«Unser Fehler» – SRF entschuldigt sich

Der Auftritts-Check der neuen Bundesrätinnen kam gar nicht gut an. Nun zeigen die Macher Reue.

«Glanz & Gloria» beurteilt das Auftreten der neuen Bundesrätin Viola Amherd. Video: SRF

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«Sexistischer Seich» sei das, beschwerte sich Schauspieler Mike Müller. «Herjee, wo leben wir eigentlich? Peinlich u diskriminierend von SRF», twitterte die grüne Nationalrätin Maya Graf. Und Tatjana Haenni, die beim Schweizerischen Fussballverband den Frauenfussball leitet, schrieb ebenfalls auf Twitter: «wow ... und das war euer Beitrag zu diesem Thema?» Dazu das Emoticon eines nach unten zeigenden Daumens. Auch sonst: heftige Kritik in den sozialen Medien.

Anlass war eine Bundesrätinnen-Analyse der Promisendung «Glanz & Gloria». Der frühere SRF-Mann und heutige Kommunikationsberater Patrick Rohr schaute sich die Antrittsreden von Viola Amherd und Karin Keller-Sutter an. «Was mir aufgefallen ist: Sie hat leicht gezittert mit der Stimme, hat schon etwas um Fassung gerungen», kommentierte Rohr Amherds Auftritt. Um sofort zu ergänzen: «Was absolut normal wäre, absolut nachvollziehbar ist. »

Grösserer Schmuck?

Neben Rohr auf dem Sofa sass der Stylist Clifford Lilley. Für ihn wirkte CVP-Bundesrätin Amherd «wie eine Mutter», FDP-Bundesrätin Keller-Sutter empfahl er etwas «mehr Fantasie». Dies etwa durch den Einsatz von «grösserem Schmuck».

Auch Karin Keller-Sutter wird einer Kritik unterzogen. Video: SRF

Rohr, der 1999 Filippo Leutenegger als «Arena»-Moderator abgelöst hatte, verteidigt seinen Auftritt: «Ich kann nur für meinen Part reden und nicht für die Sendung oder die Sendungsanlage.» Er werde als Kommunikationsberater immer wieder dazu eingeladen, Politikerinnen und Politiker zu analysieren. «Meine Aufgabe in dieser Sendung war, einerseits ein unmittelbares Feedback zu den ersten Auftritten der Frischgewählten abzugeben und andererseits ihr bisheriges Kommunikationsverhalten zu beurteilen.» Diese Aufgabe habe er nach bestem Wissen und Gewissen erfüllt, «und ich sehe darin kein Problem.» Stylist Lilley sagt, es sei nicht seine Absicht gewesen, zu verärgern oder zu provozieren. Er habe nur das Image beurteilt, die Kompetenz der neuen Bundesrätinnen stehe nicht zur Diskussion. «Sonst wären sie nicht dort gelandet, wo sie jetzt sind.»

SRF selber distanziert sich mittlerweile von der Sendung. Grundidee sei es gewesen, die Bundesratswahlen aus einer anderen Optik zu beleuchten, sagt «Glanz & Gloria»-Redaktionsleiterin Paola Biason gegenüber baz.ch/Newsnet. «Dabei haben wir leider einen Mangel an Sensibilität gezeigt. Das ist unser Fehler, und dafür entschuldigen wir uns.» (lsch)

Erstellt: 07.12.2018, 11:42 Uhr

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