Politische Jeans, erschreckendes T-Shirt

Nach den Missbrauchsskandalen in Hollywood kamen zahlreiche Stars in Schwarz an die Golden Globes. Mode diente schon früher dem Protest.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nur wenige machten nicht mit. Aus Solidarität mit den Opfern von sexuellen Übergriffen trugen die Stars an den diesjährigen Golden Globes schwarz. Der amerikanisch-nepalesische Designer Prabal Gurung jubelte: Endlich zeige Mode, dass sie eben mehr könne als nur schön und glamourös sein. Dabei vergisst Gurung, dass Kleidung in der Geschichte immer wieder mehr war als ein Ausdruck von Individualität. Ein paar Momente, in denen Farben, Stoffe und Aufdrucke politisch waren:

Die drei Farben der Suffragetten
Die britische Frauenrechtlerin Emmeline Pethick-Lawrence rief ihre Mitstreiterinnen 1908 dazu auf, an einer kommenden Demonstration in einer von drei Farben teilzunehmen: Weiss als Zeichen der Reinheit, Violett als Zeichen der Würde und Grün als Zeichen der Hoffnung. Gut 30’000 Frauen folgten Pethick-Lawrences Idee, die Kundgebung wurde zu einem visuellen Spektakel. In der Folge trugen die Suffragetten regelmässig lange, weisse Röcke an ihren Demonstrationen.

Paris während der Besatzung
Subtil, aber kreativ protestierten vor allem junge Französinnen ab 1940 gegen die deutsche Besatzung. Mit selbst genähten, extravaganten Kleidern lehnten sie sich gegen die Beschlagnahmung von Textilien durch die Nazis auf. Mit Röcken in den Farben der blau-weiss-roten Trikolore zeigten sie unverhohlen ihren Patriotismus. Ebenso mit ihren selbst gebastelten Hüten, die sie mit Darstellungen von französischen Politikern, Landschaften und historischen Szenen verzierten. Nicht selten führte der modische Ungehorsam zur Verhaftung.

Im Jeans-Overall nach Washington
Über 200’000 Personen versammelten sich am 28. August 1963 in Washington D.C., um für das Ende der Rassendiskriminierung in den USA zu demonstrieren. Beim legendären Marsch auf Washington erschienen zahlreiche schwarze Bürgerrechtler in Jeans-Overalls. Die einstige Arbeitskleidung der schwarzen Sklaven war als Symbol gedacht: Wir waren damals segregiert, und wir sind es noch immer.

Im Slogan-Shirt zu Thatcher
Schon die Punks schrieben ihre Botschaften auf T-Shirts. Doch es war die britische Designerin Katharine Hamnett, welche die Slogan-T-Shirts ab 1983 gross herausbrachte, indem sie politische und ethische Botschaften auf ihre übergrossen Shirts druckte. Für Aufsehen sorgte vor allem Hamnetts Besuch 1984 in 10 Downing Street. Die Designerin hatte ein Protest-Shirt gegen die Stationierung von US-Atomwaffen in Grossbritannien in den Amtssitz der Premierministerin geschmuggelt. So stand sie dann vor Margaret Thatcher, auf dem T-Shirt den Slogan «58% Don’t Want Pershing» (58% sind gegen Pershing-Raketen). Der Legende nach soll Margaret Thatcher vor Schrecken aufgeschrien haben. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.01.2018, 15:07 Uhr

Artikel zum Thema

Stars, die auf schwarze Kleider verzichtet haben

Video Die Verleihung der Golden Globes stand dieses Jahr im Schatten von Hollywoods Missbrauchs-Skandalen. Nicht nur die #MeToo-Bewegung bekam eine Bühne. Mehr...

Selbst gelismeter Aktivismus

Für den Tag nach Trumps Amtseinsetzung ist ein grosser Protestmarsch geplant. Das Erkennungszeichen: pinkfarbene Strickmützen mit Öhrchen. Mehr...

Kommentare

Die Welt in Bildern

Dürre: Ein Teich in der Nähe der texanischen Ortschaft Commerce ist vollständig ausgetrocknet. Für die nächsten zehn Tage werden in der Region Temperaturen von mehr als 37.7 Grad erwartet. (16.Juli 2018)
(Bild: Larry W.Smith/EPA) Mehr...