Eine genussvolle Demontage der sauberen Dänen

Die Krimi-Reihe «Follow the Money» spielt mit dem Image vom velofahrenden Hygge-Windenergie-Land Dänemark. SRF lädt ab Freitag zum Serienmarathon.

Zog schon die Briten in ihren Bann: Der Trailer zu «Follow the Money».


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Die Farben verraten es, der Energiemanager Alexander Sødergren hat etwas auf dem Kerbholz. In der ersten Folge von «Follow the Money» folgen wir ihm durch sein Apartment und alles ist: grau. Nur die Zimmerpflanzen und die Kissen mit Blättermuster stechen grün hervor, einem dieser Kitsch-Poster gleich, das mit Splash-of-Colour-Effekt gestaltet wurde. Ja, das Grün ist aufgesetzt – wie das saubere Image von Sødergren und seiner Firma Energreen.

Die Krimi-Serie «Follow the Money» (im Original «Bedrag», dt. «Betrug») stammt vom «Borgen»-Co-Autor Jeppe Gjervig Gram und lief 2016 auf Dänemarks öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalt DR. Letztes Jahr eroberte die Reihe den halben Angelsächsischen Raum. Nun liess SRF die erste Staffel auf Deutsch synchronisieren und zeigt sämtliche zehn Folgen am kommenden Wochenende.

Wie jeder gute Krimi fängt auch «Follow the Money» mit einer Leiche an. Ein Monteur ist in einem Windpark der Firma Energreen ums Leben gekommen, der Kriminalpolizist Mads Justesen nimmt die Ermittlungen auf. Justesen wird bald klar: Etwas ist faul im Windenergie-Land Dänemark.

Energreen stellt für die Montage Subunternehmen an. Deren meist osteuropäischen Mitarbeiter müssen regelmässig bei widrigen Wetterverhältnissen auf Montage; mehrere Arbeiter kamen so schon ums Leben. Nur, weshalb gingen die Behörden nie gegen Energreen vor? Weshalb versandeten auch sämtliche Betrugsermittlungen der Kollegen von der Wirtschafts-Kripo?

Auch der dänische Gauner kommt mit dem Velo

«Follow the Money» packt einen von der ersten Folge an. Das liegt zum einen an der Erzählweise. Wir verfolgen die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven: Der knorrige Polizist Mads, die ehrgeizige Energreen-Juristin Claudia, der leichtsinnige Automechaniker Nicky – sie alle haben irgendwann mit dem Fall zu tun. Mehr noch, sie alle manövrieren sich früher oder später in Schwierigkeiten.

Spannend ist die Serie jedoch auch, weil sie mit dem Image von Dänemark spielt. Schöne Möbel, das perfekte Daheim, saubere Energie – das alles wird in «Follow the Money» demontiert. Die Heime der Protagonisten sind nicht gemütlich (Nicky). Und wenn sie es auf den ersten Blick sind, lauern die Probleme einfach zwischen den Design-Möbeln (Mads pflegt seine an MS erkrankte Frau und sie betrügt ihn, Claudias Ex will mit dem kleinen Sohn nach Paris). Der Energie-Manager Alexander Sødergren fährt zwar umweltbewusst mit dem Rennvelo zum BBC-Interview («Ich bin aus Kopenhagen») und predigt die saubere Energiezukunft, im Hintergrund tätigt er jedoch dreckige Deals.

«Stereotypen sind langweilig»

Bekanntlich gehört der kritische Blick auf das eigene Land im Nordic Noir dazu. Ebenso der zerrüttete Ermittler. Bereits 1965 liess das Autorenpaar Maj Sjöwall und Per Wahlöö seinen beschädigten Kommissar Beck in die Abgründe des schwedischen Sozialstaats schauen. Landsmänner wie Henning Mankell und Stieg Larsson, aber auch Autoren wie der Norweger Jo Nesbø zogen später nach. Und TV-Serien wie «The Bridge», «The Killing» und eben «Follow the Money» machten aus der skandinavischen Tradition eine weltweit gültige Schablone für den modernen Fernsehkrimi.

Und hier liegt denn auch der einzige Wermutstropfen von «Follow the Money»: Wir kennen sie langsam, die geplagten und eigenbrötlerischen Ermittler, wie Mads einer ist. «Stereotypen sind langweilig», erklärte «Killing»-Produzentin Piv Bernth vor zehn Jahren ihre widerborstige Protagonistin Sarah Lund. Vielleicht ist die Zeit gekommen, dass auch die erfolgsverwöhnten Serienautoren des Nordens einmal wieder über die Bücher gehen. «Follow the Money» schauen wir bis dahin dennoch mit Genuss. Im Serienmarathon, versteht sich.

«Follow the Money» läuft ab Freitag, 16.2., 21.55 Uhr auf SRF 2. Auf Play SRF kann die erste Staffel noch bis 25.2. angeschaut werden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.02.2018, 19:50 Uhr

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