Das Kunstmärchen von Basel

Wie Basel 1967 zwei Picassos für das Kunstmuseum kaufte und fünf weitere Bilder geschenkt erhielt.

Diese Picassos wurden 1967 von der Stadt Basel angekauft. «Les deux frères» (1906) und «Arlequin assis» (1923).

Diese Picassos wurden 1967 von der Stadt Basel angekauft. «Les deux frères» (1906) und «Arlequin assis» (1923). Bild: © Succession Picasso/2013, Pro Litteris, Zürich

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Es begann mit einer Flugzeugkata­s­trophe: Am 20. April 1967 stürzte in Nikosia eine Maschine der Basler Charterfluggesellschaft Globe Air ab. Das Flugzeug war unterwegs von Mumbai nach Kairo. Wegen schlechten Wetters am Ziel entschieden die Piloten, auf dem Flughafen in Zypern zu landen. Aber auch in Nikosia war das Wetter schlecht. Beim zweiten Landeanflug stürzte das Flugzeug ab. 123 Passagiere und drei Besatzungs­mitglieder starben. Unter den Opfern befanden sich 30 Schweizer. Drei Passagiere und eine Flugbegleiterin über­lebten.

Hauptaktionär der Fluggesellschaft Globe Air war der Basler Peter G. Staechelin (1922–1977), der eine grosse Kunstsammlung geerbt hatte. Staechelin hat die Firma 1957 gegründet. Die Globe Air war neben der Balair die zweite Basler Fluggesellschaft, die sich im Chartergeschäft betätigte. Die Gesellschaft besass neun Flugzeuge. Da sie relativ schwach kapitalisiert war, wurden 1964 die Aktien der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und an der Börse gehandelt. Die Kleinaktionäre, von denen viele in Basel lebten, erhielten als Entschädigung für ihr Engagement ­Vergünstigungen bei Flugreisen.

Der tragische Absturz 1967 liess das Vertrauen in die Globe Air rapide schwinden. Der finanzielle Schaden war zwar durch die Versicherung weitgehend abgedeckt, doch diese zahlte nicht sofort. Und die deutschen Behörden verhängten ein Einflugverbot, was besonders schwerwiegend war, weil ein Grossteil der Passagiere aus Deutschland stammte. Just in dieser Zeit wurde auch der Direktor der Globe Air festgenommen, weil sich herausstellte, dass die finanzielle Lage noch schlimmer war als vermutet. Also wurde im Oktober 1967 der Konkurs eröffnet.

Rückgriff auf Kunstsammlung

Neunzig Angestellte wurden ent­lassen. Es stellte sich heraus, dass die Bilanzen beschönigt waren. Am Schluss wurden Forderung von gegen 44 Mil­lionen Schweizer Franken gestellt. Da der Hauptaktionär Peter G. Staechelin noch wesentliche Barmittel einschoss, konnte wenigstens eine Konkursdividende von elf Prozent ausbezahlt werden. Für viele Aktionäre entstanden aber schmerzhafte Verluste.

Peter G. Staechelin griff auf das ­Familienvermögen zurück, um seinen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Dieses Vermögen war zum Teil in einer grossen Kunstsammlung gebunden, die der 1946 verstorbene Rudolf Staechelin (1881–1946) erworben hatte. Die Kunstwerke befanden sich in einer Familienstiftung, die 1931 gegründet wurde. Der Grossteil der Sammlung schmückte einst die ­Wohnräume am Mühlenberg 7 in der St.-Alban­-Vorstadt und im Schloss Ebenrain in Sissach, das Rudolf 1930 erwarb – 1951 wurde es von dessen Sohn an den Kanton Baselland verkauft. ­Später hingen sie in der Villa der Familie im Gellert. Die wertvollsten Werke der staechelinschen Familienstiftung hingen aber seit den Fünfzigerjahren im Kunstmuseum Basel als Leihgaben.

Der Reichtum der Familie Staechelin, der die formidable Kunstsammlung erst möglich machte, ging auf Rudolfs Vater Gregor Staechelin (1851–1929)zurück, der 1872 aus dem badischen Istein nach Basel zog und als Maurermeister, Bauunternehmer und Liegenschaftsbesitzer vom Bauboom der Industriestadt Basel in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts profitierte. Sein 1881 geborener Sohn Rudolf wurde ebenfalls ein erfolgreicher Unternehmer, der sich in der Liegenschaftsverwaltung und der Finanzierungsgesellschaft der Familie engagierte und in den Ausbau eines Elektrizitätswerks im Wallis investierte, das dann in den Besitz der Lonza überging. Rudolf Staechelin amtete zwei Jahrzehnte als Vizepräsident des Verwaltungsrates der Lonza. Und er war es, der 1914 damit begann, Bilder zu kaufen.

Leihgaben im Kunstmuseum

Rudolf Staechelin sammelte mit höchstem Qualitätsbewusstsein. Er betätigte sich aktiv auch in der Kunstkommission des Kunstmuseums Basel und war ein gefragter Gesprächspartner, wenn es um den Ankauf von Bildern ging. Seine Bilder zog er immer wieder als Vergleich heran, wenn es um die Beurteilung von Werken ging, die das Kunstmuseum ankaufen wollte. Kein Wunder, dass die Prunkstücke seiner Sammlung auch Begehrlichkeiten seitens des Kunstmuseums weckten, das unter der Ägide des legendären Direktors Georg Schmidt (1896–1965) nach Rudolfs Tod dann auch Leihgabe um Leihgabe aus der hochgeschätzten Sammlung erhielt. Böse Zungen bezeichneten ihn der Erbschleicherei.

Ein Jahr nach Staechelins Tod, 1947, sprach Schmidt bei Staechelins Witwe vor. «Schon nach zwei Stunden kam ich», schrieb Schmidt anlässlich der Gedächtnisausstellung für den Sammler Rudolf Staechelin im Jahre 1956, «statt nur mit dem einen erhofften Cézanne, darüber hinaus mit einem Sisley, zwei Gauguins, drei van Goghs und zwei Picassos ins Museum zurück – darunter den sechs Glanzstücken der ganzen Sammlung: der ‹Bretonischen Landschaft› und ‹Nafea› von Gauguin, der ‹Berceuse› und dem ‹Jardin d’Aubigny› von van Gogh, den ‹Deux frères› und dem ‹Arlequin assis› von Picasso! (...) So konnten wir mit einem Schlage in einem der grossen Ecksäle einen ‹Franzosensaal› von wahrhaft internationalem Range einrichten. Im Jahre darauf durfte ich (...) einen weiteren Cézanne und einen Pissarro aussuchen. Im Jahre 1952 aber, zwei Jahre nach dem Tode von Frau Staechelin, geschah das zweite Wunder. Noch einmal durfte ich mich, jetzt beim Sohne des Sammlers, Herrn Peter Staechelin, um ein paar Bilder bewerben. Diesmal kamen hinzu: ein Corot, ein Daumier, ein ­Manet, drei Monets, zwei Pissarros, ein Degas, zwei Renoirs, ein Cézanne.»

Sturm der Entrüstung

Für Peter Staechelin waren die Bilder der Familienstiftung das probate Mittel, um sich aus seiner finanziellen Notlage, die durch den Konkurs der Globe Air entstanden war, zu befreien. Anders als Immobilien oder Finanzen, die in Unternehmen gebunden waren, brachte der Verkauf von Bildern relativ schnell liquide Mittel. Rechtlich konnte er sich dabei auf den Passus in den Statuten der Stiftung berufen, der besagte, dass der Stiftungsrat berechtigt sei, «einzelne Teile der Stiftung zu veräussern, falls die Vermögenslage der Stiftungsberechtigten es aus irgendeinem Grund nötig machen sollte». Im Gegensatz zu einer öffentlichen Stiftung bezahlt eine Familienstiftung Steuern. Leiht sie ihre Bilder an ein staatliches Museum, spart sie diese Steuern.

Peter Staechelin verkaufte im Sommer 1967 aus der Bildersammlung seiner Familie Monets «Le petit port de mer», Sisleys «Le village au sablon», Cézannes «Portrait de l’artiste» und das kapitale Werk «La Berceuse» von Vincent van Gogh, das im Kunstmuseum hing. Die Bilder erbrachten zusammen etwa elf Millionen Franken, der Van Gogh allein, der heute in der Sammlung von Mr. and Mrs. Walter H. Annenberg in den USA hängt, wurde damals für vier Millionen Franken verkauft.

In Basel löste der Verkauf des Bildes von Van Gogh einen Sturm der Entrüstung aus. Beim Kunstmuseum klingelten die Alarmglocken. Der damalige Direktor Franz Meyer (1919–2007) erfuhr am 22. Juni 1967 vom geplanten Verkauf der «Berceuse», wie er sich 1990 in seinem Beitrag zum Katalog der Sammlung Rudolf Staechelin erinnert. Dem Kunstmuseum wurde das Vorkaufsrecht gewährt. Es machte aber nicht davon Gebrauch, denn man befürchtete einen noch grösseren Aderlass. Die Kunstkommission des Kunstmuseums stellte darum eine Prioritätenliste zur Rettung jener Bilder auf, die von der Staechelinschen Familienstiftung im Kunst­museum hingen. Die Liste sah so aus: ­ 1) Picassos «Deux Frères», 2) Gauguins «Nafea», 3) Picassos «Arlequin assis» und 4) van Goghs «La Berceuse».

Die Stadt sammelt Geld

So liess man die «La Berceuse» ­ziehen und konzentrierte sich auf die beiden Picassos, für die Peter Staechelin aus den USA Angebote in der Höhe von 14 oder 12 Millionen Franken vorliegen hatte. Am 10. August konnte sich das Kunstmuseum mit Peter Staechelin auf einen Preis von neun Millionen Franken einigen, der später noch auf 8,4 reduziert wurde. Der Vertrag regelte diesen Ankauf und hielt fest, dass zwölf Bilder der staechelinschen Familienstiftung, die bereits als Leihgaben im Museum hingen, die nächsten 15 Jahre im ­Museum bleiben werden.

Man war sich schnell einig, dass die beiden Picasso-Bilder in Basel bleiben mussten. Die Regierung sprach sich ­dafür aus und quer durch die Parteien war die Zustimmung gross. Als der Grosse Rat am 12. Oktober 1967 darüber abstimmte, ob aus der Staatskasse sechs Millionen Franken freigegeben werden sollten, um die beiden Bilder zu kaufen, gab es nur vier Gegenstimmen. Der Kostenschlüssel sah vor, dass aus der Staatsschatulle sechs Millionen für den Ankauf kommen und Private die restlichen 2,4 Millionen Franken beisteuern sollten.

Dieser Betrag kam schnell durch Beiträge aus der Industrie, durch Zuwendungen von grossen und kleinen Firmen und durch kleine Beträge von Hunderten von Baslern zusammen. Der Kanton Baselland, der Stadtpräsident von Zürich, Sympathisanten in Genf, Thun, St. Gallen leisteten gewichtige Zuschüsse. Aber auch Aktionen von Künstlern, Sportlern und Schülern brachten Geld. Die Sammelanstrengungen gipfelten am 25. November im so­genannten Bettlerfest, das zu einem eigentlichen Volksfest wurde. «Die ­ganze Stadt verwandelte sich in einen grossen Bazar durchsetzt von Attraktionen aller Art, es regnete Geld», schreibt Franz Meyer über den Herbst 1967 anlässlich der Picasso-Ausstellung im Kunst­museum, die er 1976 veranstaltete.

Das Bettlerfest

Der Maler Lenz Klotz erinnert sich noch heute mit Freude an die Picasso-­Aktion. Man habe sich damals, sagt er im Gespräch mit der BaZ, statt immer nur zu kritisieren einmal gemeinsam für etwas Positives eingesetzt. Klotz hat wie viele Künstler mit einer Lithografie zum Erfolg der Geldsammlung beigetragen. Franziska Heuss war damals ­Sekretärin im Kupferstichkabinett. Angesprochen auf das Bettlerfest erinnert sie sich, dass das Kunstmuseum von der Originaldruckplatte von Matthäus Merians «Basler Ansicht mit Rhein» hundert Exemplare abgezogen habe, die dann am Bettlerfest verkauft wurden.

Yvonne Boerlin, damals wissenschaftliche Assistentin im Kupferstichkabinett, beschreibt den Hof des Kunstmuseums, wie er voller Verkaufsstände gewesen sei. In Erinnerung geblieben sind ihr unter anderem ein imaginäres Läuserennen: Auf die Läuse, die man sich vorstellen musste, konnte gewettet werden. Oder Einzahlungsscheine, die am Bettlerfest das Stück zu fünf Franken verkauft worden sind. Die Schlussabrechnung des Bettlerfestes bilanzierte über 200 000 Franken, die für die ­Picasso-Bilder bereitgestellt wurden.

Kurz vor dem Bettlerfest stellte der Garagist Alfred Lauper die Hochstimmung der Kunstfreunde aber radikal ­infrage. Lauper, der später Grossrat der Nationalen Aktion wurde, gehörte zu jenen Kleinaktionären der Globe Air, die ihr Geld durch den Konkurs verloren hatten. Er argumentierte, das Geld solle nicht für Kunst, sondern für soziale ­Belange ausgegeben werden und sammelte 2035 Unterschriften für ein Referendum gegen den Grossratsbeschluss, das er am 23. November einreichte. Die Volksabstimmung über den Picasso-Kredit fand drei Wochen später statt, am 17. Dezember 1967.

Feilschen und Abstimmungskampf

Nun entfesselten die Zeitungen einen Kampf um die öffentliche Meinung. Alle Leitartikler, von den konservativen Basler Nachrichten über die ­liberale National-Zeitung bis zum ­christlichen «Volksblatt» der sozial­demokratischen «AZ» und dem kommunistischen «Vorwärts» sprachen sich für den Kauf der Picassos aus. «Wichtig war aber besonders die Stellungnahme der Zwölf- bis Zwanzigjährigen», erinnert sich Franz Meyer im bereits zitierten Aufsatz. «Picasso war ihre ­Sache, sie haben Eltern, Grosseltern, Tanten und Onkel an die Urnen gebracht, und, wo es nötig war, zu einem ‹Ja› umgestimmt. Ihnen vor allem, das hat auch Picasso selbst so empfunden, war das über­raschende Resultat zu verdanken.»

Im Abstimmungskampf tat sich ­neben Alfred Lauper auch der Jurist, Publizist und Frauenrechtler Peter von Roten hervor. Von Roten wandte sich gegen den «Mammut-Betrag», der in keinem Verhältnis dazu stehe, dass man bei einem Schulhaus oder einer Polizeikaserne um Beträge von 10 000 Franken feilsche. Lenz Klotz erinnert sich, dass Iris von Roten an einer Podiumsdiskussion unter der Leitung von Helmut Hubacher gesagt haben soll, dass man für das Geld gescheiter Bilder des Malers Adolf Dietrich kaufen solle, zum Beispiel Meersäuli. Lenz Klotz verschlug es die Sprache, als er das hörte.

Die Abstimmung geriet zu einem Triumph der Picasso-Anhänger. Mit 32 118 gegen 27 190 Stimmen sagten die Basler am 17. Dezember 1967 Ja zu den sechs Millionen Franken für den Kauf der Bilder.

Picasso war darob so erfreut, dass er das Kunstmuseum grosszügig beschenkte. Franz Meyer erinnert sich, dass ihn am Abstimmungssonntag ein Telefon von Picassos Frau Jacqueline erreichte, die ihm sagte: «Venez tout de suite, il y aura une grande surprise pour vous!» Meyer fuhr dann am Dienstag nach Vallauris bei Cannes, wo Picasso wohnte. Schon am Montag kamen die beiden Basler Journalisten Bernhard Scherz und Kurt Wyss, die mit einem Empfehlungsschreiben des Chefredaktors der National-Zeitung reisten, im nahegelegenen Mougins an. Am ­Mittwoch erhielten sie von Jacqueline Picasso die Einladung, am Nachmittag in Picassos Villa in Vallauris zu kommen. Sie trafen dort auf Franz Meyer, der einigermassen verdutzt gewesen sein soll über den unerwarteten Basler Besuch, wie Kurt Wyss sich erinnert.

Jedenfalls zeigte Picasso Meyer zuerst die beiden Bilder «Homme, femme et enfant» (1906) und eine Studie zu «Les demoiselles d’Avignon» (1907), die er dem Kunstmuseum zu schenken beabsichtigte. Danach sagte der Künstler, dass er dem Museum noch ein weiteres Bild schenken möchte, aber noch nicht genau wisse, welches. Meyer konnte sich dann im Atelier umsehen und entschied sich für zwei Bilder. Er hat dann vor sich hingemurmelt: «Pour le moment je ne sais pas ­lequel des deux.» Jacqueline Picasso habe geantwortet: «Mais pourquoi pas tous les deux!» Picasso ging auf den Vorschlag ein, und so kam Meyer mit vier Bildern überreich beschenkt zurück nach Basel. Neben den erwähnten handelte es sich um «Vénus et l’amour» und «Les couples», die beide 1967 entstanden sind. Als ob das nicht mehr als genug war, entschloss sich die Basler Kunst­mäzenin Maja Sacher, dem Kunstmuseum noch Picassos «Le poète» als Weihnachts­geschenk zu überreichen.

So schön sich in diesem turbulenten Jahr alles fügte für das Kunstmuseum und die Stadt, so schmerzhaft waren die Wunden, die das Ganze in der Familie Staechelin hinterliess. Auch wenn niemand den Staechelins verbieten konnte, die Bilder zu verkaufen, so wurden die Verkäufe von vielen Baslern doch als eine «Art Feindaktion verstanden», wie Franz Meyer schreibt. Und Ruedi Staechelin, der inzwischen 60 Jahre alte Sohn des Globe-Air-Gründers, erinnert sich, wie sein Bruder und er, die 1967 aufs Humanistische Gymnasium gingen, regelrecht gemobbt wurden. Ihr Vater nahm sie aus der Schule und schickte sie ins Internat Montana bei Zug. Auch die Ehe der Staechelins ging in die Brüche. Vater ­Peter wurde in Basel zur Persona non grata. Er zog nach Monaco und Kenia, wo er wieder eine Chartergesellschaft aufbaute. 1977 starben Peter Staechelin und sein Sohn Martin beim Absturz eines Kleinflugzeugs.

Zurzeit hängen 18 Bilder aus der Staechelinschen Familienstiftung, die inzwischen in einen Trust amerikanischen Rechts überführt wurde, als Leihgabe im Kunstmuseum Basel. Wie lange das so bleiben wird, ist offen. Ruedi Staechelin hat 1989 Gauguins «Entre les lys» für elf Millionen Franken verkauft und die Leihgaben schon einmal für fünf Jahre in die USA ausgeliehen. Von 1997 bis 2002 hingen sie im Kimberley Art Museum in Texas, weil er sie von der sogenannten Unidroit-­Konvention retten wollte. Seit fünf Jahren sind sie wieder zurück.

Die Zukunft der Sammlung

Staechelin erinnert im Gespräch mit der BaZ daran, dass der Vertrag mit dem Kunstmuseum in zwei Jahren auslaufe. Und er erinnert daran, dass er 2008 bei der Wahl des Anwalts Peter Mosimann zum Präsidenten der Kunstkommission des Kunstmuseums aus dieser Kunstkommission ausgetreten sei. Er fühle sich seither nicht mehr wohl im Museum, denn mit Mosimann präsidiere der Intimfeind von Ernst Beyeler die Kunstkommission, sagt er.

Mosimann vertrat beim Restitu­tionsprozess um Wassily Kandinskys «Improvisation 10» (1910) die Erben und erzielte 2002 mit Beyeler einen ­millionenschweren Vergleich. Für ­Ruedi Staechelin ist die Rolle von Museums­präsident und Restitutions­anwalt nicht kompatibel, weil die Interessenkonflikte offenbar seien. Sprich: Der Museumspräsident muss die Sammlung zusammenhalten und die Leihgeber bei Laune halten, der Kunstanwalt muss Rechtsansprüche von Nachkommen durchsetzen und wird dabei potenziell zum Gegner des Sammlers. Peter Mosimann stellte sich immer auf den Standpunkt, dass er als Anwalt sehr wohl zwischen den verschiedenen Rollen zu unterscheiden verstehe.

So perpetuiert sich die spannungsreiche Geschichte zwischen Kunst­museum und Leihgeberfamilie. Es ist offensichtlich, dass sich aus dem Depositum so etwas wie ein Gewohnheitsrecht ergibt. Das Museum und seine ­Besucher gemeinden die Leihgaben ein und nehmen sie als Teil der permanenten Sammlung wahr. Ein Verkauf aus dieser Bildersammlung wird als Affront empfunden. Andererseits pocht der Leihgeber auf die private Verfügungsmacht über sein Eigentum. Es entsteht damit ein labiles Gleichgewicht, das permanent gepflegt werden will. (Basler Zeitung)

Erstellt: 10.04.2013, 14:13 Uhr

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