Hier staunen Schweizer Gamer

Ludicious, Treffpunkt Zeughaushof in Zürich: Einen Anlass dieser Grösse hat die Schweizer Gamer-Gemeinde noch nicht erlebt – Riesen-«Pac Man» inklusive.

Andachtsvoll wird sich die Gamergemeinschaft versammeln: «Pac Man»-Projektion, hier in Genf.


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Wann wird das Computerspiel endlich als Kunstform akzeptiert? Und wann kann man Geld verdienen damit? Das sind die zwei grossen Fragen, die die Schweizer Gamedesigner seit Jahren umtreiben.

«Bald», sagt Dominik Marosi, «vielleicht nach diesem Wochenende!» Marosi ist Leiter von Ludicious, dem heute beginnenden und bis Sonntagabend dauernden Zürcher Computerspielfestival. Einen Anlass dieser Grösse hat die Schweizer Gamer-Gemeinde noch nicht erlebt, der Zeughaushof nahe der Langstrasse wird komplett in Beschlag genommen. Getragen wird das Festival hauptsächlich von Pro Helvetia und der Stadt Zürich, das Budget beträgt 400'000 Franken.

Anders als die Blockbuster

Marosi, bisher Mitorganisator des Badener Animationsfestivals Fantoche, will Laien und Insider gleichermassen ansprechen. Erstere können in Workshops die Grundlagen des Gamedesigns erlernen und gratis vom frühen Morgen bis tief in die Nacht die neusten Kreationen hiesiger Spielemacher testen. Die Games werden an verschiedenen, mit insgesamt 21'000 Franken dotierten Wettbewerben miteinander verglichen.

Es sind Indie-Spiele mit avantgardistischen Geschichten, Grafiken und Gameplays, die sich von den Blockbustern der Industrie radikal unterscheiden. «Dur» etwa hätte einen Arnold Schönberg jubeln lassen: Der User spielt darin ein Musikwesen, das mit seiner Violine allein Berge versetzt. Oder das Multiplayer-Spiel mit dem bezeichnenden Namen «Schlicht». Hier unterstützen sich zwei befreundete Gamer, um in einer minimalistischen, an Bilder von Kasimir Malewitsch erinnernden Spielwelt überleben zu können. Oder das dalíeske «Krautscape», das mit fast allen Gewohnheiten eines konventionellen Arcade-Rennspiels bricht.

Mehrere der Games experimentieren mit Oculus Rift, einer Hightechbrille, die ein komplettes Eintauchen in die virtuelle Realität ermöglicht. Beinahe konventionell erscheint da das bereits ziemlich bekannte, als App ziemlich erfolgreiche Strategiespiel «First Strike», das den Gamer als Besitzer von Atomwaffen in die moralische Bredouille bringt.

Und dann kommt «Pac Man»

So sehr sich diese Spiele auch unterscheiden, entwickelt wurden sie alle in Zürich. «Zürich ist eigentlich eine Game-Hauptstadt», sagt Festivalleiter Marosi. Jedes Jahr bildeten die ETH und die ZHdK eine Vielzahl fähiger Gamedesigner aus, die sich jedoch sehr häufig ausbildungsfremde Jobs suchen oder in Länder auswandern müssten, wo die Game-Industrie weiter gediehen sei. «Wir wollen mit Ludicious auf das künstlerische und wirtschaftliche Potenzial der hiesigen Szene aufmerksam machen», sagt Marosi.

Künstler und Investoren sollen an den diversen Fachvorträgen und Hintergrundgesprächen in Kontakt kommen. Als Referenten werden beispielsweise Melina Roshardt von der Crowdsourcing-Plattform Wemakeit.ch, Digital-TV-Experte Dario Vieceli von Swisscom oder Jeremy Spillmann von den Zürcher Blindflug-Studios auftreten.

Am Samstagabend soll die gesamte Gamer-Gemeinschaft, Publikum wie Experten, sich dann im Zeughaushof versammeln, so hofft Marosi: dann wird nämlich auf der Fassade riesengross der Game-Klassiker «Pac Man» von 1980 projiziert – er wird für alle spielbar sein, versteht sich. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.09.2014, 15:28 Uhr

Das Festival

Ludicious, 18.–21.9., Kasernenareal Zürich. Mit der Festival-App können Programm und Ort abgerufen sowie einzelne Games angespielt werden. Mehr Informationen unter www.ludicious.ch

Eintauchen in die virtuelle Realität: Südkoreanische Kinder mit Oculus-Rift-Brillen. (22. August 2014)

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Dalíeskes Rennspiel: «Krautscape»

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Miteinander statt gegeneinander: Das Multiplayer-Game «Schlicht»

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Schönberg hätte gejubelt: Der Trailer zu «Dur»

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