«Basel bekommt zwölf neue Planeten»

Klaus Littmann bespielt während zwei Wochen den Himmel über der Stadt.

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BaZ: Ihre temporären Interventionen im öffentlichen Raum umfassten bereits den Boden, Fassaden, den Himmel und sogar die Spitze des Basler Münsters. Jetzt folgt der Kosmos. Haben Sie damit alle Räume dieser Stadt bespielt?
Klaus Littmann: Ich habe mir eigentlich gedacht, ich hätte nun alles bespielt. Gestern Morgen ist mir dann aber eingefallen, dass das Wasser noch fehlt. Damit gerät jetzt auch der Rhein in mein Visier. Ich habe zwar noch keine konkrete Idee, aber es wird sicher eine entstehen.

Wie sind Sie auf die Idee eines «Jardin des Planètes» gekommen?
Für eine ganz andere Idee wollte ich zusammen mit dem Künstler Peter Kogler ein Projekt in Singapur realisieren. In diesem Zusammenhang bin ich auf eine Firma in Wien gestossen, die Objekte produziert, die aufblasbar sind. Als ich die Firma persönlich besichtigt habe, bin ich in einer Halle auf eine riesige, leuchtende Kugel von vier bis fünf Metern Durchmesser gestossen. Es handelte sich dabei um den Prototyp einer mit Helium gefüllten, transparenten und leuchtenden Kugel. Das brachte mich auf die Idee, das Werk eines Künstlers auf diese Kugel übertragen zu lassen. Daraus ist jetzt das Projekt «Jardin des Planètes» entstanden, an dem sich zwölf nationale und internationale Künstler beteiligen.

Welche Überlegungen stehen hinter diesen künstlerischen Planeten?
Die grossen und die menschliche Vorstellungskraft übersteigenden Entfernungen unseres realen Sonnensystems konzentriert und transformiert der «Jardin des Planètes» zu einem künstlichen und transportablen Weltall. Die Gesetze der Astrologie werden weitgehend durch jene der Kunst ersetzt. Die runden Bilder in der Luft sind zudem eine Ausstellung unter freiem Himmel, die von Weitem sichtbar ist und den Ort, wo die Ballone installiert werden, temporär verwandelt.

Wie haben die von Ihnen ausgewählten Künstler auf diese Idee reagiert?
Für die Künstler ist es spannend, wenn man mit einer Idee auf sie zukommt. So entsteht ein echter Dialog auf Augenhöhe. Das ist sowohl für die Künstler wie für mich eine wunderbare Ausgangslage. Mir ist dabei auch wichtig, dass ich verschiedene Künstler und verschiedene Ausdrucksformen zusammenbringe.

Was fasziniert Sie persönlich am Projekt mit den Planeten?
Das Weltall, der Kosmos und das Sonnensystem sind alles Dinge, die geheimnisvoll und für uns letztlich immer noch schwer fassbar sind. Es ist äusserst spannend zu verfolgen, wie Künstler versuchen, sich diesen Themen anzunähern und sie zu visualisieren. Dabei spielen Gedanken wie die Veränderung, Auflösung und sogar die Zerstörung unseres Planeten mit. Diese ganz unterschiedlichen künstlerischen, ökologischen und politischen Ansätze machen die Faszination dieses Projektes aus. Und Basel bekommt jetzt für einen Zeitraum von zwei Wochen zwölf neue, eigene Planeten.

Projekte im öffentlichen Raum sind technisch schwierig umzusetzen. Wie aufwendig ist der «Jardin des Planètes» aus technischer Sicht?
Die technischen Aufwendungen und Massnahmen nehmen bei diesem Projekt fast kein Ende, weil sie wirklich bis zum Zeitpunkt andauern, an dem die Planeten schliesslich wieder vom Himmel geholt werden. Wir mussten viele Punkte berücksichtigen. Allen voran stand die Suche eines geeigneten Territoriums. Mit dem jetzigen bin ich sehr glücklich, da die Areale von Waisenhaus und Am Lindenberg, wo der «Jardin des Planètes» installiert ist, durch ihre zentrale Lage am rechten – und tiefer gelegenen – Rheinufer topografisch reiz- und sinnvoll sind.

Und wie funktionieren die Planeten?
Sie müssen fast einzeln betreut werden, da sie der Witterung ausgesetzt sind. Dabei spielen die Sonneneinstrahlung, die Wärme oder die Windgeschwindigkeiten eine Rolle. Wir stehen ständig mit der Wetterstation auf dem Flughafen in Verbindung, die uns mit den meteorologischen Daten versorgt. Am Boden müssen wir eine Landingstation haben, wo der Ballon in der Nacht und bei schlechter Witterung in einen Ring gesetzt werden kann.

Haben Sie mit diesem Aufwand gerechnet?
Nein, aber das ist bei all meinen Projekten ähnlich. Am Anfang steht eine Idee. Wenn ich dann im Nachhinein den Aufwand dafür überblicke und diesen bereits im Vorfeld gekannt hätte, hätte ich das Projekt wohl nie gemacht. Es braucht eine etwas naive Haltung, um solche Vorhaben dann auch wirklich zu realisieren. Bei den Planeten spielt die Sicherheit eine grosse Rolle, weil es keine statischen Objekte sind. Hier darf man dann auch keinen Aufwand scheuen. Die Planeten steigen von morgens sechs Uhr bis um ein Uhr nachts auf und werden rund um die Uhr beobachtet und bewacht.

Wie hoch steigen die Planeten auf?
Wie mussten das genau beim Bund abklären. Höher als 80 Meter dürfen wir die Planeten nicht steigen lassen. Das ist schon sehr hoch und wir brauchen diese Höhe auch nicht. Die einzelnen Planeten werden auf unterschiedliche Höhe steigen, was nicht zuletzt thermisch bedingt ist.

Der Effekt der Planeten bei Tag und bei Nacht wird also sehr verschieden sein?
Ja, und das ist durchaus gewollt. Je nach der Farbe des Himmels zeigen sich die Planeten verschieden. Daniele Buetti beispielsweise hat eine Kugel geschaffen, die ganz grau ist und in einem grauen Himmel verschwindet. Andere treten je nach Lichteinfall und Wetter stärker oder schwächer in Erscheinung. Diese ständige andere Wahrnehmung ist spannend und definiert auch den Ort immer wieder anders. Sehr reizvoll wird es in der Nacht sein, wenn die Planeten leuchten. Ich denke, dass hier aus den verschiedensten Perspektiven heraus schöne Bilder entstehen. Das kann sehr poetisch wirken.

Der «Jardin des Planètes» dauert bloss zwei Wochen. Wieso so kurz?
Das ist technisch und finanziell bedingt. Das Projekt ist – wie bereits gesagt – in jeder Hinsicht sehr aufwendig. Die kurze Dauer erklärt sich auch daraus, dass es nicht ein statisches Projekt wie etwa ein Skulpturenpark ist. Das ist hier nicht der Fall. Der «Jardin des Planètes» muss während dieser zwei Wochen über 24 Stunden hinweg betreut werden und deshalb ist eine längere Dauer unmöglich.

In Basel laufen derzeit zwei Projekte von Ihnen. Die von Ihnen initiierte Central Station des Künstlers Franz Burkhardt und hier aktuell die Ausstellung «David Bowie» in Gugging. Was kommt danach?
Es gibt Phasen, wo ich eher entspannt arbeiten kann, doch gegenwärtig ist eben alles sehr dicht. In der Central Station plane ich noch eine kleine Hommage an eine verstorbene Persönlichkeit. Doch mehr möchte ich darüber noch nicht verraten. Die hier zuletzt gezeigte Ausstellung über Giacomettis Werk «Paris sans fin» wird im Dezember in der Fondazione Culturale Hermann Geiger in Cecina, in der Toskana, gezeigt und geht dann nach Boston und Klagenfurt weiter. Und in Klagenfurt habe ich mein grösstes Projekt, es ist auch das grösste künstlerische Projekt, dass es im öffentlichen Raum in Österreich je gegeben hat. Unter dem Titel «For Forest» wird ein ganzer Wald in das Fussballstadion von Klagenfurt gepflanzt. Die Idee geht auf eine Zeichnung des österreichischen Künstlers Max Peintner mit dem Titel «Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur» zurück. Dieses Projekt, das im kommenden Herbst realisiert wird, beschäftigt mich im nächsten Jahr fast ausschliesslich. Am 8. November stelle ich «For Forest» erstmals in Basel vor. Momentan läuft eben sehr viel parallel. (Basler Zeitung)

Erstellt: 10.10.2018, 11:41 Uhr

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