Die Schule ist abgeschlossen

Daniel Radcliffe ist Stargast am Zurich Film Festival. Längst ist er mehr als nur der Zauberlehrling Harry Potter.

Eine Leiche als Allzweckmittel: Radcliffe in «Swiss Army Man».


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Vielleicht merkte die Welt erst, was sie an ihm hatte, als Daniel Radcliffe sein T-Shirt auszog. Es war ein Publicity-Foto von einer Produktion in einem Theater im Londoner West End, es zeigte Radcliffe als verstörten Tierquäler im Stück «Equus», hinter ihm ein Schimmel, vorne Radcliffe mit entblösstem Sixpack, man sah fast bis zu den Schamhaaren. Ausserdem wurde seine schauspielerische Leistung gefeiert, aber mehr noch erkannte die Welt, dass Harry Potter ziemlich ansehnlich gewachsen ist. Mit der Rolle eines Besessenen, die von ihm Nacktszenen auf der Bühne verlangte, empfahl er sich noch während der Verfilmung der «Harry Potter»-Serie für eine ernsthaftere Schauspielkarriere (und für Groupies im Teenageralter). Damals war er 17, als die Potter-Bücher abgedreht waren, war er 22. Seither hat er im Kino Allen Ginsberg gespielt, eine Art Teufel im Horrorfilm «Horns» und eine Leiche als Allzweckmittel in der Groteske «Swiss Army Man», für die man seine kreidebleiche Haut wohl kaum gross umschminken musste.

Alles absurde Filme über Obsessive, und langsam überblenden sich die ersten zwei Leben des 1989 in London als Sohn eines Literaturagenten geborenen Schauspielers: hier der Kinderstar in Hogwarts, alert, unverbraucht und gerade noch so unscharf, dass er als Projektionsfläche für so kindliche wie erwachsene Zauberträume diente. Dort der medienversierte Millenial, der bei den «Simpsons» mitmachen durfte, in den haarsträubendsten Genrefilmen Figuren des Krankhaften spielt, aber in Interviews noch immer freundlich genug ist, um über die Liebe zwischen Harry Potter und Hermine zu reden.

Fanatiker mit sexueller Perversion

Sein Vermögen wird unterdessen auf 14 Millionen Pfund geschätzt, da kann man es sich auch erlauben, eine Leiche zu spielen. Am Zurich Film Festival wird «Swiss Army Man» zu sehen sein, vor allem aber stellt Radcliffe am 30. September seinen neuen Thriller «Imperium» vor, in dem er als verdeckter FBI-Ermittler mit waschechtem Südstaatenakzent in eine White-Supremacy-Zelle eingeschleust wird und sich derart in diese Rolle-in-der-Rolle hineinsteigert, dass man abermals von einer pathologischen Psyche reden muss.

Dass Daniel Radcliffe von Hollywood heute solche Rollen bekommt, hat womöglich mit Hogwarts zu tun, wo er als Magier im Kampf gegen Voldemort in so manche Seelenabgründe hinabschaute. Mehr noch aber entwickelte sein Auftritt in «Equus» eine Strahlkraft: Er spielte einen jugendlichen Glaubensextremisten und pathologisierten Fanatiker mit sexueller Perversion, und als die Bühneninszenierung in New York gastierte, sassen Julia Roberts, Liam Neeson oder Jeff Goldblum im Publikum. Sie werden es schnell rumerzählt haben, dass es da einen bleichen Briten gibt, der unlängst die Zauberschule abgeschlossen hat und nun bereitsteht als ausgelernte Fachkraft einer bösen Intensität. Incendio! (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.08.2016, 15:03 Uhr

Hat auch schon Allan Ginsberg gemimt: Schauspieler Radcliffe. (8. September 2013)

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