Genervte Uma Thurman in Zürich

Diese Hollywood-Diva sollte man nicht über Gebühr wütend machen.

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«Wer kommt, Hugh Grant?» Die Schaulustigen am Filmfestival-Teppich vor dem Kino Corso in Zürich waren wie immer schlecht informiert. Einer googelte «Uma Thurman»: «‹Pulp Fiction›... Und ‹Kill Bill›!» Eine Teenagerin, die nach dem «Pulp Fiction»-Wendejahr 1994 zur Welt gekommen war, guckte kurz hin und meinte: «Also wenn ichs nöd känn...» Ein anderer hätte vielleicht ein Autogramm gefragt, doch in der Hand hatte er einzig ein Bürli und eine Papierserviette. Was soll man machen?

Man guckt eben, weil alle gucken. Uma Thurman! Schauspielerin aus den USA, gelber Racheengel und blondes Badass im fernöstlichen Martials-Arts-Land der beiden Teile von Quentin Tarantinos «Kill Bill». Ikonisch fläzendes und rauchendes Postergirl von Quentin Tarantinos «Pulp Fiction», einige Rollen in anderen Filmen – etwa in «Gattaca» neben Ethan Hawke, mit dem sie einige Jahre verheiratet war.

Am Zurich Film Festival kam die 46-Jährige in einem hemdsärmeligen Teil der Welt an, unbeachtet des Glitzergetues. Die Trams fuhren bald weiter, das Mediengedränge war eher bäuerisch. Auf dem Teppich wirkte Uma Thurman bald genervt und machte stolz den geraden Rücken und gepuderte Miene zum öden Spiel – auf dass es bald vorbei sei. Später, auf dem Weg zu einem Sponsorenanlass, der nicht Abendessen hiess, sondern Seated Dinner, wurde sie von der Security fast übersehen, so versteckt hinter zwei sich kreuzenden Trams. Aber einen Seiteneingang, durch den man berühmte Leute lotsen kann, hat man in der Weltgeschichte immer gefunden. Sie verschwand, ninja-style.

Dann zog sie ihr No-Bullshit-Gesicht

Man ahnt einfach, dass man eine Uma Thurman nicht über Gebühr wütend machen sollte. Es droht wohl kein Blutbad wie am Ende von «Kill Bill Vol. 1». Aber ein Blick, der tötet, das schon. Am Nachmittag feuerte sie ihn ab, als der Moderator beim Publikumsgespräch nach dem ersten Teil von «Kill Bill» die überraschungsfreisten Fragen zu Tarantino stellte. Sie zog ein ungeduldiges No-Bullshit-Gesicht, sie ist ja auch Mutter einer kleinen Tochter und will nach der Arbeit wie alle nach Hause und überhaupt, bitte machen Sie vorwärts und geben Sie sich Mühe.

Denn wenn Uma Thurman erzählt, wenn sie ins Reden kommt, dann mit Humor und Geist. Nach dem Film im Kino Arena redete sie über den Genrefilm, Horror und Rachefilme, den Tarantino ihr erklärte («Ich hatte ja keine Ahnung»). Sie erläuterte ihren Prozess der Drehbuchauswahl («Ich kann lesen»); sie erinnerte an die weiblichen Filmstars zur Zeit des goldenen Hollywood: Marlene Dietrich, Bette Davis, Frauen mit Macht, harte Frauen: «prächtige Raubvögel». Vor allem Frauen hätten sich nach «Kill Bill» bei ihr gemeldet, sie hätten sich stärker gefühlt dank der blutroten Rachetour von The Bride und ihrem Hattori-Hanzo-Schwert.

Auch Uma Thurman war ein Greifvogel auf Zwischenlandung, prächtig und schnell wieder weg. Sie würde ja vieles gern machen, wenn sie dazu käme, sagte die Schauspielerin im Kino – als Ehrengast eines Festivalsponsors, der zwar Uhren herstellt, aber nicht die Zeit selbst.

«If only we could make time», sagte sie. If only.

Hollywood zu Gast in Zürich

Nebst Uma Thurman waren Joseph Gordon-Levitt, Shailene Woodley und Oliver Stone zu Gast. Die Interviews im Video. (Video: Lea Blum und Vanessa Simon) (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.09.2016, 21:33 Uhr

Roaux und Huber erhalten ZFF-Förderpreis

Die Filmemacher Germinal Roaux aus Lausanne und Sophie Huber aus Bern haben beim Zurich Film Festival (ZFF) einen Förderpreis erhalten. Rouax wird mit 75'000 Franken für ein Spielfilmprojekt unterstützt. Huber erhält 25'000 Franken für einen Dokumentarfilm.

Überreicht wurde der sogenannte Filmmaker Award am Samstagabend von US-Schauspielerin Uma Thurman, die am Festival zu Gast war. Der Preis des «Vereins zur Filmförderung in der Schweiz» unterstützt Schweizer Filmprojekte im Stadium der Produktion oder Postproduktion, wie die Festivalorganisatoren mitteilten.

Roaux' Spielfilm «Fortuna» handelt von einem 14-jährigen Mädchen aus der Grenzregion zwischen Äthiopien und Eritrea, das im Kloster Simplon bei einer katholischen Gemeinschaft lebt, bis über seine Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz entschieden wird. Huber porträtiert in «Das Blue Note Projekt» das gleichnamige US-Jazzlabel.

Über die Vergabe des Förderpreises entschied eine dreiköpfige Jury mit Hollywood-Regisseur Marc Forster, IWC-Konzernchef Georges Kern und ZFF-Co-Direktor Karl Spoerri. Roaux und Huber setzten sich unter fünf Finalisten durch. Der Filmmaker Award wurde zum zweiten Mal vergeben. (sda)

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