«Man darf das Publikum nie für dumm verkaufen»

Der anglo-iranische Comedian Omid Djalili tritt in der Markthalle Basel auf.

«Im Kampf gegen Antisemitismus, Schwulenhass und Islamophobie können wir Comedians einen wichtigen Beitrag leisten.»

«Im Kampf gegen Antisemitismus, Schwulenhass und Islamophobie können wir Comedians einen wichtigen Beitrag leisten.»

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BaZ: Herr Djalili, Sie stecken gerade in einem Shitstorm zum Themenkomplex Comedy und Meinungsfreiheit fest. Worum geht es genau?

Omid Djalili: Eigentlich will ich dieser Sache nicht mehr Platz einräumen, als sie schon erhalten hat. Nur so viel: Ein angeblicher Comedian hat ein Video auf YouTube freigeschaltet, wo sein Hund immer wieder den Hitler-Gruss gibt, wenn er «Vergast die Juden» sagt. Nach seiner rechtmässigen Verurteilung wegen Volksverhetzung hat dieser Typ viele Comedians dazu aufgerufen, sich im Namen der Meinungsfreiheit mit ihm zu solidarisieren. Was viele auch getan haben.

Wie sind Sie zwischen die Fronten geraten?
Ich hatte auf Twitter geschrieben, dass es bei dieser Sache gar nicht um die Meinungsfreiheit geht. Sondern um eine PR-Aktion der Alt-Right-Bewegung, die die Comedy für ihre Zwecke instrumentalisieren will. Ich bin genauso dagegen, dass jemand «Vergast die Juden» in einem YouTube-Video sagt, wie ich dagegen bin, dass jemand alle Muslime als islamistische Fundamentalisten verunglimpft: Wer Rassenhass verbreitet, muss dafür die Konsequenzen tragen. Jetzt werde ich im Internet als Faschist verschrien, der die Meinungsfreiheit beschneiden will.

In Ihren eigenen Shows machen Sie sich über Afrikaner und Araber lustig. Welche Themen sind für Sie tabu und welche nicht?
Per se gibt es kein Thema, das man als Comedian nicht anpacken darf. Aber ein Gag, der auf menschlichem Leid basiert, widerspricht in meinen Augen den Gesetzmässigkeiten der Comedy. Für mich soll Comedy etwas Erhebendes sein, das in dieser verrückten Welt ein wenig Trost spendet.

Fernab der Comedy-Szene haben Sie eine Zweitkarriere als Filmstatist aufgebaut …
Den Begriff Statist verbitte ich mir. Immerhin bin ich ganze vier Minuten in Ridley Scotts «Gladiator» zu sehen. Robert Redford hat mir einmal eingebläut, dass man einen noch so kleinen Auftritt in einer Oscar-prämierten Produktion wie eben «Gladiator» auf gar keinen Fall als vernachlässigbar herunterspielen sollte: Eine Woche auf dem Set von «Gladiator» zu sein, wäre für einen Robert Redford viel erstrebenswerter, als an all den Scheissprojekten mitgewirkt zu haben, mit denen er seine Zeit vergeudet hat.

Was haben Sie bei der Arbeit als Filmschauspieler gelernt, das Ihnen als Comedian zugute gekommen ist?
Dass man dem Publikum nichts vormachen darf. Dazu ein Beispiel: Für die Szene in «Gladiator», bei der ich an Oliver Reeds Seite durch einen Sklavenmarkt laufe, hat Ridley Scott Hunderte Wassermelonen eingekauft, die er in der Kulisse verteilt hat. Man könnte sich fragen, warum er diesen Aufwand betrieben hat, wo man im fertigen Film doch nur zwei oder drei dieser Melonen zu sehen kriegt. Der Grund ist schnell erzählt: Die Kamera sieht alles, ihr entgeht kein noch so winziges Detail. Das bedeutet, dass jeder Schauspieler, jeder Techniker und jeder Kameramann, der in eine Filmproduktion von dieser Grösse involviert ist, alles geben muss, damit eine Szene authentisch wirkt. Genauso ist es bei der Comedy. Man darf das Publikum nicht für dumm verkaufen und irgendwelchen Bullshit durchziehen, nur um einen Lacher zu kriegen. Ein Comedian muss authentisch und vielleicht auch ein bisschen tapfer sein, wenn er beim Publikum ankommen will.

Sie haben für den Fussballclub Chelsea Workshops zum Thema Rassismus geführt. Was haben Sie den Fans denn erzählt?
Mir ist damals aufgefallen, dass viele Fussball-Fans sich gar nicht bewusst sind, wie verletzend ihre Parolen auf ethnische Minderheiten wirken. Im Kampf gegen Antisemitismus, Schwulenhass und Islamophobie können wir Comedians einen wichtigen Beitrag leisten, indem wir der schwindenden Empathie in der Gesellschaft entgegenwirken.

Können Sie ein Beispiel geben, wie das funktionieren soll?
Wenn ich in meinem aktuellen Programm das Thema Brexit aufgreife, dann nicht, um einem Teil des Publikums für seine Haltung in dieser Angelegenheit zu gratulieren und den anderen zu schelten. Wenn ich über den Brexit witzele, will ich den ganzen Zuschauerraum abholen. Was gar nicht so einfach ist, weil es in England kein Thema gibt, das die Gesellschaft tiefer gespalten hat als eben der Brexit.

Markthalle, Basel. Freitag, 18. Mai, 20 Uhr. (Basler Zeitung)

Erstellt: 15.05.2018, 11:01 Uhr

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