«Natürlich ist der Schweizer lustig»

Humor-Gipfeltreffen im «Club» mit Emil, Fabian Unteregger und Yonni Meyer. Die Fragen: Können Schweizer über sich selber lachen? Und hilft Humor?

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Der Vergleich mit den Angelsachsen kommt jeweils ziemlich rasch, wenn hierzulande über Humor und Komik diskutiert wird. Ja, die Briten, die ziehen sogar ihren Premierminister durch den Kakao, die sind so schön böse. Und die Iren, die machen sich gerne über die eigenen Unzulänglichkeiten lustig, die sind sympathisch.

Und wir Schweizer? Wir reissen nette Witze, brüllen ob Schenkelklopfern, stapeln Pointe um Pointe ohne jegliche Sozialkritik. So zumindest oft gehörte Vorwürfe an die hiesigen Komiker und ihr Publikum. Doch wie steht es wirklich um den Schweizer Humor? Das wollte der gestrige «Club» von Komikern verschiedener Generationen wissen. Können Schweizer über sich selber lachen? Wann ist Humor fehl am Platz? Hilft Lachen? Aus dem «Humor-Gipfeltreffen» haben wir die wichtigsten Erkenntnisse zum Zustand des Schweizer Humors zusammengetragen:

  • Das Wichtigste zuerst: «Natürlich ist der Schweizer lustig.» So das Attest von einem, der es wissen muss: Michael Mittermeier, langjähriger Schweiz-Beobachter.
  • Selbstironie: Die Schweizer lachen durchaus über sich selber. Aber sie sind anspruchsvoll. «Den tausendsten Witz über Schokolade wollen sie nicht hören», sagt Mittermeier. «Die Schweizer haben Freude, wenn der Komiker gut informiert ist.»
  • Humor ist heterogen. Auch hier: ein Stadt-Land-Graben, so Peach Weber. «Auf dem Land lassen sie sich Zeit mit Lachen, in der Stadt muss man liefern: Das Publikum will Pointe um Pointe hören.»
  • Die Gürtellinie: ist individuell.
  • Was Komik darf: «Man darf gegen sich selber und gegen die Mächtigen schiessen», so Yonni Meyer.
  • Wo Komik scheitert: «Personenbezogene politische Comedy bringts nicht. Die Menschen lachen, die Person ändert sich nicht», sagt Emil Steinberger.
  • Was Komik leistet: «Die Welt verbesserst du bereits, wenn du als Komiker Menschen zum Lachen bringst. Egal über was du Witze machst», sagt Andreas Thiel.
  • Die Gesundheit: Die Medizin gibt Thiel recht. Lachen wirkt entspannend, sorgt für Endorphinausschüttung, sagt Fabian Unteregger, Komiker und Arzt. «Der medizinische Nutzen der Comedy ist messbar.»
(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.07.2017, 10:50 Uhr

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