Sex sells – immer noch

Die Serie «Seitentriebe» wird aufgrund angeblich sinkender Einschaltquoten kritisiert. Für SRF ist sie ein Erfolg.

Die am besten laufende Serie auf SRF 2: Die Eigenproduktion «Seitentriebe».


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«Bei ‹Seitentriebe› macht das Publikum schlapp» oder «Lust auf ‹Seitentriebe› ist vergangen», titelten diverse Medientitel letzte Woche. Tatsächlich hat die von Güzin Kar geschriebene und gedrehte Serie von der ersten zur zweiten Doppelfolge rund 100’000 Zuschauer im linearen Fernsehen verloren, von durchschnittlich 350’000 zu rund 250’000. Für Urs Fitze, Bereichsleiter Fiktion SRF, war dies keine Überraschung: «Damit, dass die Zahlen in der zweiten Woche zurückgehen, war zu rechnen.»

Zu einer konkreten Quotenvorgabe zur Serie machte Fitze keine Angaben; aber: Das Ziel, «mindestens so viele Zuschauer zu erreichen wie mit den erfolgreichsten eingekauften Serien», ist laut Fitze erreicht, die Erwartungen sogar übertroffen worden. «Auch in der zweiten Woche sind die Zahlen für ‹Seitentriebe› mehr als doppelt so hoch wie bei ‹Grey’s Anatomy›, der am besten laufenden Serie auf SRF 2.» Die Serie verliert im TV zwar an Zuschauern, wird online aber weiterhin sehr gut geklickt. Die erste Folge wurde Stand heute 88’000-mal im SRF-eigenen Player nachgesehen, Folge 4 erreichte noch gute 40’000 Views.

Zweite Staffel ist bereits in Entwicklung

David Angehrn, der Leiter Programmstrategie bei SRF, erklärt das Phänomen folgendermassen: «Der zeitversetzte Konsum ist über die letzten Jahre kontinuierlich angestiegen. Um das Zielpublikum erreichen zu können, sind unsere eigenen On-Demand-Angebote und Drittanbieter von grosser Bedeutung.» Der Grund dafür liegt im veränderten Nutzungsverhalten der Zuschauer: «Die Erwartung der Konsumentinnen und Konsumenten ist, dass das SRF-Angebot ‹anytime, anywhere› abrufbar ist. Sie wollen entscheiden, wann, wie und auf welchem Gerät sie die Sendung konsumieren.» Die rege zeitversetzte Nutzung über Play SRF oder Drittanbieter wie Swisscom TV hat das Rating der ersten zwei Folgen auch um 10 bis 15 Prozent steigen lassen.

Den Vergleich mit anderen Eigenproduktionen wagt Angehrn trotzdem (noch) nicht: «Da die Ausstrahlung noch läuft, ist es derzeit für eine abschliessende Einordnung noch etwas zu früh.» Zudem seien die Unterschiede zu «Wilder» (rund 640’000 Zuschauer), «Der Bestatter» (circa 704’000 Zuschauer) oder «Private Banking» (523’000 Zuschauer im Schnitt) in Bezug auf das Thema, die Sendezeit und das Zielpublikum zu gross, um Rückschlüsse zu ziehen.

«Wir sind gespannt, wie sich die Publikumsresonanz in den nächsten Wochen entwickelt, und werden die Erkenntnisse in die bereits laufende Entwicklung einer zweiten Staffel mit einbeziehen», sagt Fitze. Die Quote mag also sinken, die Zufriedenheit scheint bei SRF aber zu überwiegen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.03.2018, 11:50 Uhr

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