Stars, die auf schwarze Kleider verzichtet haben

Die Verleihung der Golden Globes stand dieses Jahr im Schatten von Hollywoods Missbrauchs-Skandalen. Nicht nur die #MeToo-Bewegung bekam eine Bühne.

Der Protest ganz in Schwarz: Viele Stars setzen mit ihren Kleidern ein Statement. (Video: AFP/Tamedia)

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Die Verleihung der Golden Globes stand in diesem Jahr ganz im Zeichen der jüngsten Skandale um sexuelle Belästigung in der Film- und Fernsehbranche. Viele Schauspielerinnen traten am Sonntagabend (Ortszeit) in Solidarität mit den Opfern solcher Übergriffe in schwarzen Kleidern auf den Roten Teppich.

Flammende Rede: Die bekannte Talkmasterin Oprah Winfrey hofft auf eine Zukunft ohne sexuelle Belästigung. Video: Tamedia/AFP

Trotz der ernsten Botschaft verzichteten viele Stars aber nicht auf ausgefallene oder gewagte Kreationen bei ihren Kleidern. Oscar-Gewinnerin Catherine Zeta-Jones kam in einem langen Kleid mit tiefem Ausschnitt und durchsichtigem Rock.

Farbtupfer gab es auf dem roten Teppich nur sehr wenige. Die einstige GNTM-Siegerin Barbara Meier erschien etwa in einem pastellfarbenen, ausgefallenem Kleid. Schauspielerin Blanca Blanco trug ein freizügiges, rotes Kleid und auch Meher Tatna, Präsidentin der Hollywood Foreign Press Association (HFPA) bevorzugte die Farbe Rot bei der Kleiderwahl. Auf Twitter zeigen einige User wenig Verständnis dafür. «Ich glaub Blanca Blanco hat die Nachricht nicht erhalten», meint eine Userin.

«Wenn Mode wichtiger ist als Gleichheit, gut gemacht», schreibt ein weiterer Twitterer gefolgt von einem kotzenden Emoticon.

Meher Tatna, die indische Wurzeln hat, begründete ihre Kleiderwahl gegenüber der «Los Angeles Times»: «Es ist eine kulturelle Angelegenheit. Wenn du zu einer Feier gehst, trägst du kein Schwarz.» Auch habe sie das Kleid zusammen mit ihrer Mutter ausgesucht, die sehr enttäuscht gewesen wäre, hätte sie Schwarz getragen.

Auch Barbara Meier äussert zu ihrem Verzicht auf Schwarz: «Wir haben uns diese Freiheit lange erkämpft, dass wir tragen können, was wir möchten und es auch in Ordnung ist, sich sexy zu kleiden. Wenn wir das einschränken, weil sich einige Männer nicht unter Kontrolle haben, ist das in meinen Augen ein Rückschritt. Wir sollten nicht Schwarz tragen müssen, um ernstgenommen zu werden», schreibt sie unter anderem auf Instagram.

Viele Frauen werden heute im Zuge der Time‘s Up Bewegung auf dem Roten Teppich schwarz tragen. Ich finde diese Initiative im Allgemeinen super und extrem wichtig. Trotzdem habe ich mich entscheiden, heute ein buntes Kleid zu tragen. Wenn wir wollen, dass heute die Golden Globes der starken Frauen sind, die für ihre Rechte kämpfen, ist es in meinen Augen der falsche Weg, sich nicht mehr körperbetont anzuziehen und uns die Freude am Ausdruck unserer Persönlichkeit durch Mode zu nehmen. Wir haben uns diese Freiheit lange erkämpft, dass wir tragen können, was wir möchten und es auch in Ordnung ist, sich sexy zu kleiden. Wenn wir das einschränken, weil sich einige Männer nicht unter Kontrolle haben, ist das in meinen Augen ein Rückschritt. Wir sollten nicht schwarz tragen müssen, um ernstgenommen zu werden. Wir Frauen sollten strahlen, farbenfroh sein und funkeln. So wie es in unserer Natur liegt! Das symbolisiert in meinen Augen unsere Freiheit und neue Stärke. Um das aber dennoch nochmal klar zu sagen: Viele schreckliche Dinge sind passiert und dürfen sich nie wieder wiederholen! Und wir sollten das immer wieder und direkt ansprechen und aufklären! Ich freue mich auf starke und inspirierende Reden heute Abend! (c) @gettyentertainment --- A lot of women will wear black tonight to support the time‘s up movement! I think this is a great and extremely important initiative! Nevertheless I decided to wear a colorful dress tonight. If we want this to be the Golden globes of the strong women who stand up for their rights, I think, it’s the wrong way not to wear any sexy clothes anymore or let people take away our joy of showing our personality through fashion. We were fighting a long time for the freedom to wear what we want to and that it is also ok, to dress up a little more sexy. If we now restrict this, because some men can’t control themselves, this is a huge step back in my opinion. We should not have to wear black to be taken serious. US women should shine, be colorful and sparkle. Just like it is our nature. In my opinion this symbolizes our freedom and our new strength. But to make clear: A lot of bad things happened and should never happen again!!!

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«Der nicht anwesende Elefant»

Mehrere Hollywoodstars nahmen zudem Aktivistinnen mit zu der Gala. Und auch die Moderator Seth Meyers nannte den «nicht anwesenden Elefanten» im Raum gleich zu Beginn beim Namen.

Es sei das erste Mal seit drei Monaten, dass männliche Stars keine Angst haben müssten, wenn ihr Name laut vorgelesen werde, so Meyers auf der Bühne im Beverly Hilton Hotel in Los Angeles. Er begann seinen Eröffnungsmonolog mit den Worten «Guten Abend Ladies und übrig gebliebene Gentlemen!». Meyers schoss bei seiner Eröffnung auch verbal gegen einige Nominierte und US-Präsident Donald Trump – und natürlich den Filmproduzenten Harvey Weinstein.

Er wolle den «nicht anwesenden Elefanten» gleich adressieren, so Meyers. Weinstein werde bei der Gala wohl erst wieder für Aufmerksamkeit sorgen, wenn er in 20 Jahren beim Rückblick auf die Verstorbenen ausgebuht werde. Der Scherz sorgte für Lacher und ein Raunen im Publikum.

«Wir sind hier wegen Tarana»

Die Frauen, die an diesem Abend versammelt seien, seien nicht wegen des guten Essens hier, sagte Globe-Gewinnerin Frances McDormand («Three Billboards Outside Ebbing, Missouri»). «Wir sind hier wegen der Arbeit.» Als sie danach gefragt wurde, ob eine Gefahr bestehe, dass Hollywood bald wieder zur alten Ordnung zurückkehre, erklärte McDormand, es gebe keinen Rückweg. Es müsse auf die beste Art und Weise vorangehen.

US-Schauspielerin Michelle Williams, die ebenfalls in Schwarz erschien, hatte als Gast Tarana Burke, die Gründerin der #MeToo-Bewegung, dabei, die nach den Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens gegen den prominenten Produzenten Harvey Weinstein, ähnliche Fälle in Hollywood und darüber hinaus angeprangert hatte. «Wir sind hier wegen Tarana», sagte Williams dem TV-Sender E!. «Weil Tarana eine Bewegung gestartet hat.»

«Time's up»-Initiative gegründet

Mit der Unterstützung Hunderter Frauen aus der Filmbranche wurde am vergangenen Montag zudem die Initiative «Time's up» gegründet, die der Belästigung von Frauen in der Filmindustrie und im Berufsalltag ein Ende setzen will.

Diese Initiative sei eine Inspiration gewesen, die Sache noch weiter zu tragen und auf die wichtige Arbeit anderer NGOs hinzuweisen, hiess es am Sonntag in einer Erklärung der Schauspielerinnen und Aktivistinnen, die sie auf dem Roten Teppich begleiten sollen. Ziel sei es, den öffentlichen Diskurs weg von den Tätern hin zu den Opfern zu lenken.

Auch Männer in Schwarz

Meryl Streep kam mit Ai-jen Poo, der Direktorin der National Domestic Workers Alliance, die sich für die Rechte von Haushälterinen, Pflegerinnen und Kindermädchen einsetzt. Sie trage Schwarz, um Solidarität mit denen zu zeigen, die versuchen, das Macht-Ungleichgewicht, das zu sexuellen Missbrauch führe, anzuprangern, so Streep. Dagegen gemeinsam hier in Schwarz zu stehen, sei ermutigend.

Amy Poehlers Gast war Saru Jayaraman, die Präsidentin der Organisation Restaurant Opportunities Centers, die eine bessere Bezahlung für Angestellte im Gastgewerbe fordert. Emma Stone brachte die frühere Tennisspielerin und Aktivistin Billie Jean King mit, die sie in dem Film «Battle of the Sexes – Gegen jede Regel» verkörperte.

Auch einige Männer trugen ein komplett schwarzes Outfit: «Game Of Thrones»-Star Kit Harington kam im schwarzen Anzug mit schwarzem Hemd und gleichfarbiger Fliege. Alfred Molina, Nick Jonas und Bob Odenkirk taten ihm gleich. «Es ist auf eine Weise unsere Art von Solidarität», sagte Molina. Es sei jedoch nur eine kleine Geste. Dass er Schwarz trage, ändere gar nichts, so Molina. «Ich denke es ist wichtig, Frauen wissen zu lassen, dass du zuhörst und ihnen glaubst.» Schauspieler David Thewlis sagte zu der Nachrichtenagentur AFP: «Ich denke nicht, dass dies ein stiller Protest ist. Das wird die Leute dazu bringen, über das Thema zu sprechen.»

Die Golden Globes werden vom Verband der Auslandspresse in Hollywood vergeben. Die Filmpreise gelten als Stimmungsbarometer für die Oscar-Verleihung, die in diesem Jahr am 4. März stattfinden soll. (kaf/dapd)

Erstellt: 08.01.2018, 09:29 Uhr

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