Das ist die beste TV-Serie überhaupt

Heute startet «The Americans» in die letzte Staffel. Zehn Gründe, wieso es am Fernsehen nichts Besseres zu sehen gibt.

Trailer «The Americans». Video: Tamedia/Fox Entertainment Group

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«The Americans» erzählt das Leben der russischen Spione «Elizabeth» und «Philip» Jennings, die in den frühen 80er-Jahren in Washington stationiert sind. Die beiden sind vom KGB zwangsverheiratet worden, betreiben ein Reisebüro – und haben Kinder, die sich als gute Amerikaner wähnen. Am Morgen bereiten die Spione dem Nachwuchs Cornflakes zu, am Abend überwachen und liquidieren sie ihre Gegner. Dass sich der Nachbar, mit dem man gern ein Feierabendbier trinkt, als FBI-Agent entpuppt, der auf russische Agenten angesetzt ist, macht ihre Situation herrlich brenzlig.

«The Americans» ist unter Kritikern ein Hit, die Zuschauer gucken lieber Serien wie «Game Of Thrones». Ein Fehler! Hier zehn Gründe, wieso «The Americans» komplett unterschätzt ist:

1. No Bullshit Eben: Vergessen Sie «Game Of Thrones» oder «Breaking Bad». Das sind tolle Serien, sehr toll sogar, aber das ist genau das Problem: Sie schreien förmlich: Guckt, wie toll wir sind! Wie brutal, wie sexy, wie durchgeknallt! Mit der Zeit ist das ermüdend. «The Americans» ist auch brutal, sexy und durchgeknallt. Doch die Serie drückt dies ihren Zuschauern nie auf die Nase, die Handlungen der Figuren dienen stets dem Plot, nicht der Effekthascherei.

2. Das Doppelleben Dass Elizabeth und Philip Undercover-Agenten sind, ermöglicht einen Perspektivenwechsel: Wie sieht der Feind die US-Gesellschaft? Vor allem aber drohen sie ständig aufzufliegen, was für enorme Spannung sorgt. Zumal von Anfang an klar ist, dass die Geschichte nicht gut ausgehen kann. Ihre Kinder denken, sie seien Amerikaner, die Jennings aber wollen irgendwann zurück nach Russland. Dazu kommt, dass der Zuschauer um den nahen Zerfall der Sowjetunion weiss. Kurz: Man sehnt sich vor lauter Spannung die Auflösung der Serie herbei und fürchtet sich gleichzeitig davor, weil einem die Familie Jennings ans Herz gewachsen ist.

3. Die Ausstattung Natürlich werden die 80er-Jahre und ihre hochgeschnittenen Mom-Jeans oder die ersten Computergames zelebriert. Aber die Serie verkommt nicht (wie «Stranger Things») zum Retro-Fest. Oft sind die Referenzen subtil gehalten; jemand liest etwa ein Buch über Selbstoptimierung, das damals ein grosser Renner war. Auch der 80er-Soundtrack (The Cure, Phil Collins) ist sparsam, aber extrem effektiv eingesetzt.

4. Der Autor Joe Weisberg, der Autor von «The Americans», ist ein ehemaliger CIA-Agent und Bruder des bekannten Polit-Journalisten Jacob Weisberg. Der Mann weiss, wovon er schreibt.

5. Die Schauspieler Gibt es eine toughere Frau im Serienwesen als Elizabeth, gespielt von der Ex-Profitänzerin Keri Russell? Ihren Sowjet-Patriotismus, ihre Nahkampfeinlagen und Fähigkeiten als Honigfalle muss man gesehen haben. Ausserdem hats zwischen den Schauspielern Keri Russell und Matthew Rhys auch abseits der Kamera gefunkt (siehe Bild für ein US-Magazin), die beiden sind inzwischen seit Jahren ein Paar – was man ihren Darstellungen in der Serie anmerkt. Selten war ein Filmpaar überzeugender.

6. Der Kalte Krieg «The Americans» zeigt eindrücklich die Psychologie und Mechanismen des Kalten Kriegs, die zum Wettrüsten und zur Eskalation zwischen dem westlichen und östlichen Machtblock führten. Eleganterweise werden die Reagans und Breschnews in der Serie nur am Rande gezeigt, in TV- oder Radiosendungen etwa. Paranoia und Grössenwahn jener Zeit werden im Mikrokosmos der Agentenwelt gespiegelt.

7. Die Moral Wie die meisten modernen Serienhelden sind die mordenden Jennings Antihelden. Doch im Unterschied zu einem Walter White jagen sie keine Häuser mit Gegnern in die Luft, ohne danach von ihrem Gewissen aufgefressen zu werden. «The Americans» ist moralisches Graugebiet – was vielleicht ein Grund für den fehlenden kommerziellen Erfolg der Serie ist.

8. Die Ideologie-Frage Die Kämpfe der Jennings sind auch ideologische Schlachten: Welches System funktioniert wie und wann besser – Kommunismus oder Kapitalismus? Diese Frage wird vor allem anhand der Figur von Philip gezeigt. Ihn plagen zunehmend Zweifel an seiner Arbeit, er hat sich mit dem American Way of Life wider Erwarten angefreundet. Was nicht nur seine Arbeit gefährdet, sondern auch seine Beziehung zu Elizabeth.

9. Die Liebe «The Americans» ist nebst einer Serie über Intrigen und Politik auch eine Serie über ein Ehepaar, das unter denkbar ungünstigen Umständen zueinanderfinden muss. Wie sich der unsichere Philip und die knallharte Elizabeth einander immer wieder annähern, um sich dann trotzdem wieder fremd zu werden, ist grosses Ehe- und Familiendrama.

10. Die Perücken Da die Jennings verschiedene Leute observieren/treffen/verführen/umbringen müssen, treten sie immer wieder in anderen Outfits auf. Die Perücken, die die Kostümdesignerin dafür einsetzt, sind der Knaller.

«The Americans»: Staffel 1-5 auf Netflix. Die sechste und letzte Staffel läuft heute in Amerika an und ist danach auf Streaming-Sites zu sehen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.03.2018, 15:57 Uhr

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