«Es gibt Gegner von uns, bei denen ist Hopfen und Malz verloren»

SRF lässt diese Woche Zuschauer mitarbeiten. Moderator Nik Hartmann ist begeistert.

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Das SRF lässt diese Woche die Zuschauer Fernsehen und Radio machen. Und wir dachten, das könnten nur Profis wie Sie.
Jeder Beruf braucht eine Ausbildung, klar. Aber mal eine Idee einbringen und nach einem kleinen Coaching selber etwas mitarbeiten: Das geht sehr wohl. Wenn ich ein Haus bauen will, habe ich als Amateur ja auch eine ungefähre Vorstellung davon, wie das gehen könnte.

Wo liegt die Grenze?
Radiomachen ist schwieriger. Das ist wie Autofahren, da musst du Stunden nehmen. Da braucht es eine Automatisierung des Hirns. Da musst du reden und zugleich mit den Fingern die Schalter mit den passenden Einspielern bedienen können, eine echte Herausforderung; ich fühlte mich selber erst nach fünf Jahren sicher. Deshalb arbeiten die Zuhörer unseren Radioleuten aus dem Hintergrund zu. Moderieren im Fernsehen ist einfacher. Gerade die Jungen sind ja damit aufgewachsen, sich und andere zu filmen und zu präsentieren. Die reden ganz selbstverständlich in eine Kamera. Was die sich zutrauen... eine ganze «Meteo»-Sendung zu moderieren, solche Sachen. Da hätte ich den «Gagg» in der Hose.

Über welchen Zuschauerbeitrag haben Sie sich diese Woche besonders gefreut?
Ein vifer Zuhörer kritisierte uns am Morgen in einer Radio-Sendung. Forderte, wir sollen mehr Pep reinbringen, weniger bieder sein. Am Abend musste er dann zugeben, dass wir unseren Job nicht so schlecht machen. Dass diese vermeintliche Trägheit auch ihre Vorteile und guten Gründe hat.

Was erhoffen Sie sich von der morgigen Monstersendung?
Wir öffnen die Schleusen! Wir wollen ein Leutschenbach ohne Badge sein. Unsere Zuschauer sollen kommen, sehen und mittun. Und wenn sie etwas kritisieren, dann nehmen wir sie ernst und diskutieren mit ihnen, ob und wie wir es besser machen können.

Allerdings dürfen nicht alle, die mitmachen wollen, tatsächlich mitmachen – man musste sich bewerben. Wen wollten Sie lieber nicht dabei haben?
Alle waren willkommen! Es gab eine öffentliche Stellenausschreibung und sagenhafte 1200 Personen haben sich für 50 Jobs beworben. Für jede Bewerbung haben sich das Projektteam und die jeweiligen Redaktionen Zeit genommen, um sie zu prüfen. Am Schluss mussten wir natürlich eine Auswahl treffen.

Hat die «Hallo SRF!»-Woche nicht ein grundsätzliches Problem: Dass sie vor allem Leute anlockt, die den Leutschenbach sowieso gut finden?
Bei der Ausschreibung sprachen wir explizit auch jene Zuschauer und Zuhörer an, die uns kritisch gesinnt sind. Ob letztlich dann doch jene kommen, die uns mögen – wer weiss das schon? Mich begleitete jedenfalls eine junge Frau, die wusste gar nicht, wie ich aussah. Die musste mich erst googeln. Ein Riesenfan von mir wird sie also nicht gewesen sein. (lacht) Und es gibt Gegner von uns, bei denen ist Hopfen und Malz verloren. Da können wir machen, was wir wollen, und sie lassen sich trotzdem nicht auf eine Diskussion ein. Was natürlich schade ist.

In welchem Zusammenhang stehen die «Hallo SRF!»-Spezialsendung und die No-Billag-Initiative?
(lacht) Hui... darüber mache ich mir keine Gedanken. Ich möchte morgen einfach eine gute Sendung machen, mit Lust und mit Freude. So wie es dem Bedürfnis des Publikums entspricht. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.10.2017, 15:06 Uhr

Nik Hartmann (*1972) moderiert am Freitag die Spezialsendung «Hallo SRF!» auf SRF2. Die Sendung dauert von neun Uhr morgens bis halb elf abends; sie zeigt Profis wie «Publikumsmitarbeiter» in Aktion. Hartmann wurde als Moderator der volkstümlichen Sendung «SRF bi de Lüt» populär. (Bild: SRF)

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