«How I met my Schätzli» – SRF und die Jugendliebe

Sie plaudern über den Beginn ihrer Beziehung, Junge Paare in einer Web-Serie. Springt der Funke über?

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Das erste Mal Sex am Anfang einer neuen Beziehung ist Glückssache: Gut möglich, dass es irgendwie peinlich ist, nicht richtig passt, schnell vorbei ist, nicht ganz so befriedigend oder alles zusammen. Selbst wenn die Chemie stimmt, die Leidenschaft da ist und vielleicht sogar die Liebe. Und ob daraus etwas Dauerhaftes entstehen kann, lässt sich daran erst recht nicht ablesen.

Die neue SRF-Serie «How I met my Schätzli» ist auch so etwas wie ein Annäherungsversuch, und zwar an die junge Zielgruppe. Zwölf Paare vom Teeniealter bis Mitte 30 erzählen in Interviewsequenzen, wie sie sich verliebt haben. Zu sehen ist die Serie «How I met my Schätzli» exklusiv im Internet, also nicht im Fernsehen, denn die junge Zielgruppe sieht ja bekanntlich kaum mehr fern. Lieber schaut sie Videos im Web, zum Beispiel auf Youtube oder Facebook.

«Wo habt ihr euch kennen gelernt?»

Bis zum 1. Januar werden auf der Facebook-Seite von Radio SRF 3 täglich zwei neue Paare vorgestellt, auf der SRF3-Website sind alle zwölf Folgen schon heute verfügbar. Die Paare sitzen jeweils zu zweit auf einem kleinen Sofa und beantworten Fragen von «Wo habt ihr euch kennen gelernt?» über «Wie war der erste Sex?» bis «Ist es die grosse Liebe?»

Beim Casting wurde – ganz Service Public – möglichst die ganze Bandbreite von Paaren abgedeckt. Neben zehn Hetero-Paaren gibt es auch ein lesbisches und ein schwules. Mal ist sie älter und er jünger, und mal ist es umgekehrt. Mal ist sie dunkelhäutig und er blond. Mal er dunkelhäutig und sie hellbraun. Mal sie Schweizerin und er Ausländer. Mal er Schweizer und sie Ausländerin. Mal sind sie erst kurz zusammen, mal bereits verlobt.

Bei der Aufmerksamkeitsspanne verkalkuliert?

Es ist also alles dabei bei «How I met my Schätzli», die als «Die neue Webserie zum Verlieben» beschrieben wird. Aber es handelt sich eher um Quickies, die leider nicht ganz so befriedigend sind. Denn die jeweils knapp zweieinhalb Minuten sind viel zu schnell vorbei, damit der Funke so richtig überspringen könnte. Die Interviewsequenzen wirken wie Trailer, bloss dass auf den Trailer kein Film folgt, sondern bereits das nächste Paar.

Mag sein, dass die Aufmerksamkeitsspanne der jungen Web-Zielgruppe etwas kürzer ist als diejenige des herkömmlichen Durchschnittspublikums bei SRF. Aber ein paar Minuten mehr hätte man den Zuschauern sicher zumuten können. Besonders beim Thema Liebe. Es hört doch fast jeder gerne zu, wenn Paare ihre persönliche Geschichte erzählen. Wenn sie sich darüber zanken, wer denn nun den ersten Schritt gemacht hat, erzählen, wie schnell das mit dem Verlieben ging, wie das erste Date abgelaufen ist (bei einem der Paare dauerte es ganze fünf Tage), wer wann das erste Mal «Ich liebe dich» gesagt hat («Das ist beim Sex einfach mal so rausgerutscht.») oder wie das mit dem Küssen ist («Wenn man das erste Mal Küssen hinter sich hat, ist das ja nicht mehr so schlimm.»).

Die grosse Liebe wird es wohl nicht

Zwischendurch ist «How I met my Schätzli» auch berührend, zum Beispiel, wenn die 22-jährige Tatiana erzählt, was für ein eindrückliches Gefühl es war, mit Jessica zum ersten Mal eine Frau zu küssen. Oder Alice darüber, dass sie und Eticus anfangs nicht zusammen sein durften, weil sie noch liiert war und Eticus sich noch genau an das Datum erinnert, an dem die selbst auferlegte Anstandssperre nach Alices Trennung endlich vorüber war.

Wenn man die Videos zuerst ohne Ton schaut, kann man anhand der Gestik herauszufinden versuchen, ob das Paar schon länger zusammen ist oder erst ganz frisch. Und man kann sich ausmalen, ob die Beziehung wohl halten wird oder eher nicht. Bei «How I met my Schätzli» ist das Urteil relativ schnell klar: Die grosse Liebe zur jungen Zielgruppe wird es mit der neuen Webserie wohl kaum. Die Serie ist eher wie ein flüchtiger Flirt, den man aber schnell wieder vergessen hat. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.12.2016, 10:43 Uhr

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