Gegen-«Arena» mit Filippo Leutenegger

Der Gewerbeverband – Befürworter der No-Billag-Initiative – diskutierte in der eigenen Politdiskussion. Bemerkenswert war dabei die Leistung des Moderators.

Wenig neue Erkenntnisse. Robert E. Gubler und Jessica Brestel (pro), Moderator Filippo Leutenegger, Jean-Michel Cina und Bea Heim (contra) (v. l.).

Wenig neue Erkenntnisse. Robert E. Gubler und Jessica Brestel (pro), Moderator Filippo Leutenegger, Jean-Michel Cina und Bea Heim (contra) (v. l.). Bild: Fokus KMU

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Die Affiche verspricht eine interessante Auseinandersetzung. Der frühere SRF-«Arena»-Dompteur Filippo Leutenegger (FDP) moderiert das Streitgespräch, mitten in seinem Zürcher Stadtratswahlkampf. Im Ring stehen Robert E. Gubler, Vorstandsmitglied des Schweizerischen Gewerbeverbandes, und Jessica Brestel, Vizepräsidentin der Jungfreisinnigen der Stadt Zürich, sowie SP-Nationalrätin Bea Heim (SO) und SRG-Präsident Jean-Michel Cina.

Die Gewerbeverbands-Spezialsendung «Arena Fokus KMU» zur No-Billag-Initiative sollte, über die spannende Affiche hinaus, die Wende zugunsten des Initiativbegehrens bringen. Dieses hat es gemäss letzter Abstimmungsumfrage von Tamedia schwer. 61 Prozent wollen Nein stimmen. Die Befürworter sind also gefordert. Die Erwartungen in die eigene Sendung befeuerte zusätzlich auch Gewerbeverbandsdirektor und FDP-Nationalrat Ulrich Bigler. Im Medienmagazin Persönlich sagte er: «Wir haben eine eigene ‹Arena› mit der TV-Legende Filippo Leutenegger als Moderator produziert (...). Das Staatsfernsehen muss endlich aus der Blockadehaltung heraus. Plumpe Liquidationsdrohungen sind keine Vision für die Zukunft. Es braucht jetzt die resultatoffene Diskussion um Umfang und Inhalt des Service public, die bisher immer verweigert wurde.»

Bigler muss seine Forderung wohl weiterhin aufrechterhalten, denn erfüllt wurde sein Wunsch in der gestern auf diversen Kanälen ausgestrahlten Sendung nicht – trotz hartnäckigem Nachfragen durch Filippo Leutenegger. Cina blieb auch nach der gefühlten hundertsten öffentlichen Aufforderung, diesen zu präsentieren, seinen Plan B schuldig.

«… bis zur Liquidation …»

Was die Initiativ-Befürworter der SRG-Führung als Schwäche vorhalten, wird so je länger, je mehr zur fixen, unumstösslichen Gegenposition. Langsam nimmt man es Cina ab, dass er seine SRG-Untergangsprophezeiung ernst meint, dass die SRG-Spitze keinerlei Ausweg sieht, würden nach dem 4. März erhebliche Teile der Einnahmen wegfallen.

Cina, in der Sendung oft wild gestikulierend und deutlich weniger gehemmt als in den SRG-Studioräumen, spielt auf Tutti, er brandmarkt das Begehren als zu radikal.
Leutenegger: «Bei einem Ja ... ist die SRG am Ende? Einfach fertig!»
Cina: «Ja. Wir müssten das Unternehmen geordnet zurückfahren. Das kann bis zur Liquidation gehen ... » Es werde ein Chaos sein, «nicht nur für uns, sondern auch für die 34 lokalen und regionalen Privatstationen, bei denen die Hälfte der Einnahmen wegfallen würde».

Politiker, Gesprächsleiter

Den Befürwortern bleibt, «nicht an das Chaos zu glauben», wie Gubler es sagte. Die SRG sei gut aufgestellt, habe Marktanteile, gutes Personal, sei auch regional verankert. Eine Konzession sei – entgegen den Aussagen Cinas – beim Bund zu erlangen. Das Unternehmen sei auch zu finanzieren.

Kurzum: Neue Argumentationen, Überraschendes, gab es leider auch mit der von bürgerlicher Seite her lancierten No-Billag-«Arena» kaum zu hören.

So bleibt anderes bemerkenswert. Etwa dies: Ein Moderator kann gleichzeitig Parteipolitiker, Amtsträger und fairer Gesprächsleiter sein. Dies zeigt Leutenegger. Charisma, Sachverstand und der Wille für ein faires Gespräch genügen offensichtlich. Mit anderen Worten: Es sind nicht nachweisliche Fakten, wie Parteizugehörigkeit oder politische Ämter oder die bekannte eigene Haltung, die einen Moderator disqualifizieren. Es ist einzig und allein der Auftritt selbst.

Die öffentlich viel kritisierte Leistung des aktuellen SRF-«Arena»-Moderators Jonas Projer bei dessen No-Billag-«Arena» erscheint so in einem anderen Licht. Projer war nicht vorsätzlich unfair zu Initiant Oliver Kessler, als es zum Rencontre kam. Aber als unmittelbar Betroffener der Initiative und als Zielobjekt der Initianten war er wohl emotional zu nah dran. Das kann vorkommen und dürfte bald kein Thema mehr sein. Und die «Gegen»-Arena zeigt: Man könnte mit einem Ex- Moderator jederzeit ausweichen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 13.02.2018, 09:27 Uhr

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