Es geht auch ohne Fremdschämen

Die SRF-Talkshow «Letschti Rundi» ist eine erfrischende Alternative zur meist langweiligen Fussballberichterstattung im Schweizer Fernsehen.

Tom Gisler ist Gastgeber im WM-Talk «Letschti Rundi».

Tom Gisler ist Gastgeber im WM-Talk «Letschti Rundi». Bild: SRF/Oscar Alessio

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Fussball-Fans wissen es: Die dritte Halbzeit ist fast immer die beste. Nach einem berauschenden Sieg gibt es nichts Schöneres, als bei einem gemütlichen Bier noch einmal über die besten Szenen des Spiels zu diskutieren. Und nach einer vernichtenden Niederlage lässt sich hervorragend über die Gründe für das Scheitern sinnieren. Dieses Konzept hat das Schweizer Fernsehen an der diesjährigen WM-Berichterstattung in ein äusserst gelungenes Sendegefäss gegossen: Im WM-Talk «Letschti Rundi» lädt SRF-Moderator Tom Gisler jeweils zwei Gäste auf ein Bier ein und diskutiert mit ihnen über die Highlights des WM-Spieltages.

Die knapp halbstündige Talkshow ist etwas vom Besten, was der Sender in den letzten Jahren produziert hat. Gisler ist ein unaufgeregter Gastgeber. Nie drängt er sich in den Vordergrund, immer lässt er seine Gäste ausreden. Beides ist bei Talkmastern leider eine seltene Qualität. Mit seinem trockenen Humor gibt er die richtigen Stichworte und lenkt die Gespräche auf die spannendsten Fragen des Tages. Erfrischend ist auch die Auswahl der Gäste. Hanspeter Latour, der sympathischste Fussballtrainer der Schweiz, der kein Blatt vor den Mund und sich selbst nicht so ernst nimmt, Poetry-Slam-Champion Gabriel Vetter, Kolumnist Bänz Friedli, Schauspieler Leonardo Nigro und einige mehr sorgen für anregende Gespräche, die sich wohltuend vom sonst muffigen Leutschenbach-Groove abheben. Während in der manchmal peinlichen Sportberichterstattung in den Stunden zuvor die immer gleichen langweiligen Experten auf die immer gleichen langweiligen Fragen die immer gleichen langweiligen Antworten geben, bricht der Fussball-Talk aus diesem starren Korsett aus.

Schlagfertige Moderator

Die Show glänzt einerseits mit einem unaufdringlichen Humor und andererseits werden unterschiedlichste Themen kritisch betrachtet. Spannend war beispielsweise Sarah Akanji, Schwester von Nati-Star Manuel, die erzählte, wie ihr Bruder gefördert wurde, während sie selbst Mühe hatte, ein Team zu finden, in dem sie ihr Talent entwickeln konnte. Sie hat darum später selbst ein Team aufgebaut.

Interessant war auch das Gespräch mit Autor Silvan Lerch und dem Gelterkinder Sänger Baschi über die Doppeladler-Affäre. Die Runde fand es unglücklich, dass Granit Xhaka am Tag nach dem Spiel das Bild mit seinem umstrittenen Jubel auf seinem Instagram-Account auf Social Media präsentierte, nachdem die Schweizer den Jubel mit einer Affekthandlung begründeten. Baschi und Lerch bedauerten, dass die Spieler so geschliffen werden, bis sie nur noch Floskeln in die Kamera absondern, aber bei Social-Media-Fragen nicht beraten werden. Der schlagfertige Moderator hielt dem Baselbieter dann unvorteilhafte Fotos von dessen eigenem Instagram-Account vor.

Die letzte Runde ist der krönende TV-Abschluss eines jeden Spieltags. Und mitunter einer dessen Höhepunkte. (Basler Zeitung)

Erstellt: 04.07.2018, 12:00 Uhr

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