Ein Kreis im Kornfeld

Ein Kornkreis! In Uster! Esoteriker und Ufologen sind aus dem Häuschen. Dabei wurde das Geheimnis hinter dem Phänomen längst gelüftet. Auch diesmal waren keine Aliens am Werk.

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Zum Glück besitzt der Schwiegersohn von Bauer Hanspeter S. eine Drohne. Sonst hätte die Öffentlichkeit womöglich gar nie vom Kornkreis bei Uster erfahren. Am Montag hatte S. vom Traktor aus in einem seiner Felder geknickte Ähren gesehen. Die Drohne lieferte dann die Bestätigung: ein Kornkreis. Bestehend aus einem grossen Rund mit Muster, sowie einem Bogen mit kleineren Kreisen an beiden Enden. Für Hanspeter S. war klar: «Das kann nicht von Menschenhand geschaffen worden sein.»

Das Kornkreisjahr 2018 war bisher ein ruhiges, selbst in Wiltshire wurden erst sechs Muster gesichtet. Dabei gilt die Grafschaft im Südwesten Englands als Epizentrum der Kornkreiserscheinungen. Ende der 70er und Anfang der 80er tauchten hier in den Sommermonaten zum ersten Mal rätselhafte Strukturen in Feldern auf. Zunächst waren das einfache Kreise, später komplexere Muster. Vor allem kamen diese immer zahlreicher vor.

So pilgerten schon bald Ufologen, Alchemisten, Esoteriker und Mystiker nach Wiltshire; für Nachrichten von Ausserirdischen hielten sie die Muster, für Abdrücke von Plasmawolken oder Spuren alter Brauchtümer, schliesslich steht hier auch Stonehenge. Kornkreise wurden zum weltweiten Trendphänomen. TV-Sender drehten Dokumentarfilme, Boulevard-Medien füllten ihre Seiten, selbst ernannte Experten publizierten Bücher, Erich von Däniken sagte auch etwas.

Doug und Dave des Nachts im Feld

Und dann lüfteten Doug und Dave ihr Geheimnis. Am 7. September 1991 publizierte die Zeitung «Today» einen Artikel, in dem die beiden Künstler Douglas Bower und David Chroley erzählten, wie sie in ganz Wiltshire Kornkreise in Felder zeichnen. Nacht um Nacht hatten sie sich um die Ohren geschlagen mit Schnur, Brett und selbst gebasteltem Messinstrument. Die Idee dazu war ihnen gekommen, als sie von einem australischen Bauern gehört hatten, der in einem Feld einen kreisrunden Ufolandeplatz gefunden haben wollte.

Die Entmystifizierung der Kornkreise schritt seither weiter voran. Der US-Physiker Richard Tylor legte in einem wissenschaftlichen Artikel ausführlich dar, wie sich mit GPS-Geräten und einem Magnetron aus einer Mikrowelle komplexe Kornkreise fertigen lassen. Britische Kornkreiskünstler begannen, sich immer öfter öffentlich zu ihren Mustern zu äussern. Das Kollektiv Circlemakers etwa liess sich 1998 gar von der BBC begleiten: Eine Nacht lang stapften sie mit Kompass, Laserpointer, Massband und Brett durch ein Feld. Schufen vor laufender Kamera eines ihrer Muster; erklärten, die Getreidehalme müssten «gebogen werden, ja nicht geknickt».

Mitbegründer und Künstler John Lundberg hatte sich schon früher mit der Wirkung von Mythen und Legenden auf unsere Realität befasst. Als er von Doug und Dave hörte, wollte er es ihnen gleichtun. Nur öffentlich: «Wir sind die Ketzer. Wir sprechen offen über unser Schaffen und hinterfragen so das Glaubenssystem jener, die an die Übernatürlichkeit von Kornkreisen glauben.»

Ein Kornkreis für Pepsi

Kornkreise sind über die Jahre längst Teil der Popkultur geworden. Bücher zum Phänomen verkaufen sich fast von alleine. Und Kornkreiskünstler wie die Circlemakers bieten ihre Dienste gegen Geld an: für die Band Korn, für eine Pepsi-Werbung, für eine Greenpeace-Kampagne.

Gebracht hat die Entmystifizierung wenig. Noch immer pilgern jedes Jahr Tausende Menschen aus aller Welt nach Wilshire, oder sonst einem Kornfeld. Sie und zahlreiche Experten sind überzeugt, dass Kornkreise nicht von Menschenhand gefertigt werden können. So auch Peter Keller, den «20 Minuten» zum Kornkreis von Uster befragte. Das Muster stamme nicht von Menschen, so Keller. «Es muss sich um andere Intelligenzwesen handeln, die uns Informationen übermitteln wollen.» Offenbar nicht: Am Mittwochabend gab das Online-Magazin «Izzy» in einem Video bekannt, dass es den Kornkreis erstellt hat.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.06.2018, 20:58 Uhr

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