in Westeros!

Wie viel Intrigen, Gewalt und Unzucht gabs diesmal? baz.ch/Newsnet bespricht die neuste Staffel des Serienhits «Game of Thrones». Heute: Folge 3.

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SPOILER-ALARM: NUR WEITERLESEN, WENN MAN EPISODE 3 VON STAFFEL 4 GESEHEN HAT.

Was ist in der neuen Folge passiert?
Nach den ersten zwei Episoden der vierten Staffel schaltete «Game of Thrones» einen Gang zurück. Die Folge «Breaker of Chains» zeigte die Entwicklungen nach dem überraschenden Tod Joffreys, der ja vergiftet wurde. Nach wie vor fehlt vom Täter jede Spur – mal angenommen, Tyrion wars nicht. Dann schon eher Sansa, und zwar unwissentlich. Wer genau hingeschaut hat, sah, dass ein Stein ihrer Halskette fehlte, nachdem Joffrey zusammengebrochen war. Und just jene Kette zerstört Littlefinger, als er Sansa auf seinem Schiff begrüsst. Ob sie ihm trauen kann? Er hat so ziemlich jeden getäuscht, der mit ihm zu tun hatte. Auch Sansas Vater Ned hat er verraten.

Trotz langsamerem Tempo kam die Folge natürlich nicht ohne Schockmoment aus – wenn auch eher psychologischer Natur: Jamie vergewaltigte seine Schwester. Am Grab ihres toten Kindes. In Amerika hat diese Szene bereits für feministischen Protest gesorgt. Dies weil die Szene so nicht im Buch stand. Bloss: Was hat das schon zu sagen? Dass die TV-Serie frauenfeindlicher ist als das Buch? Kommt schon, Leute, in Westeros herrscht allenthalben Mord und Schändung – was soll der Aufschrei? «Game of Thrones» ist inhaltlich und ästhetisch derart weit von der Realität entfernt, dass man wirklich keine Gender-Debatte lancieren muss. Interessanter ist die Frage, wieso die Serienmacher Jamie – nachdem sie ihn in der letzten Staffel moralisch rehabilitiert haben – plötzlich wieder als Monster präsentieren.

Auch von der Buchvorlage entfernt hat sich Jon Snow: Er schickt Männer der Nightwatch zu Crasters Keep. Hier dürften die Wildlinge langsam die Mauer attackieren, darauf warten wir nun schon lange genug. Apropos warten: Wann endlich machen wieder ein paar Eiswesen eine Aufwartung? Auf Zeit spielt man auch beim Handlungsstrang von Daenerys. Sie steht wieder einmal vor einer pseudo-arabischen Stadtmauer und will Sklaven befreien. Immerhin: Die Szene, wo der Mereener Kämpfer in ungefähr einer halben Sekunde besiegt wird, war witzig. Überhaupt bleiben nebensächliche Szenen in Erinnerung; so auch Clegane, wie er den Mann ausraubt, der ihm Obdach geboten hat. Ob man dagegen auch Protest einlegen sollte?

Höhepunkt der Folge:
Daarios Kampf gegen den Mereener Helden.

Tiefpunkt der Folge:
Daenarys' Befreiungsrede.

Ekligste Gewalteskalation:
Wildlinge, die ein Dorf niedermähen.

Unflätigster Unzuchtsmoment:
Jamies Vergewaltigung seiner Schwester.

Wurden «Andere» gesichtet?
Nein.

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.04.2014, 10:40 Uhr

Trailer der Folge

Serien-Besprechung: Game of Thrones

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