Der Erste Weltkrieg in Farbe

Peter Jackson hat Aufnahmen des Ersten Weltkriegs auf einzigartige Weise koloriert. Das Resultat ist so faszinierend wie verstörend.

Links das bearbeitete Bild, rechts das Originalmaterial für den Dokumentarfilm «They Shall Not Grow Old».

Links das bearbeitete Bild, rechts das Originalmaterial für den Dokumentarfilm «They Shall Not Grow Old». Bild: PD

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William Jackson kämpfte im Ersten Weltkrieg an der Front. Er wurde angeschossen und trug Langzeitschäden davon. Jetzt legt sein Enkel einen Dokumentarfilm über diese Urkatastrophe des 20. Jahrhundert vor; ein Werk, das man als Meilenstein des Kinos bezeichnen darf. In «They Shall Not Grow Old» zeigt «Lord of the Rings»-Regisseur Peter Jackson, was das für Menschen waren, die damals für Grossbritannien in den Krieg zogen. Schön anzusehen ist das nicht – aber gerade deshalb brennt sich der Film 100 Jahre nach dem Waffenstillstand von 1918 umso nachdrücklicher ins Gedächtnis.

«They Shall Not Grow Old» (der Titel bezieht sich auf ein Gedicht von Laurence Binyon) ist in erster Linie ein Triumph der Technik. Wie die Soldaten rekrutiert werden, sieht man in den ersten zwanzig Minuten noch in Schwarzweiss. Aber dann, als die Männer ins Feld müssen (viele von ihnen waren nicht mal 19-jährig, wie vorgeschrieben), werden die Bilder plötzlich farbig. Die Filmgeschwindigkeit wirkt natürlich, es gibt eine Soundkulisse, und aus dem Off berichten die Soldaten von ihren Erlebnissen. Zum Beispiel wie man im Schützengraben Tee kocht, ohne dem Feind verräterische Rauchzeichen zu geben. Wie man gegen Ratten, Schlamm und Kälte kämpft und trotz des Grauens das Lachen nicht ganz verlernt.

Möglich gemacht hat diese einzigartige Zeitreise Jacksons neuseeländisches Unternehmen Weta Digital, das seit der «Lord of the Rings»-Trilogie zu den renommiertesten Spezialeffekt-Firmen der Welt gehört. Aus über 600 Stunden Filmmaterial, die aus dem Archiv des Imperial War Museum in London stammen, wurde eine 90-minütige Auswahl mittels Kolorierung und Nachschärfung so aufbereitet, dass man den Schrecken des Krieges und insbesondere die Ahnungslosigkeit der jungen Männer nachvollziehen kann.

Historische Natürlichkeit

Regisseur Jackson verzichtet bewusst auf eine Einordnung der Geschehnisse. Er lässt ausschliesslich Soldaten (gesprochen von Schauspielern) erzählen, wobei deren Beobachtungen entweder aus Tagebucheinträgen stammen oder von Lippenlesern aus dem Originalmaterial dechiffriert wurden. Das Resultat: eine historische Natürlichkeit, erzeugt mit einem Maximum an Künstlichkeit.

Man sieht, wie Häuser beschossen werden, wie Pferde niedersinken, wie Leichen an Stacheldrahtzäunen kleben. Und es scheint, als sei das alles grad gestern gewesen. Oder wie es Peter Jackson sagt: «Ich wollte durch den Nebel der Zeit greifen und diese Männer in die moderne Welt ziehen.» Dass der Regisseur diesen Film als seinen persönlichsten bezeichnet, kann man gut verstehen. Er ist Grossvater William Jackson gewidmet, der an der Seite von «Lord of the Rings»-Autor J.R.R. Tolkien kämpfte, verletzt nach England zurückkehrte, heiratete und eine Familie gründete.

«They Shall Not Grow Old» ist als DVD-Import erhältlich.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.12.2018, 15:02 Uhr

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