Die Stars und Filme des Zurich Film Festival

In zwei Wochen beginnt das 13. Zurich Film Festival. In ernsten und grotesken Dramen wird es um Aussenseiter und zerbrechende Idyllen gehen.

Co-Direktorin Nadja Schildknecht, rechts, und Co-Direktor Karl Spoerri, links, orientierten über das Programm und Events  des 13. Zurich Film Festival. (Foto: Keystone/Walter Bieri)

Co-Direktorin Nadja Schildknecht, rechts, und Co-Direktor Karl Spoerri, links, orientierten über das Programm und Events des 13. Zurich Film Festival. (Foto: Keystone/Walter Bieri)

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Wann hat das eigentlich begonnen mit dieser etwas preziösen, auf Weltläufigkeit pochenden Schreibweise des Namens: «Zurich Film Festival»? Es ist jedenfalls so lang her, dass man sich daran gewöhnt hat, man denkt sogar, es gehöre sich so; und das ist auch ein Zeichen dafür, wie dieses Zürcher Filmfestival sich etabliert hat in 13 Jahren Hartnäckigkeit. In der Stadt sowieso, aber auch ein wenig in der grösseren, weiteren, kunst- und filmsinnigen Welt, wie angedeutet wurde an der heutigen Medienkonferenz zum Festivalprogramm.

Da empfand man es bereits als schöne Tradition, dass die Co-Direktorin Nadja Schildknecht von Konstanz, Wachstum und Mass sprach, die solide Unterstützung durch die öffentliche Hand verdankte, die stabile Treue alter Sponsoren würdigte und sich über neue Partner freute. Über 150 Partnerschaften seien dieses Jahr insgesamt zustande gekommen, «das ist einzigartig in der Schweizer Festivallandschaft».

Mehr Säle, weniger Filme

Kunst und ihr filmpoetischer Glanz gründen ja sozusagen auf einer Prosa der Zahlen: Das Budget, wiederum leicht angestiegen, beträgt 7,3 Millionen Franken (2016: 7,2 Millionen). Mit 90'000 Besuchern wird gerechnet, auch das wäre massvolles Wachstum. Mit dem Riffraff an der Zürcher Neugasse ist ein neues Festivalkino dazugekommen, 15 Säle sind es jetzt. Und da scheint nun also in jeder Beziehung genug Atemluft vorhanden für ein Angebot und die gepflegte Präsentation von 160 Filmen. Diese Zahl übrigens ist die einzige, die gegenüber dem letzten Jahr (172 Filme) leicht gesunken ist; wogegen aber auch der Wachtumsbessesenste nicht wirklich etwas haben kann.

Für die Ankündigung von Glanz und Kunst ihrerseits war – auch das: Festivaltradition – der künstlerische Leiter und ZFF-Co-Direktor Karl Spoerri zuständig. Wobei auch hier ein paar Zahlen Orientierungshilfe gaben: In drei Wettbewerben (Internationaler Spielfilm, Internationaler Dokumentarfilm, Fokus: Schweiz, Deutschland, Österreich), wie immer dotiert mit Preisgeldern von insgesamt 70'000 Franken, konkurrieren 38 Filme, darunter 6 Schweizer Produktionen (keine allerdings im internationalen Wettbewerb und nur eine unter den Dokumentarfilmen).

Man hat dann allerdings auch immer gern ein künstlerisches Label, unter dem so eine Konkurrenz sich inhaltlich resümieren liesse. Man werde, fasste Karl Spoerri zusammen, vor allem in den Spielfilmen die Häufigkeit «dysfunktionaler Familien» nicht übersehen können, nicht die vielen «Aussenseiter», die sich durch ihre Geschichten kämpfen, auch nicht die «zerbrechenden Idyllen» und das Erlebnis von «schmerzlichem Verlust» in ernsten und grotesken Dramen. Dies neben den ohnehin beständigen Werten einer rechten ZFF-Auswahl: der originellen filmischen Identität und dem erkenntnisschaffenden «Blick hinter die Schlagzeilen».

Weltpremiere des Polit-Films «Shock and Awe»

Dazu die grossen oder doch grösseren Namen, «ohne die das ZFF nicht das ZFF wäre» (Spoerri): Die amerikanische Schauspielerin Glenn Close («Fatal Attraction») wird kommen und wird – am ersten Festival-Wochenende eines «starken ZFF-Jahrs der Frauen», wie Nadja Schildknecht sagte – den «Golden Icon Award» und die Ehre einer Film-Retrospektive akzeptieren. Der Regisseur und Produzent Rob Reiner, der hier seinen Polit-Film «Shock and Awe» als Weltpremiere zeigen wird, empfängt den «A Tribute to ... Award». Und beide werden dann auch Gast bei einem der publikumsfreundlichen «ZFF Masters» sein – so wie später die Schauspielerin und Produzentin Alicia Vikander («The Danish Girl») oder der Schauspieler Andy Serkis, der unvergesslich verschleimte Gollum in «The Lord of the Rings».

Ausserdem geht ein «Career Achievement Award» an den Drehbuchautor Aaron Sorkin, ders jetzt auch im Regiefach versucht hat («Molly’s Game»). Die Schauspieler Jake Gyllenhaal und Andrew Garfield («The Amazing Spider-Man») erhalten ferner zwei «Golden Eyes», und kurzum: Man kann sich nicht beklagen, die Praxis der Glanzerzeugung verstehen sie am ZFF seit Jahren ziemlich gut.

«Borg/McEnroe» eröffnen den Reigen der Filme

Das Zurich Film Festival dauert vom 28. September bis zum 8. Oktober. Bundespräsidentin Doris Leuthard wird die Eröffnungsrede halten, den Reigen der Filme wird die schwedische Produktion «Borg/McEnroe» eröffnen, da gehts dann um Tennis der Extraklasse.

Und bei dieser Ankündigung brach aus dem nicht zum Überborden neigenden Direktor Karl Spoerri der offenbar begeisterte und scheints gar nicht so schlechte Tennisspieler. Er nannte das 13. Jahr des ZFF «mein Glücksjahr». (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.09.2017, 16:20 Uhr

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