Jazz, Chansons und Bänkellieder

Bryan Ferry sang und sprach in der Fondation Beyeler.

Gerissener Interpret. «An intimate evening with Bryan Ferry», präsentiert von der Fondation Beyeler und Bayer.

Gerissener Interpret. «An intimate evening with Bryan Ferry», präsentiert von der Fondation Beyeler und Bayer. Bild: Caroline Minjolle

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Während Bryan Ferrys Auftritt vom Samstagabend musste man mehrmals an Bob Dylan denken. Das nicht nur, weil der britische Crooner sozusagen als Kernstück seines 45 Minuten kurzen Sets Dylans «Don’t Think Twice, It’s All Right» veredelt. Wie Dylan ist Ferry ein gerissener Interpret, der fremde Lieder sein eigen zu machen weiss. Und umgekehrt seine eigenen Stücke fremd wirken lässt.

«Don’t Think Twice, It’s All Right» ist beileibe nicht der einzige Höhepunkt des Abends. Dass «Bitter Sweet», 1974 von Roxy Music eingespielt, so stark von Kurt Weill inspiriert war, wusste man bislang nicht. Nach dieser kargen Fassung wird man die abgedunkelte Ballade nie wieder so hören wie zuvor. «Chance Meeting» aus dem Jahre 1972 gehört auch heute noch zu Ferrys schönsten Melodien. Besser als beim schnörkellosen Original kann man dieses Stück vertonter Sehnsucht kaum spielen, und Ferry versucht das auch nicht erst.

Mit dem eher obskuren «This Island Earth» endet der musikalische Teil des Abends. Zugaben sind ausgeschlossen. Ferry kehrt kurz darauf auf die Bühne zurück, um sich mit dem britischen Kunstkritiker Michael Bracewell auszutauschen. Es sei schon surreal, nach einem Konzert ein Gespräch zu führen, meint Ferry. Tatsächlich braucht er viel Zeit, um in Fahrt zu kommen. Locker wirkt Ferry erst beim Abgang, als Bracewell ihn dazu auffordert, sich seine Traumband vorzustellen. Gerne hätte er den Saxofonisten Charlie Parker und den Pianisten Teddy Wilson an seiner Seite, meint Ferry, den Hintergrundgesang könnten William Shakespeare und T. S. Eliot übernehmen.

Dass das Gespräch nur winzige Details über Ferrys Musik offenlegt, liegt vor allem an Bracewells Fragen. Gar viele davon drehen sich um Ferrys Anfänge, was aber eine gewisse Aktualität hat: Jüngst wurde Roxy Musics gleichnamiger Albumeinstand in einer Deluxe-Edition wiederveröffentlicht. Ergiebiger wäre es gewesen, Ferrys Arbeitsweisen und Inspirationen auszuleuchten, dafür hätte das vorangegangene Konzert eigentlich eine hervorragende Vorlage geboten.

Thema im Gespräch ist Ferrys Vorliebe für die Musik der 1930er-Jahre, als europäische und afroamerikanische Liedtraditionen aufeinanderprallten. Aus dieser Zeit stammt Ferry Rodgers & Harts «Where Or When» und Hollaender & Lerners «Falling in Love Again». Seine Versionen wirken allerdings wie Füller: Hier zollt Ferry den Songwritern Tribut, anstatt Neuinterpretationen ihrer Stücke zu wagen.

Weil bei seinem Kurzkonzert nicht alles überzeugt, hätte man in der Fondation Beyeler gerne mehr als die neun gespielten Songs gehört. Und auch erwartet. Bei einem erweiterten Set hätte Ferry nicht einmal sein übliches Pflichtprogramm mit Hits wie «Do The Strand» oder «Jealous Guy» streifen müssen. Seinem Spagat zwischen Kurort-Jazz, Chanson und Bänkellied hätte man noch stundenlang zuhören können – in der Hoffnung, mehr über die stupend spannende Musik des heiseren Stilisten zu erfahren. Nur: Wie Dylan gibt auch Bryan Ferry immer weniger von sich preis, als er zu tun verspricht. Der Samstagabend in Riehen war keine Ausnahme. (Basler Zeitung)

Erstellt: 19.03.2018, 09:36 Uhr

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