Fehlerhafter Frontalangriff

Die Berichte der SRG-Ombudsstelle werden von den Redaktionen aufmerksam gelesen. Eine Replik auf den Artikel von David Klein

«Ständiger Verbesserungsprozess». Bericht über die No-Billag-Initiative in der «Tagesschau» vom 11. Dezember.

«Ständiger Verbesserungsprozess». Bericht über die No-Billag-Initiative in der «Tagesschau» vom 11. Dezember. Bild: Keystone

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In der BaZ vom 5. Januar 2018 führte David Klein einen Frontalangriff gegen die Ombudsstelle der SRG Deutschschweiz. Dem Verfasser sind dabei ein paar Fehler unterlaufen:

Er redet dauernd von Entscheiden des Ombudsmannes. Ich entscheide aber nichts, sondern vermittle, berate, gebe meine Einschätzung und Meinung kund und richte Empfehlungen an die Redaktionen von Radio oder Fernsehen SRF. Das Verfahren vor der Ombudsstelle ist ein Vorverfahren. Der Ombudsmann soll ähnlich wirken wie ein Friedensrichter: Konflikte schlichten, aber auch klar sagen, wenn eine Klage völlig daneben liegt.

Wenn der Schlussbericht der Ombudsstelle vorliegt, kann die klagende Person an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI) gelangen, und jetzt wird das Verfahren rechtlich verbindlich. Auch hier behauptet David Klein Falsches: Die UBI fertigt Beschwerden nicht einfach ab, ohne den Beschwerdeführer anzuhören. Richtig ist, dass es vor der mündlichen Beratung ein aufwendiges schriftliches Verfahren mit Replik und Duplik gibt. Beschwerdeführer und Sender können also immer wieder aufeinander reagieren. Es ist infam, anderes zu behaupten.

Mal Lob, mal Tadel

David Klein behauptet weiter, dass ich die Stellungnahmen der SRF-Redaktionen unentwegt lobe. Auch das stimmt nicht. In erster Linie beurteile ich die ausgestrahlte Sendung und prüfe, was das Publikum erlebt und erfahren hat. Wenn die Sendung sachgerecht war und die journalistischen Sorgfaltspflichten beachtet wurden, dann kann es auch mal zu Lob führen.

Durch eigene Recherchen komme ich aber hin und wieder auch zu anderen Schlüssen als die zuständige Redaktion. So habe ich just in einem Israel betreffenden Fall durch Recherchen auf der Website der Knesset nachgewiesen, dass sowohl die Angaben des Beanstanders als auch jene der Redaktion falsch waren. Hin und wieder kritisiere ich auch die Stellungnahme der Redaktion.

David Klein behauptet ferner, dass die SRF-Verantwortlichen keinerlei Bereitschaft zur Selbstkritik zeigen. Richtig ist, dass meine Schlussberichte auf den Redaktionen sehr aufmerksam studiert werden und dass selbst Nebenbemerkungen sensibilisierend wirken.

Die Redaktionen befinden sich in einem ständigen Verbesserungsprozess. Und auch die grosse Aussprache Ende Oktober zur Israel-Berichterstattung von SRF mit einer ganzen Anzahl von Beanstandern und mit den Vertretern von einem halben Dutzend Redaktionen wird mittelfristig Einfluss auf die Art der Berichte haben. Allerdings: David Klein war Teilnehmer an dieser Runde, aber offensichtlich nicht zufrieden mit dem Diskussionsverlauf.

David Klein verkennt, dass der Spielraum der Medien in der Schweiz mit gutem Grund gross ist. Wir sind nicht in der Türkei oder in China, nicht in Ungarn oder in Syrien: Bei uns herrscht Medienfreiheit, und diese gilt genauso für Radio und Fernsehen wie für die Presse. Das ist der Grund, dass ich Beanstandungen nur dann voll unterstütze, wenn eine Manipulation des Publikums erkennbar ist. Dennoch ist es wichtig, dass es Ombudsstellen gibt. Denn sie erinnern die Redaktionen von Sendern wie der SRG, Telebasel oder Radio Basilisk stets daran, dass sie sorgfältig arbeiten müssen. Und diese «fleet in being» wirkt auch.

In einem Punkt hat David Klein recht: Das Publikum kann sich auch aufgrund falscher Fakten eine Meinung bilden. Nur: Die UBI interpretiert Artikel 4, Absatz 2, des Radio- und Fernsehgesetzes strenger (siehe Denis Masmejan/Bertil Cottier/Nicolas Capt (éd., 2014: Loi sur la radio-télévision (LRTV), Berne: Stämpfli, S. 94 ff.). Sie verlangt, dass sich «das Publikum frei eine eigene Meinung bilden kann». Und frei ist das Publikum dann, wenn die Fakten stimmen, wenn es nicht manipuliert wird.

Zwei Arten von Interviews

Schliesslich behauptet David Klein, ich würde an Interviews nicht immer den selber formulierten Massstab anlegen. Das ist falsch. David Klein hat den Unterschied zwischen einem konfrontativen und einem sachzentrierten Interview nicht verstanden. Den CVP-Präsidenten Gerhard Pfister interviewte die «Samstagsrundschau» konfrontativ: Es ging um seinen Kurs, seine Taktik, seine Erfolge und Misserfolge, um seine Beliebtheit in der Partei.

Die «Sternstunden» interviewten Michael Lüders als Experten. Es ging nicht um seine Person, nicht um seine Interessen-Verwicklung, sondern darum, sein Sachwissen abzurufen. David Klein unterschlägt, dass ich genau im Schlussbericht zum Interview mit Gerhard Pfister grundsätzliche Ausführungen zu den verschiedenen Interview-Typen gemacht habe.

Roger Blum ist Ombudsmann der SRG Deutsch-schweiz. (Basler Zeitung)

Erstellt: 08.01.2018, 14:36 Uhr

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