Kunstmuseum Basel zeigt Weibsbilder

Das Kunstmuseum Basel zeigt Weibsbilder: Ein Ausstellung des Kupferstichkabinetts beleuchtet das Bild der - vornehmlich nackten - Frau um 1500, was Bezüge auch zur Gegenwart erlaubt.

Adam und Eva von Hans Wydyz d. Ä.

Adam und Eva von Hans Wydyz d. Ä. Bild: © Historisches Museum Basel

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«Weibsbilder. Eros, Macht, Moral und Tod um 1500» lautet der volle Titel der am Donnerstag vorgestellten neuen Sonderausstellung im Kunstmuseum Basel. Rund ein Drittel der knapp 100 Exponate sind Leihgaben aus renommierten Häusern. Vorwiegend aber schöpfte das Kupferstichkabinett aus dem Reichtum seiner eigenen Bestände.

Von Manuel bis Dürer Nur dank dieser Sammlung, die mittlerweile etwa 300'000 Zeichnungen, Aquarelle und Drucke umfasst, sei eine solche Ausstellung in dieser Breite überhaupt möglich, sagten Museumsdirektor Josef Helfenstein und Kuratorin Ariane Mensger. Allein die Basler Bestände etwa an Werken von Niklaus Manuel und Urs Graf gelten als weltweit einmalig. Ausser von Manuel und Graf vereint die Schau Werke von Künstlern wie Albrecht Dürer, Hans Baldung Grien, Lucas Cranach, Albrecht Altdorfer, Sebald Beham, Hans Holbein, Lucas van Leyden und anderen. Der Schwerpunkt liegt auf der Zeichenkunst. Hinzu kommen einige Ölgemälde und vereinzelt Statuetten.

Sinnlich und erotisch Das Abbild einer nackten Frau war im Mittelalter nur in sehr engem Rahmen möglich, so namentlich als Eva-Darstellung. Beliebtes Sujet wurde der weibliche wie männliche Akt erst in der Renaissance. Dabei zeigte sich eine Besonderheit nördlich der Alpen, wie Ariane Mensger im Katalog zur Ausstellung festhält. Von etwa 1480 bis 1530 finden sich vorab in Deutschland und der Schweiz Bilder, denen gemein war, dass sie die Frauen sinnlich und erotisch und oft nackt oder gar obszön zeigten. Diese sexualisierte Darstellung stand allerdings nicht für sich, sondern erfolgte in der Regel im Rahmen einer sittlichen oder moralisierenden Erzählung. Die Frau war verführerische Venus oder exemplarische Tugendheldin, aber auch Herrscherin über den Mann oder Hexe. Sie war ebenso schön und sinnlich sündhaft und gefährlich. Darin spiegelte sich laut Mensger nicht nur ein auf die Kirche zurückgehendes latent negatives Frauenbild, sondern auch eine Verschärfung sittlicher Ideale um 1500.

Wandel um 1500 Hintergrund war ein gesellschaftlicher Wandel, der im Erstarken des städtischen Bürgertums und der Abgrenzung zu Klerus, Adel und Bauern Ausdruck fand. Die Frau hatte weniger Zugang zur Arbeitswelt, die Ehe erhielt mehr Bedeutung, die Prostitution wurde zurückgedrängt. Im Bild wurde die Frau Projektionsfläche für das Verdammenswerte. Die Ausstellung widmet sich den laut Mensger «attraktiven und gefährlichen» Frauen, nicht den - damals ebenfalls dargestellten - sittsamen und frommen. Verworfen worden seien dabei Bedenken zum Titel «Weibsbilder»: Dieser solle nicht zuletzt auch zum Anknüpfen an Themen provozieren, die uns heute noch beschäftigten. www.kunstmuseumbasel.ch (amu/sda)

Erstellt: 05.10.2017, 16:57 Uhr

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