Der intensive Mr. Malek

Rami Malek spielt in «Bohemian Rhapsody» den verstorbenen Queen-Sänger Freddie Mercury. Die Ähnlichkeit ist frappierend.

Wurde innert Kürze millionenfach angeklickt: Der erste Trailer zu «Bohemian Rhapsody».


Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Freddie Mercury liess sich von wenig beeindrucken, von einem schnoddrigen Punk schon gar nicht. Die Sex Pistols hatten mit ihren legendären TV-Auftritten zwar halb Grossbritannien geschockt. Doch als Pistols-Bassist Sid Vicious Freddie Mercury 1976 in einem Studio blöd kam, gab dieser pfeilschnell zurück. Mit ein paar wenigen Worten demontierte er Sids Punk-Credibility. Zumindest Mercury gab die Anekdote so wieder, in einem Interview ein paar Jahre vor seinem Tod. Ja, Freddie Mercury besass Schalk und vor allem Präsenz – auf und neben der Bühne.

Einen Schauspieler mit Kaliber braucht es, um so einen zu verkörpern. Zunächst hätte Sacha Baron Cohen Mercury im Biopic «Bohemian Rhapsody» spielen sollen. Cohen zog sich 2013 aus dem Projekt zurück, er und die übrig gebliebenen Queen-Mitglieder waren sich uneinig gewesen über die Ausrichtung des Films. Von Cohen übernahm der US-Amerikaner Rami Malek. Kürzlich wurde nun der erste Trailer zu «Bohemian Rhapsody» veröffentlicht; die Bilder zeigen: Malek ist genau die richtige Wahl. Doch wer ist Rami Malek eigentlich?

Am Anfang: «Gilmore Girls»

Malek kommt 1981 in Los Angeles zur Welt. Der Vater wanderte einst aus Ägypten in die USA aus, verdiente sein Geld als Versicherungshausierer in Kalifornien. Malek spielt bereits in der Highschool in Musicals mit, später studiert er Schauspiel an der University of Evansville im Bundesstaat Indiana. In den 2000ern ergattert er seine ersten Leinwandrollen; in der Serie «Gilmore Girls» und in der Sitcom «The War at Home». Später folgen Auftritte als Pharao in der «Night at the Museum»-Reihe und als Terrorist in der achten Staffel von «24».

2010 ist ein Vorgeschmack dessen, was noch kommen soll: Malek spielt in Tom Hanks’ und Steven Spielbergs HBO-Serie «The Pacific» Korporal Merriell «Snafu» Shelton. Einen Südstaatler, der im Zweiten Weltkrieg im Pazifikkrieg kämpft. Zwischen enigmatisch und bedrohlich gibt er den US-Marine, der Zuschauer war mesmerisiert.

Sein «Mr. Robot» brennt sich ins Gedächtnis

Fünf Jahre später brennt sich Maleks Schauspiel dann endgültig ein ins Gedächtnis von Kritikern und Publikum. In der Serie «Mr. Robot» verkörpert er Elliot Alderson, einen IT-Spezialisten und Hacker mit dissoziativer Identitätsstörung. Mehrere Preise bringt ihm die Rolle ein. Zu Recht. Malek spielt diesen verzweifelten, von Angstzuständen geplagten Mann mit einer Intensität, die ihresgleichen sucht. Mal taumelt sein Alderson cartoonhaft überdreht durch Morphin-Manien, mal erstarrt er überraschend in einer verstörenden Lethargie, mal ist er nur ein schluchzendes Häufchen Elend.

Und nun: Freddie Mercury. Für Malek dürfte die Rolle ein weiterer Karrierehöhepunkt werden. Dass er genügend Charisma besitzt, um diesen überlebensgrossen Menschen zu verkörpern, das bewies er auch abseits der Leinwand. In TV-Auftritten etwa, wie jenem bei Stephen Colbert. Dort erzählte Malek von seinem Treffen mit Roger Taylor und Brian May von Queen, in London in den ehrwürdigen Abbey Road Studios. Freddie Mercury habe von einem signierten Foto zu ihm gesprochen, scherzt Malek im Interview: «Don’t fuck this up!» Und er erzählt diese Anekdote mit einem Schalk, den Freddie Mercury selber sicherlich begeistert hätte.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.05.2018, 10:57 Uhr

Artikel zum Thema

Mr. Robot als Freddie Mercury

Das Freddie-Mercury-Biopic «Bohemian Rhapsody» startet im November. Nun ist der erste Trailer hier. Mehr...

Kommentare

Blogs

Geldblog Kudelski braucht noch Zeit für Neues

History Reloaded Der radikale Moralist

Die Welt in Bildern

Abkühlung: Der kleine Gorilla Virunga wird von seiner Mutter Nalani durch den Biopark Valencia in Spanien getragen. Virunga ist der zweite Gorilla, der im Rahmen des europäischen Artenschutzprogrammes geboren wurde. (17.August 2018)
(Bild: Manuel Bruque/EPA) Mehr...