Diesem «Tatort» stand Dürrenmatt Pate

Der Fall «Déjà-vu» des Dresdner Ermittlungsteams erinnert an den Film «Es geschah am hellichten Tag».

Opfer der Ermittlungen. Der Schwimmlehrer (Niels Bruno Schmidt) wird von der Öffentlichkeit voreilig als Pädophiler abgestempelt.

Opfer der Ermittlungen. Der Schwimmlehrer (Niels Bruno Schmidt) wird von der Öffentlichkeit voreilig als Pädophiler abgestempelt. Bild: MDR

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Die Nerven der Ermittler liegen blank. Ein neunjähriger Junge ist verschwunden und wird bald darauf tot in einer Tasche aus der Elbe geborgen. Die Untersuchungen ergeben, dass der Junge missbraucht worden ist. «Wir kriegen das Schwein», schwört Kommissariatsleiter Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) und schnauzt seine Hauptkommissarinnen Henni Sieland (Alwara Höfels) und Karin Gorniak (Karin Hanczewski) an, Tag und Nacht zu arbeiten, bis der Täter gefasst ist. Schnabel hat nämlich ein «Déjà-vu», so auch der Titel dieser Tatort-Folge, der fünften aus Dresden. Vor drei Jahren verschwand ein gleichaltriger Knabe unter ähnlichen Umständen. Doch seine Leiche wurde nie gefunden. Während die Akte als Unfall abgeschlossen wurde, glaubt Schnabel an ein Verbrechen.

Bei den früheren Fällen des Ermittler-Trios ging es mitunter betont witzig mit ironischen Anspielungen auf den Ost-West-Konflikt zu und her. Dieser «Tatort» gibt sich ernsthaft - alles andere wäre dem schwierigen Thema auch nicht gerecht geworden.

In diesem «Tatort» wird viel geweint und geflucht und nicht nur die Hinterbliebenen zerbrechen an ihrem Schicksal. Auch der Täter, seine Freundin und der wegen angeblicher Pädophilie schon einmal zur Zielscheibe einer aufgebrachten Gesellschaft gewordene Schwimmlehrer haben ihren eigenen Leidensweg. Die Tragödie erfasst alle und Kommissarin Gorniak verdächtigt schliesslich sogar ihren Liebhaber pädophiler Neigungen.

Die Drehbuchautoren Mark Monheim und Stephan Wagner haben sich offensichtlich von Friedrich Dürrenmatt inspirieren lassen. Er lieferte 1958 die Vorlage für den Film «Es geschah am hellichten Tag» mit Heinz Rühmann und Gert Fröbe in den Hauptrollen. 2001 verfilmte Hollywood den Stoff mit Sean Penn und Jack Nicholson. Auch hier jagt ein Kommissar einem Kindsmörder hinterher und auch hier weiss der Zuschauer mehr als der Ermittler.

Dubiose Rolle der Freundin

Regisseur Dustin Loose lässt uns sehr schnell erahnen, wer der krankhafte Triebtäter ist. Das macht den «Tatort» aber umso spannender, weil die Frage der Mittäterschaft immer stärker ins Zentrum gerückt wird. Wie viel weiss die Freundin des Mörders, die die Polizei auf eine falsche Spur setzt und einen Unschuldigen der Meute aussetzt? Eindrücklich sind auch die Verhaltensweisen der Eltern. Der Stiefvater des zweiten Opfers greift zur Selbstjustiz, während der Vater des ersten Opfers endlich die Wahrheit wissen will, selbst wenn sich seine Frau in die Unfall-Theorie geflüchtet hat.

«Déjà-vu» ist der beste der bisherigen «Tatort»-Folgen aus Dresden. Auch wenn Alwara Höfels ihren Ausstieg angekündigt hat, bleibt zu hoffen, das die MDR-Redaktion den neuen Kurs beibehält und auf intelligente Spannung statt Ironie setzt. (Basler Zeitung)

Erstellt: 27.01.2018, 10:26 Uhr

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