Amerikas spektakulärstes Verbrechen

Im Herbst kommt O.J. Simpson wohl frei. Bis dann rollt eine TV-Serie den Fall nochmals auf. Das ist spannender als jeder «Tatort».

Trailer zu «O. J. - Made in America».

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Natürlich wissen die meisten Amerikaner, so sie aufgrund ihres Alters zu dieser Erinnerung fähig sind, wo sie am 17. Juni 1994 gewesen sind: vor dem Fernseher. 95 Millionen Menschen haben damals live zugeschaut, wie sich der einstige Footballstar O. J. Simpson mit einer Pistole in der Hand auf dem Rücksitz eines Ford Bronco durch Los Angeles chauffieren liess.

Sie dürften auch noch ziemlich deutlich jene Bilder von Simpson im Kopf haben, wie er im Oktober 1995 vom Vorwurf freigesprochen wird, seine ehemaliger Ehefrau Nicole Brown und deren Freund Ronald Goldman ermordet zu haben. Der Rest der Geschichte ist als verschwommener Film irgendwo gespeichert oder auch vergessen.

Die Dokumentarserie «O. J. - Made in America» ruft diese Erinnerungen virtuos ins Gedächtnis der Zuschauer und ergänzt sie um das bisher Unbekannte. Regisseur Ezra Edelman hat für seine Siebeneinhalb-Stunden-Serie - als ungekürzte Filmversion mit dem Oscar ausgezeichnet - mehr als 70 Protagonisten befragt. «O. J. - Made in America» beschäftigt sich weniger mit der Frage nach Simpsons Schuld, sondern vielmehr damit, warum am Ende nichts anderes als ein Freispruch möglich gewesen ist.

Die Dokumentation, mit Schauspieler Cuba Gooding Jr. in der Rolle von Simpson, ist Teil eines Genres, das gerade eine Renaissance erlebt: «True Crime» nennen die Amerikaner das, wenn berühmte Kriminalfälle als Doku oder als fiktives Format aufgearbeitet werden und mit dem Gedächtnis des Zuschauer spielen. Die nächsten drei Staffeln der Serie, die sich jeweils komplett unterschiedlichen Stoffen annehmen, werden sich mit dem Hurrikan Katrina, dem Mord an Designer Gianni Versace und dem Skandal um Bill Clinton und Monica Lewinsky beschäftigen.

«O. J. - Made in America» zeigt in epischer Breite und mit grandiosen Bildern das Leben eines Mannes, der aufgrund seiner Popularität («Ich bin nicht schwarz - ich bin O. J.!») glaubt, über dem Gesetz zu stehen. Der sich Verteidiger leisten kann, die sein Haus Geschworenen-gerecht präparieren und nun ausplaudern, dass sie ihre eigene Beweisführung für absurd hielten. Sie zeigt ein Land, in dem die Möglichkeiten bis heute nur für Privilegierte unbegrenzt sind.

Simpson wurde später wegen Kidnapping und Raubüberfall zu 33 Jahren Haft verurteilt. Im Herbst 2017 könnte er nach neun Jahren vorzeitig entlassen werden.

«O. J. - Made in America» läuft aktuell auf Teleclub. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.04.2017, 09:15 Uhr

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