Das sind die Gewinner der Filmtage

Der Hauptpreis in Solothurn geht an einen Dokfilm: «Das Leben drehen». Den Publikumspreis bekam «Lina».

Trailer: «Das Leben drehen – Wie mein Vater versuchte, das Glück festzuhalten.»


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Am Schluss liess sich die Jury des Wettbewerbs «Prix de Soleure» von einem Dokumentarfilm überzeugen, der über das Filmen selbst nachdachte. Den mit 60'000 Franken dotierten Hauptpreis gewann «Das Leben drehen» der Basler Regisseurin Eva Vitija. Ihr Abschlussfilm für die Zürcher Hochschule der Künste ist die Bewältigung eines Erinnerungsbergs aus archiviertem Bild und Ton – und der Versuch, an eine Vergangenheit heranzukommen, deren Teil die Autorin ist. Von der Besessenheit eines Vaters handelt er, des Schauspielers und Fernsehregisseurs Joschy Scheidegger, dem auch seine private Welt nur wirklich war, wenn er sie durch die Linse sah.

Der Mann filmte einfach alles, und es scheint, als habe er nur gelebt als eine Art Kontrolleur des Lebens und Inszenator eines harmonisch geschnittenen Glücks. Er vererbte seiner Familie quasi lückenlos beobachtete Jahre: Kurioses, Normales, Banales. Aber im Umgang mit dem Material entdeckte die Autorin, dass in diesem Fall von Obsession das Filmen auch Verschweigen bedeutete. Dass die Bildermassen des Vaters nämlich Tragödien verbargen und Lebenslügen verdrängten. Und nun steckt viel Schmerz des Entdeckens in «Das Leben drehen», diesem liebevollen Film mit dem zweideutigen Titel.

So entschied sich die Jury – der Regisseur Calin Peter Netzer, die Diplomatin Heidi Tagliavini und die Schauspielerin Julia Jentsch – für eine künstlerische Erinnerungsarbeit. Der Publikumspreis (20'000 Franken) geht an den Fernsehfilm «Lina» von Michael Schaerer, der sich ebenfalls an eine verschüttete Tragödie heranwagte: Ende der 60er-Jahre verliebt sich die 17-jährige Lina (Rabea Egg) in den Sohn eines Grossbürgers, bevor man sie wegen angeblicher Liederlichkeit einsperrt. In der Rahmenhandlung holpert es ziemlich, aber sobald «Lina» in die Vergangenheit springt, weitet sich ein Ausstattungsfilm über die Schweizer Tradition der fürsorgerischen Zwangsmassnahme zum Gefühlskino über den Leidensweg einer Unschuldigen. Man litt und ging mit, und am Schluss rauschte der Applaus.

«Das Leben drehen» kommt am 5. Mai ins Kino, «Lina» wird am 21. Februar um 20 Uhr auf SRF 1 ausgestrahlt. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.01.2016, 18:00 Uhr

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