Fünf zu vier für Cate Blanchett

Zum Auftakt des Festivals von Cannes stellte sich die Jury samt ihrer Präsidentin der Presse – wobei die Frauen deutlich den Ton angaben.

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Einmal wurde die Präsidentin sogar ein wenig wütend. Ein Journalist wollte wissen, was denn heute in den Zeiten von Netflix überhaupt noch der Wert eines Kinofilms sei und richtete die Frage ausdrücklich an die Regisseure in der Jury von Cannes. «Ach so, wir Schauspielerinnen verstehen wohl nichts davon», rief darauf Cate Blanchett aufbrausend. Und hatte einen weiteren Punkt gebucht.

Die australische Oscargewinnerin ist die Chefin jener vier Frauen und vier Männer, die am Pfingstsamstag über die Vergabe der Goldenen Palme befinden werden. Im ersten Festival ohne Harvey Weinstein und mit einer #MeToo-Hotline ist das eine ideale Besetzung, behaupten viele. «Stimmt nicht», kontert Festivalboss Thierry Frémaux solche Mutmassungen, «sie ist eine ideale Präsidentin, weil sie eine grosse Persönlichkeit des Weltkinos ist.»

Nur drei Regisseurinnen im Wettbewerb?

Das zeigte sich auch in dieser Jury-Pressekonferenz. Souverän sprach sie über die brennenden Themen des Festivals. Die #MeToo-Bewegung? Werde Cannes und Hollywood verändern, aber das sei keine Frage von Wochen und Monaten, sondern von Jahren. Nur drei Regisseurinnen im Wettbewerb? Das sei besser als in den Vorjahren und diese Frauen seien hoffentlich nicht wegen ihres Geschlechtes dabei, sondern wegen der Qualität ihrer Filme. Ob es nicht mehr Frauen hinter der Kamera brauche? Selbstverständlich, aber sie sei zuversichtlich, dass dies ein Teil der Veränderungen sei.

Cate Blanchett präsidiert auf jeden Fall eine Jury mit illustren Vertreterinnen. Dazu gehört die französische Schauspielerin Léa Seydoux, die dank «La vie d’Adèle» weiss, wie es ist, eine Goldene Palme zu gewinnen. Und ihre US-Kollegin Kristen Stewart, die am letzten Festival von Cannes auch einen Kurzfilm als Regisseurin präsentiert hatte. Der Star aus der Kinoserie «Twilight» sagte: «Nicht immer sind die perfekten Filme die besten.» Und freut sich auch auf ein paar konstruktive Streitereien mit den Kolleginnen und Kollegen im Gremium.

«Attraktivität schliesst Intelligenz nicht aus»

An der Pressekonferenz hinterliessen die fünf Frauen allerdings einen besseren Eindruck als die vier Männer. Der französische Regisseur Robert Guédiguian zitierte einen uralten Mao-Spruch («Die Kunst muss einen Schritt vor dem Volk laufen, aber nur einen Schritt»). Der Russe Andrej Swjaginzew, der 2017 mit dem jetzt gerade in den Schweizer Kinos startenden «Loveless» den Jurypreis gewann, versuchte einen Witz zu erzählen, den niemand im Saal verstand. Und ganz «Lost in Translation» war der taiwanesische Schauspieler Chang Chen, dessen länglichen Ausführungen zuerst gar niemand übersetzten wollte, so dass er sie wiederholen musste.

Die Frauen waren prägnanter. Als jemand von Cate Blanchett wissen wollte, wie sie es verantworten könne, zeitgemässe Frauenanliegen zu vertreten und dann doch jeden Abend auf altväterische Art sich auf dem roten Teppich zur Schau zu stellen, antwortete sie kurz und bündig: «Attraktiv zu sein schliesst doch nicht aus, auch intelligent zu sein.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.05.2018, 17:31 Uhr

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