Das letzte schillernde Tier

Der Hollywoodproduzent Jerry Weintraub arbeitete mit Elvis und Robert Altman. Mit 77 Jahren ist er an Herzversagen verstorben.

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Auch wenn es Jerry Weintraub gut meinte, konnten seine Worte wie eine Drohung klingen. «Ich bin einer dieser Kerle, die deine Hand schütteln und dich nie mehr hängen lassen.» Sein Charme soll erbarmungslos gewesen sein, seine Auftritte an Cocktailpartys waren bombastische Shows in eigener Sache, und am liebsten wäre ihm die Welt gewesen, wenn darüber der Banner «Jerry Weintraub Presents» gehangen hätte. Das schrieb er selber in seinen Memoiren «When I Stop Talking, You’ll Know I’m Dead», in denen er über die Begegnungen mit Elvis und Led Zeppelin plauderte: Weintraub, 1937 als Sohn eines jüdischen Juweliers in Brooklyn geboren, begann seine Karriere als Konzertpromoter. Wie er genau an Elvis Presley herankam, erzählte er immer wieder anders. Sicher ist, dass die Tour in den Sechzigerjahren zum Erfolg wurde.

Showman des Showgeschäfts

Bald arbeitete Weintraub mit Frank Sinatra, und über die Musik (und als Produzent von Konzertfilmen fürs Fernsehen) kam er zum Kino und gleich schon zu Robert Altman. Der traf Weintraub an einem Konzert und schickte ihm eine Projektskizze. Daraus wurde «Nashville» (1975), Altmans vielfach geschichtete Sinfonie über die Stadt des Country. Wie sich darin die Linien von Pop, Politik und Prahlerei überkreuzten, muss Weintraub gefallen haben: Der Produzent vermischte in seinem Leben selber die Bereiche, betörte die Mächtigen von Kunst und Staat, wurde zum Intimus von George H. W. Bush und zementierte seinen Ruf als Showman des Showgeschäfts: unbeugsam, überlebensgross, ein schillerndes Tier, das im Rolls-Royce herumchauffiert wurde. Mit «The Karate Kid» (1984) gelang Weintraub ein Grosserfolg, Anfang der Neunzigerjahre allerdings ging seine Unterhaltungsfirma nach einigen Flops in Konkurs. Erst Jahre später gelang ihm wieder ein Hit: «Ocean’s Eleven» mit Brad Pitt und George Clooney. Später produzierte er fürs Fernsehen die Liberace-Biografie «Behind the Candelabra» von Steven Soderbergh.

«Dieser Typ ist ein Star»

In seinen Memoiren schreibt Weintraub, wie er im Jahr 1972 fasziniert vor dem Fernseher sass und dem Schachspieler Bobby Fischer zusah. «Was stimmt mit dir nicht?», fragte seine Frau. «Dieser Typ ist ein Star», antwortete Weintraub. Am gleichen Abend flog er nach Island zum Schachwettbewerb, im Hotel sprach ihn ein Radioreporter an, und der Dialog ging so:

«Sind Sie Jerry Weintraub? Was tun Sie denn hier?»
«Ich bin hier, um Bobby Fischer zu treffen.»
«Sind Sie verabredet?»
«Nein. Ich kenne ihn nicht einmal.»
«Wie wollen Sie ihn dann treffen? Er will niemanden sehen.»
«Ich werde ihn treffen.»
«Spielen Sie Schach?»
«Davon habe ich keine Ahnung.»
«Aber wieso sind Sie denn hier?»
«Weil ich Bobby Fischer am TV gesehen habe. Er ist wie Mick Jagger. Wie Elvis. Der Mann ist ein Rockstar.»

Später klingelte im Hotelzimmer das Telefon. Es war Bobby Fischer.

«Denken Sie wirklich, ich bin wie Mick Jagger und Elvis?»
«Woher wissen Sie denn das?»
«Ich habe Sie am Radio gehört. Wir müssen uns treffen.»
«Toll», antwortete Jerry Weintraub. «Wann, wo?»
(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.07.2015, 13:17 Uhr

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