Nur Frauen – geht das gut?

Neuverfilmungen mit Geschlechtertausch: Man nimmt erfolgreiche Originale, belässt den Plot beim Alten und ersetzt Hauptdarsteller mit Hauptdarstellerinnen.

Die Kultkomödie «Ghostbusters» schrumpfte im Remake zur grotesken Blödelei – und floppte trotz Kristen Wiig und Melissa McCarthy als Geisterjägerinnen.

Die Kultkomödie «Ghostbusters» schrumpfte im Remake zur grotesken Blödelei – und floppte trotz Kristen Wiig und Melissa McCarthy als Geisterjägerinnen.

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Mit Leidenschaft verfolgt Hollywood derzeit sein Bestreben, die Diversität zu fördern bei der Filmbesetzung. Einerseits möchte man mit dem Aufsprengen der männlichen Dominanz bei Hauptrollen das globale Kinopublikum besser repräsentieren, andererseits Schauspielern aus Minderheitengruppen zu mehr Rollen verhelfen. Grundsätzlich ist daran nichts auszusetzen; Studios und Produzenten dürfen selbstverständlich mit ihren finanziellen Mitteln jene Filme schaffen und mit jenen Schauspielern besetzen, von denen sie sich Erfolg versprechen.

Zu den Diversitäts-Aktionen zählen Neuverfilmungen mit Geschlechtertausch: Man nimmt erfolgreiche Originale, belässt den Plot beim Alten – und ersetzt Hauptdarsteller mit Hauptdarstellerinnen. In der Annahme, (versierte) Komödiantinnen könnte ohne Weiteres in die Rollen von Bill Murray und Dan Aykroyd schlüpfen, ohne dass der Film an Originalität oder Humor einbüsst, vereinnahmte man letztes Jahr «Ghostbusters» (1984). Die Kultkomödie schrumpfte im Remake zur grotesken Blödelei – und floppte trotz Kristen Wiig und Melissa McCarthy als Geisterjägerinnen. Als «Ocean’s Ocho» kommt nächstes Jahr das weibliche Spin-off von «Ocean’s Eleven» (2001) mit Sandra Bullock und Cate Blanchett ins Kino. Für eine Neugeburt aus Frauenperspektive muss nun auch der Klassiker «Herr der Fliegen» (1990) herhalten: Statt der Buben stranden Mädchen auf einer einsamen Insel.

«Wir möchten eine getreue, aber zeitgenössische Adaption des Buches kreieren», erklärten die Filmemacher David Siegel und Scott McGehee vergangene Woche. «Es ist eine zeitlose Geschichte, die besonders heute relevant ist, […] mit dem Mobbing und der Idee, dass Kinder eine Gesellschaft formen und das Verhalten nachmachen, das sie bei Erwachsenen sahen, bevor sie von der Aussenwelt abgeschnitten wurden.»

Statt einfach Klassiker zu adaptieren zwecks Gendertausch, warum nicht neue Geschichten kreieren?

Das kann durchaus Stoff darstellen für einen packenden Film – sechs- bis zwölfjährige Mädchen, die abgeschnitten von Zivilisation und dem Einfluss von Erwachsenen ums Überleben kämpfen. Nur: Mit William Goldings «Lord of the Flies» hat das Konzept so natürlich wenig zu tun. Im Original ging es nicht darum, «das Verhalten von Erwachsenen nachzumachen»; im Zentrum steht das Gruppenverhalten und die aufkeimende Gewaltbereitschaft unter männlichen Teenagern in einer Extremsituation, das Recht des Stärkeren, das in der Aufteilung in zwei Teams, in deren gegenseitiger Bekämpfung und schliesslich im Töten seinen Gipfel findet.

Mädchen und Buben sind aber nicht gleich. Mädchen mobben zwar auch, aber sie sind im Teeniealter nicht so gewalttätig wie Jungs, ihr Einfühlungsvermögen ist stärker ausgeprägt, sie suchen eher Harmonie statt Konfrontation. Wenn man also die Rollen der Jungs einfach von Mädchen spielen lässt, ist es nicht nur ein anderer Ausgangspunkt, es entstünde auch eine ziemlich verzerrte Wiedergabe von menschlichem Verhalten.

Women only – wenn das Publikum es wünscht, geht das gut. Hollywoods Repertoire an begnadeten Schauspierinnen ist riesig, Frauen meistern ernste Rollen, lustige auch – man denke an die bezaubernde Doris Day. Aber statt einfach Klassiker zu adaptieren zwecks Gendertausch, warum nicht neue Geschichten kreieren? Neue Drehbücher schreiben?

Übrigens, es wurden schon Rufe laut nach einem weiblichen James Bond. Das halte ich dann wirklich für die dämlichste aller Ideen. Jane Bond, ja, genau. Und dann beim rückwärts Einparken den Aston Martin zerkratzen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 07.09.2017, 13:34 Uhr

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