Der Herr der Hunde

Regisseur Wes Anderson castet Yoko Ono als Tier.

Seine Geschichten handeln häufig von bedrohten Familien: US-Regisseur Wes Anderson. (Archivbild)

Seine Geschichten handeln häufig von bedrohten Familien: US-Regisseur Wes Anderson. (Archivbild) Bild: Keystone

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Ein langer, atonaler Schrei, der klingt wie von einem ausgiebig leidenden Baby: So hat Yoko Ono auf die Wahl von Donald Trump reagiert. Der wortlose Kommentar der Aktionskünstlerin ging viral, weil viele ihn für die beste Reaktion auf dieses Ereignis hielten.

Möglicherweise hat sich die 83-jährige Sängerin damit eine neue Karriere ermöglicht. Denn der amerikanische Regisseur Wes Anderson hat Yoko Ono in seinem neuen Animationsfilm als Hund gecastet. Also nicht sie, sondern ihre Stimme. Ausserdem muss sie die Ehre mit anderen Hundestimmen teilen, denn «Isle of Dogs» handelt, wie der Titel einfallsreich suggeriert, von Hunden auf einer Insel.

Yoko Onos Schrei nach der Wahl von Donald Trump. Video: qhkpc/Youtube

Obwohl sie in einem Animationsfilm nur winseln, jaulen, hecheln, keuchen und in Hundeenglisch reden dürfen, ist das Casting von Yokos Mithunden eindrücklich: Wieder dabei sind Andersons besonders geschätzte Schauspielerinnen und Schauspieler wie Bill Murray, Jeff Goldblum, Edward Norton und Tilda Swinton, dazu gesellen sich Frances McDormand, Scarlett Johansson, Greta Gerwig, F. Murray Abraham, Harvey Keitel und Bryan Cranston («Trumbo», «Breaking Bad»). Jede und jeder von ihnen hat schon in anderen Filmen zentrale Rollen gespielt. Dass sie alle bei Anderson den Hund machen wollen, sagt einiges über den Respekt aus, den Anderson als Regisseur bei Schauspielern geniesst. Er hat Rollen zu bieten wie wenige andere.

Wes Anderson kündigt seinen neuen Film «Isle of Dogs» an - mit etwas Hilfe von Edward Norton. Video: CrowdRise 221/Youtube

Wes Anderson filmt, wie Edward Hopper malte, jede Einstellung von ihm möchte man als Poster aufhängen. Man erkennt seine Filme vom ersten Moment an, weil der Amerikaner besessen ist von Symmetrie, farblicher Abstimmung, gestylter Kulisse, dem rhythmischen Spiel des Ensembles, der Exzentrik seiner Protagonisten, seiner Kombination aus Humor, Verlorenheit und Exzentrik. In einigen Filmen neigt der Regisseur zum Manierierten, was die Empathie mit seinen Figuren sinken lässt. Aber wenn die Gefühle richtig sind wie in «The Moonrise Kingdom» von 2012, fühlt man sich gleichermassen verzaubert wie ergriffen.

Andersons erster Animationsfilm, «The Fantastic Mr. Fox». Video: FoxSearchlight/Youtube

Wes Anderson, der 47-Jährige Texaner mit dem schmalen Bubengesicht, hat als Motiv für seine Filme die traumatische Scheidung seiner Eltern angegeben. Immer wieder handeln seine Geschichten von bedrohten Familien. Dass er es auch mit bedrohten Tieren kann, zeigt «The Fantastic Mr. Fox», der ihn zugleich als Könner des Animationsfilms ausweist. Dabei war es Andersons erster Versuch in diesem Genre. Yoko Ono als Hündin: Darauf kann nur einer kommen wie er.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.12.2016, 23:18 Uhr

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