Die Fremdgucker

Wie viele Deutschschweizer schauen lieber auf ARD und Co. WM? Die exklusiven Zahlen.

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Man hört sie ständig, die Klagen über die Fussball-Kommentatoren von SRF. Zu langweilig seien sie, zu laut, zu wenig kompetent. Man hört sie oft, die Kritik an den SRF-Studiogästen, die bloss zweitklassig seien. Dass die Deutschen oder Österreicher es ganz allgemein besser machen würden. Zum Beispiel twitterte der Präsident der CVP, kaum hatte das Turnier begonnen:

Aber wie viele schalten tatsächlich ARD, ZDF oder ORF ein? Mediapulse hat das Guck-Verhalten der Deutschschweizer analysiert. Das Medienforschungsinstitut nahm eine Stichprobe und untersuchte, welche Sender die Deutschschweizer bei fünf ausgewählten TV-Spielen einschalteten. Alle Geräte und Plattformen wurden berücksichtigt, also auch Smartphones und Websites. Die Resultate liegen baz.ch/Newsnet exklusiv vor. Hier das Ergebnis:

Das SRF sieht sich in seiner Arbeit bestätigt. Man zeigt sich zufrieden damit, dass «trotz anderer Angebote» im Schnitt fast neun von zehn TV-Zuschauerinnen und -Zuschauern die WM-Spiele bei SRF verfolgten.

Auffällig ist der grosse ZDF-Anteil beim Deutschland-Spiel. Über die Gründe könne man nur spekulieren, sagt ein ZDF-Sprecher. «Vielleicht billigt man den Deutschen eine grössere Kompetenz zu, wenn es um die deutsche Nationalmannschaft geht. Man möchte wissen, wie die deutschen Experten das deutsche Spiel beurteilen.» Auch für den SRF-Sprecher ist der grosse Anteil an Fremdguckern bei den Spielen der Löw-Elf bemerkenswert. Er vermutet: «Ein möglicher Grund ist die emotionale Nähe, welche die Kolleginnen und Kollegen von ARD und ZDF zur deutschen Mannschaft bieten.» Die grosse Anzahl in der Schweiz wohnhafter Deutscher – rund 300'000 – dürfte ein weiterer Grund sein. Für den ORF schliesslich liegen die Zahlen im «Normalbereich», die österreichische Fussball-Berichterstattung verschafft dem Sender keinen grösseren Marktanteil bei den Deutschschweizern als üblich.

Die SRF-Zuschauer sind also in der klaren Mehrheit, trotz häufiger und teils vehementer Kritik. Unter ihnen ist übrigens auch Gerhard Pfister, der sich diese Woche erneut über das Programm ärgerte.

Pfister dazu: Ja, er habe nach dem Spiel mal wieder reingeschaut – «und fühlte mich bestätigt, dass ich vorher richtig wählte».

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.06.2018, 07:52 Uhr

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