Klassiker der Woche: Die Kazoo-Fuge

Johann Sebastian Bachs Musik ist unzerstörbar – oder zumindest fast.

Vier Kazoos, eine Fuge: Die Chans spielen Bach. (Youtube/BenChanViolin)

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Mangelnden Einsatz kann man den Geschwistern Chan wirklich nicht vorwerfen: Sie müssen lange geübt haben, bis sie sich mit ihren vier Kazoos und Bachs Fuge Nr. 7 aus dem zweiten Band des «Wohltemperierten Klaviers» aufs Sofa und vor die Kamera gesetzt haben. Dass sie im Laufe des Stücks immer wieder aus dem Gleis geraten, erstaunt kaum: Bachs Musik ist nun einmal heikel, und die vokale Interpretation eines Tastenstücks erst recht.

Eine Frage bleibt dennoch: Warum nur will man eine Bach-Fuge auf vier Kazoos aufführen? Das Instrument hat zwar durchaus eine lange Tradition, vielleicht existierte es sogar schon zu Bachs Zeiten – allerdings in Afrika, wo die ersten Vorformen wohl erfunden wurden. Nach Europa kam es mit dem Jazz, in den 1920ern wurden gar ganze Kazoo-Orchester gegründet. Auch heute noch kann man die Metall- oder Plastiktröten mit eingebauter Membran für wenige Franken in jedem Musikgeschäft kaufen.

Allerdings wird das Kazoo kaum als Instrument verstanden – eher als musikalischer Scherzartikel oder Effektlieferant. Hört man den Chans zu, weiss man, warum: Schon nach wenigen Sekunden hat man genug von diesem quäkenden, scheppernden Klang. Selbst was gesungen noch einigermassen goutierbar wäre, beginnt mit der Verzerrung durch die Membran zu nerven.

Aber vielleicht braucht es genau so etwas, um wieder einmal vorzuführen, wie resistent Bachs Musik ist. Nicht einmal mit vier Kazoos lässt sie sich zerstören; da bleibt immer noch ein Rest von musikalischer Würde und von struktureller Klarheit.

PS: Ben Chan, der das Video veröffentlicht hat und als Zweiter von rechts auf dem Sofa sitzt, spielt übrigens normalerweise Violine – und versorgt seine Youtube-Fans auch auf diesem Instrument gern mit Tipps für ungewöhnliche Klänge.

PPS: Ein Kommentator hat zum Kazoo-Video eine beunruhigende Frage gestellt: Wie es wohl an Weihnachten klingt bei den Chans? (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.05.2017, 09:09 Uhr

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