Ehemalige Sci-Fi-Szenarien im Faktencheck

Welche Science-Fiction-Filme sich unser Zeitalter richtig vorstellten – und welche danebenlagen.

Der Original-«Blade Runner»-Film (Trailer).


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Keine fliegenden Autos, keine Weltraum-Kolonien, keine Replikanten: Der Original-«Blade Runner»-Film, der sich das Leben im Jahr 2019 vorstellte, lag ziemlich daneben. Dabei ist er nicht einmal besonders alt, gedreht wurde er 1982.

«Blade Runner» ist nicht der einzige Science-Fiction-Film mit miserabler Zukunftsprognose. Unsere Gegenwart mindestens so vergeigt hat auch «Roller Ball» (1975): 2018 sind die Nationen der Welt durch ein Konglomerat globaler Konzerne ersetzt worden, die jeweils auf ein einzelnes «Produkt» spezialisiert sind: Energie, Transport, Nahrung. Individualismus und Selbstbestimmtheit treten zugunsten der von den Konzernen garantierten Sicherheit und Luxus in den Hintergrund. Ein zentrales Mittel, die Massen ruhig und bei Laune zu halten, ist der brutale Sport Rollerball.

Klar, solche Dystopien spitzen gegenwärtige Missstände mit weltverbesserischer Absicht zu. Dennoch fällt auf, dass einige Szenarien von damals komplett an Glaubwürdigkeit und Relevanz verloren haben – oder das Tempo des technologischen Fortschritts überschätzt haben. Letzteres gilt vor allem für Science-Fiction-Filme, die im Weltraum spielen. «Moon Zero Two» (1969) handelt von einer Kolonie auf dem Mond und «Mission to Mars» (2000) von einem bemannten Flug auf den Roten Planeten. Beide Filme spielen im Jahr 2020.

Auch die Übermacht der Technik und der Medien bzw. das Spannungsfeld zwischen Freiheit und Kontrolle ist ein beliebtes Thema von Science-Fiction-Filmen. Zum Beispiel in «Running Man». Im Jahr 2019 wird Amerika da von einem totalitären Regime beherrscht, die Menschenrechte sind längst abgeschafft. Die Macht des Fernsehens ist stärker denn je und das bei den Massen beliebteste Programm ist die Running Man-Show – ein tödliches Katz- und Mausspiel. Nun, eingedenk Trump und Trash-Shows ist dieses Szenario vielleicht gar nicht so weit hergeholt. Noch düsterer ist der Ausblick in «Children of Men»; 2027 ist die Menschheit laut dem Plot dieses Films unfruchtbar und stirbt aus.

Eingetroffene Science-Fiction

Bis dahin sind es noch zehn Jahre – das Szenario könnte noch eintreten, wer weiss? Das bringt einen auf jene Science-Fiction-Filme, die unsere Epoche und ihre Problematiken korrekt oder mehrheitlich korrekt gezeichnet haben. Zum Beispiel «Gattaca» (1995), ein Film, in dem «futuristische» Gentechnologie es möglich macht, dass nur noch gesunde Superbabys zur Welt kommen. Vom gleichen Regisseur, Andrew Niccol, stammt der Film «The Truman Show», der die Auswüchse des Reality-TV weitgehend vorwegnahm.

In «Johnny Mnemonic» aus dem Jahr 1995 wird die Gesellschaft im Jahr 2021 beschrieben: Datennetze umspannen die Kontinente, anarchistische Untergrund-Hacker bekämpfen unerbittlich High-Tech-Megakonzerne, die ihre Macht durchsetzen wollen. Facebook und Google lassen grüssen! Der erste Cyber-Thriller war allerdings «The Net» (1994); Sandra Bullock wurde online ihre Identität gestohlen. Und «Videodrome» von David Cronenberg dachte bereits 1983 moderne Medien-Technologien und -Missbräuche weiter: Es geht um einen TV-Sender, der auf wechselnden Frequenzen gewaltpornografische Filme ausstrahlt.

Auch von medialer Verrohung handelt «The Network» (1976): Als journalistischer Erfolg nur noch durch hohe Quoten definiert wird, will sich ein TV-Moderator vor laufender Kamera umbringen. In «Soylent Green» (1973) wiederum schreibt man das Jahr 2022. In New York leben 40 Millionen Menschen. Es mangelt an Wasser, Nahrung und Wohnraum. Lediglich einige Politiker und reiche Bürger können sich sauberes Wasser und natürliche Lebensmittel zu horrenden Preisen leisten. Auf New York bezogen, stimmt das Szenario zwar nicht. Doch Ressourcenmangel und Überbevölkerung sind heute problematischer denn je.

Zu guter Letzt kann auch «Blade Runner» noch positiv erwähnt werden: Immerhin hat der Film mit dem TV-Telefon Technologien wie Skype oder Facetime vorausgesehen.

Fallen Ihnen weitere Beispiele für hanebüchene oder realistische Science-Fiction ein? Bitte unten in der Kommentarspalte mitdiskutieren.

(phz)

Erstellt: 04.10.2017, 16:13 Uhr

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