Es war ein Donner

Bud Spencer ist mit 86 Jahren gestorben. Der italienische Schauspieler spielte den freundlichsten aller Prügler.

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Alle Kinder und noch mehr jene, die Kinder geblieben sind, verdanken ihm eine ganze Welt: die Welt des beherzten Dreinhauens, der lustigen Sachschäden und der klamaukigen Liebenswürdigkeit. Er war der Held so mancher Kindheit, wann auch immer diese Kindheit war, und jetzt ist Bud Spencer mit 86 Jahren gestorben. Und wie heisst es in «Bomber»: «Das war nicht nur ein Schrei, das war ein Donner.»

Wenn er in seinen Filmen prügelte, als der «Bomber» oder der «Bulldozer», dann haute er zwei Unglückliche mit seinen Pranken nieder oder verteilte eine Doppelwatsche , dass es aussah wie in einer Clownnummer und klang, als sei im Estrich die Oma umgefallen. In der Erinnerung dauerten die Prügeleien in seinen Filmen immer endlos, die Opfer segelten jedes Mal durch Fensterglas, und die Choreografien hatten die Eleganz einer Comic-Doppelseite.

Sonst gab er den athletischen Grobian und den Clown, der wusste, dass er einen Clown spielte, was ihn umso komischer machte.

Spätabends lief immer ein Film mit Bud Spencer im Fernsehen. Man ahnte ihn beim Zappen schon kommen, und da war er dann tatsächlich wieder und brummte, haute und verzog kaum das Gesicht. Manchmal verengten sich seine Augen zu Schlitzen, dann sprach er Sätze, die von Herzen kamen. Sonst gab er den athletischen Grobian und den Clown, der wusste, dass er einen Clown spielte, was ihn umso komischer machte. Als kreativer Schläger konnte man ihn sich auch gut als Cartoonfigur in den Looney Tunes vorstellen. Und wenn man jetzt so wehmütig zurückdenkt an die Keilereien, wie sie dumpf aus der Fernsehstube drangen, und an die blöden deutsch synchronisierten Sprüche, die sich mit dem Traum auf dem Sofa vermischten, dann weiss man: Man war eigentlich immer kindisch genug, um Bud Spencer lustig zu finden.

Mit «Vier Fäuste für ein Halleluja» ging die Karriere los. (Video: Youtube/Bud Spencer und Terence Hill)

Bud Spencer war die grobe Sanftmut an der Seite des Schönlings Terence Hill, der bürgerlich Mario Girotti heisst. Sie spielten die zwei Haudegen in unzähligen Westernsatiren und Spaghettiwestern der 70er- und 80er-Jahre, die so unvergessliche Titel wie «Die rechte und die linke Hand des Teufels» (1970) oder «Vier Fäuste für ein Halleluja» (1971) trugen. (Im italienischen Original hiessen sie natürlich anders, aber hat man im deutschsprachigen Raum je einmal Bud Spencer im Original gesehen?).

 Jeder bekam von ihm, was er verdiente, und ehrlich gesagt mochte man ihn lieber als diesen glatten Terence Hill.

Die Filme waren sehr erfolgreich, wer Bud Spencer sagte, sagte Terence Hill, und die Kinder auf den Pausenhöfen spielten die Schlägereien nach. Ein Charakterdarsteller war Bud Spencer nicht unbedingt, aber er hatte diese freundliche Art beim Dreinschlagen. Jeder bekam von ihm, was er verdiente, und ehrlich gesagt mochte man ihn lieber als diesen glatten Terence Hill. Der stammte aus Venedig, Bud Spencer aber wurde am 31. Oktober 1929 in Neapel geboren. Sein richtiger Name war Carlo Pedersoli, und als Kind stellte man ihn sich armen Rabauken in engen italienischen Gassen vor.

Die Wahrheit ist: Carlo Pedersoli kam aus grossbürgerlichem Elternhaus; der Vater, ein Industrieller, hatte einen amerikanischen Wagen mit Chauffeur. Man fuhr in den Urlaub auf der sorrentinischen Halbinsel, wo Carlo schwimmen lernte. Später kam er in den Schwimmclub, schrieb sich mit 16 Jahren für ein Chemiestudium ein und wurde mehrfacher italienischer Schwimmmeister (er war da noch schlank).

Seinen eigenen Erfolg sah er mit Erstaunen, und er schaute nicht hinab auf die Regisseure, die mehr Kunst und weniger Publikum machten.

Später studierte er Jura, zog für eine Weile nach Südamerika und mischte auch sonst einiges zusammen: Das Blut seiner Familie sei brescianisch und neapolitanisch, schrieb er in seiner Autobiografie «Mein Leben, meine Filme». Deshalb kämen ihm auch die Streitereien zwischen Norden und Süden bedeutungslos vor; deshalb glaube er so unerschütterlich an den «italienischen Durchschnittsbürger».

Trailer zu «Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle». (Video: Youtube/Bud Spencer und Terence Hill)

Als Star von Prügelkomödie und Filmbusiness, in das er hineingestolpert war, weil er Geld brauchte, und weniger, weil er eine Schauspielschule besucht hätte, blieb er dann ein liebenswürdiges Vorbild für alle Durchschnittsbürger: Bud Spencer – der Künstlername war laut Angaben in seiner Autobiografie zusammengesetzt aus Spencer Tracy, dem Namen seines Lieblingsschauspielers, und «bud», dem englischen Wort für «Knospe» – war nur eine der vielen Erfindungen des Carlo Pedersoli. Eine andere war ein Jagdgewehr mit mehreren Läufen, und sonst komponierte er auch Schlager und gründete eine Fluggesellschaft. Er blieb dabei, zuletzt auch bei Facebook, umgänglich und ausnehmend normal.

Am Montag ist Carlo Pedersoli gestorben. Sein letztes Wort soll «Danke» gewesen sein.

Und er bleibt in Erinnerung als Bud Spencer. Als Komödienschauspieler lernte er von Grossen wie Oliver Hardy und nahm die Aufgabe des Nichternsts sehr ernst. Seinen eigenen Erfolg sah er mit Erstaunen, und er schaute nicht hinab auf die Regisseure, die mehr Kunst und weniger Publikum machten. Die Fernsehsender sendeten die Italowestern mit Terence Hill und Bud Spencer wieder und wieder, in den 80ern, den 90ern, bis heute. Neue Kinder sehen jetzt «Zwei wie Pech und Schwefel» und sind noch kindisch genug dafür. Am Montag ist Carlo Pedersoli gestorben. Sein letztes Wort soll «Danke» gewesen sein. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.06.2016, 09:24 Uhr

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